Mühsame Gespräche in der Sommerfrische

In Sotschi hat Wladimir Putin die Bundeskanzlerin empfangen. Danach war die häufigste Formel die von den "unterschiedlichen Meinungen".

Sotschi.

Unten, am Schwarzen Meer, liegen auf den benachbarten Kieselstränden schon die ersten Frühurlauber in der Schwarzmeer-Sonne. Vom Sommersitz Wladimir Putins in Sotschi sieht man hier nur eine fünf Meter hohe Betonwand, eine Überwachungskamera lugt darüber, mächtige Panzersperrenkegel aus Stahlbeton bewehren die Anlage zum Meer hin. Drinnen aber herrschen Sommerfrische und Vogelkonzert. Platanen, Palmen und junge Tannen grünen. Hier hat der russische Präsident am Dienstag die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen.

Zwei Stunden Gespräche, dann Pressekonferenz, dann noch ein Arbeitsessen. Schon die Tagesordnung signalisierte, dass man einiges zu bereden hatte, aber nicht wirklich zählbare Ergebnisse erwartete.

Sie sei dankbar, dass sie hier sein könne, sagte die Kanzlerin fast demütig zur Begrüßung. Offizieller Anlass ihres Besuchs war die Vorbereitung des G20-Gipfels in Deutschland Anfang Juli. Wie Berliner Diplomaten am Rande der Visite in Sotschi sagten, auch ein Signal an Putin, dass man mit ihm weiter als konstruktivem Partner im internationalen Geschäft rechne. Aber als Merkel und Putin vor die Presse traten, machten sie nicht gerade Urlaubsgesichter. Wiederholt erklärte die Kanzlerin: "Wir sind unterschiedlicher Meinung."

Das betraf vor allem die Ukraine. Zwar bekannten sich Merkel und Putin ausdrücklich zum Minsker Abkommen. "Es fehlt nicht an einem Abkommen, sondern an seiner Umsetzung", so Merkel. Noch immer funktioniere der Waffenstillstand nicht. "Es sterben weiter Soldaten, auch ukrainische." Eine klare Anspielung, dass auch die Rebellen und ihre russischen Unterstützer für das Stocken des Friedensprozesses verantwortlich sind. Putin verwies darauf, dass nicht Russland die Rebellengebiete durch die Anerkennung ihrer Pässe und die faktische Einführung des Rubels vom Mutterland abtrenne. Sondern dass die Ukraine die Rebellen selbst durch seine Blockade zu dieser Politik zwinge. Und er unterstrich, dass in Kiew eine Junta die Macht ergriffen habe. "Die Regierung in Kiew ist rechtmäßig", beharrte dagegen Merkel.

Und spätestens, als Merkel gefragt wurde, ob sie nach den Meldungen über mutmaßliche russische Cyberangriffe auf die USA auch Moskauer Einflussnahme auf den Bundestagswahlkampf befürchte, wurde klar, dass Merkel im Wahlkampf steht. Es sei ja bekannt, dass die russische Militärdoktrin auch hybride Kriegsführung vorsieht, so Merkel. Aber sie sei kein ängstlicher Mensch und gehe davon aus, dass die deutschen Bürger diese Entscheidung unter sich ausmachen würden. Putin aber beschwerte sich unwirsch über die Frage: Sie basiere auf durch nichts bewiesenen Gerüchten aus den USA. "Russland hat sich noch nie in innenpolitische Angelegenheiten anderer Länder eingemischt." Stattdessen gäbe es immer wieder Versuche, sich von außen in die russische Innenpolitik einzumischen, so Putin.

Wie lebendig die russischen-deutschen Beziehungen eigentlich noch seien, fragte am Ende ein russischer Fernsehjournalist. Wladimir Putin verwies auf positive Wirtschaftszahlen, auf Zehn-, wenn nicht Hunderttausende Arbeitgeber, die auch in Deutschland von russischen Aufträgen abhängig seien. "Es geht langsam, man tritt immer wieder auf der Stelle," sagte Merkel. "Aber wir müssen uns immer wieder bemühen, miteinander zu sprechen." Danach schüttelten sich beide die Hände. Ihr Lächeln wirkte dabei etwas mühsam.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Blackadder
    04.05.2017

    ...ich denke ja nicht, dass die Amerikaner und die Russen sich da viel nehmen...

  • 2
    0
    Maresch
    04.05.2017

    @Freigeist: Ihre Ausführungen sind auch kein Beleg oder irgendein Argument, das russische Hacker-Angriffe widerlegt und ausschließt.
    Herr Putin ist ausgebildeter KGB-Offiziere und er selbst war in der Auslandspionage in unserem Land tätig und später Direktor des Inlandsgeheimdienstes in Russland.
    Schon allein daher, ist es absolut naiv russische Aktivitäten in Deutschland auszuschließen, was ebenfalls und im besonderen Maße Cyberangriffe betrifft.

  • 2
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    Freigeist14
    03.05.2017

    Was reitet Merkel,die unbewiesenen Hacker-Angriffe Russland vorzuwerfen?Wikileaks hatte veröffentlicht,das im sog."Vault 7"-Leak
    die CIA,eine "umfangreiche Sammlung "gestohlener Malware angelegt hat,die in anderen Staaten angelegt wurde,einschließlich Russland.Die CIA könne nun somit "digitale Fingerabdrücke"derjenigen Gruppen hinterlassen,von denen die Angriffsinstrumente gestohlen wurden,so Wikileaks.
    Es wurde eine Software entwickelt("Marble"),die ihre Hack
    keraktivitäten mit einer Art Tarnkappe umgibt-in verschiedenen Programmcode-Sprachen. Somit ist klar : "Der Russe muss es gewesen sein !".....laut Bundesregierung.

  • 3
    3
    aussaugerges
    03.05.2017

    Ja da hat er Recht.
    ,,Russland hat sich noch nie in die innenpolitischen Verhältnisse anderer Länder eingemicht.''
    Ja und demütig war sie schon,siehe Bild.



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