Trump droht dem Iran mit Vernichtung

Die Sorge ist groß, dass der Streit zwischen den USA und dem Iran weiter eskaliert. US-Präsident Trump droht dem Iran die Vernichtung an, sollte es zu einem Angriff Teherans kommen. Hinter den Kulissen soll Trump aber andere Töne angeschlagen haben.

Washington (dpa) - Im Konflikt mit dem Iran hat US-Präsident Donald Trump die Führung in Teheran vor einer Eskalation gewarnt und dem Land mit Vernichtung gedroht. «Wenn der Iran kämpfen will, wird das das offizielle Ende des Irans sein. Droht nie wieder den Vereinigten Staaten!», schrieb Trump am Sonntag auf Twitter.

Der iranische Außenminister Mohamed Dschawad Sarif erwiderte am Montag auf Twitter, «wirtschaftlicher Terrorismus und genozidale Pöbeleien» würden nicht zu einem Ende des Irans führen. Sarif warnte Trump davor, Iraner zu bedrohen, und forderte ihn auf, es mit Respekt zu versuchen.

Vor Trumps Warnung hatte sich der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Hussein Salami, kämpferisch gegeben. Zwar wollten der Iran und seine Revolutionsgarden keinen Krieg, sagte Salami nach Angaben der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Isna. Sie fürchteten sich aber auch nicht davor. Die US-Truppen hätten anders als die Revolutionsgarden Angst vor dem Tod, und ein solcher Gegner sei «leicht zu besiegen».

In der hoch gesicherten Grünen Zone in der irakischen Hauptstadt Bagdad schlug am Sonntag eine Rakete des Typs Katjuscha ein. Verletzte oder Schäden habe es nicht gegeben, teilte das irakische Militär mit. In der «Green Zone» liegt auch die US-Botschaft. Die USA hatten einen Teil ihrer Botschaftsmitarbeiter aus Bagdad wegen Spannungen in der Region erst vor wenigen Tagen abgezogen. Nach örtlichen Medienberichten soll die Rakete von einem Gebiet aus abgefeuert worden sein, das dem Iran nahe stehende Milizen kontrollieren.

Der Irak gilt als möglicher Schauplatz einer Eskalation zwischen den USA und dem schiitischen Iran. Im Irak sind zahlreiche schiitische Milizen aktiv, die enge Kontakte zum Iran unterhalten. Zugleich sind im Irak mehrere Tausend US-Soldaten stationiert, die die irakische Armee ausbilden und im Kampf gegen die IS-Terrormiliz unterstützen.

Nach den jüngsten Drohungen Trumps gegen den Iran riefen führende Schiiten im Irak zur Zurückhaltung auf. Der einflussreiche Kleriker Muktada al-Sadr warnte davor, dass der Irak in einen Konflikt zwischen den USA und dem Iran hineingezogen werden könnte.

Der schiitische Politiker Hadi Al-Amiri erklärte, die nationale und religiöse Verantwortung verlange es, den Irak und die ganze Region vom «Geist des Krieges» entfernt zu halten. Niemand außer dem «zionistischen Gebilde» (Israel) wolle einen Krieg.

Al-Sadr und Al-Amiri hatten mit ihren Blöcken bei der Parlamentswahl vor einem Jahr die meisten Sitze gewonnen. Al-Amiri pflegt enge Beziehungen zum Iran. Er ist Chef der Badr-Organisation, die von Teheran unterstützt wird und auch einen militärischen Arm hat.

Die Lage in der Golfregion ist wegen des Streits zwischen den beiden Seiten derzeit sehr angespannt. Das US-Verteidigungsministerium hatte unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten entsandt und das damit begründet, es gebe Hinweise auf mögliche iranische Angriffe gegen US-Truppen. Die USA und ihr enger Verbündeter Saudi-Arabien werfen dem Iran vor, Konflikte in der Region anzuheizen und Terrorismus zu unterstützen.

Washington setzt den Iran massiv mit Wirtschaftssanktionen unter Druck, inzwischen wird offen die Gefahr eines Krieges diskutiert. Zuletzt hatten die Beteiligten betont, keine militärische Auseinandersetzung zu wollen. Trump betonte mehrfach, dass er mit dem Iran verhandeln wolle. Irans oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, schloss Gespräche aber in der vergangenen Woche aus. Verhandlungen mit Trump und Washington seien «wie ein Gift», sagte Chamenei, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist und das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

Medienberichten zufolge soll Trump bei einer Sitzung im Weißen Haus am vergangenen Mittwoch seinem geschäftsführenden Verteidigungsminister Patrick Shanahan gesagt haben, dass er keinen Krieg mit dem Iran wolle. Seine scharfen Drohungen an die Adresse Teherans erinnern an den rhetorischen Schlagabtausch, den er sich mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geliefert hatte. Dem isolierten Land drohte der Republikaner unter anderem im September 2017 damit, es «vollständig zu zerstören».

Saudi-Arabien setzte unterdessen angesichts der Spannungen in der Golfregion ein Krisentreffen für Ende Mai an. König Salman rief die Führer des Golf-Kooperationsrats (GCC) und der Arabischen Liga dazu auf, über die «Aggressionen und ihre Auswirkungen auf die Region» zu diskutieren. Das Krisentreffen der Führer aus fast zwei Dutzend Staaten soll am 30. Mai in Mekka stattfinden. Der Arabischen Liga gehören mehr als 20 Staaten an. Der schiitische Iran, den das sunnitische Königreich Saudi-Arabien als Erzfeind betrachtet, ist nicht Mitglied. Auch im kleineren GCC ist Teheran nicht vertreten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Nixnuzz
    21.05.2019

    @Freigeist14: Ich stimme mit ihnen 100% überein. Nix wäre mir lieber, klar-Schiff reden zu können. Nur mit wem? Don. Trump - der oberste Landesherrscher einer Atom-bestückten, Säbelrasselnden Wirtschaftsmacht, die unser Frühstück mitbestimmt? Welchen Einbruch würde unser Bruttosozialprodukt bei weiteren Zoll- oder sonstigen Handelsbeschränkungen erleiden? Gut - wer in einem Unternehmen arbeitet dessen Produkte selbst in der 3. Verwendungsstufe nicht in US-beeinflussten Abnehmern landen, mag lautstark oder zumindest im gefestigten Ton mit den Amis reden. Nur solange der oberste Weißhauptadler jeden Kommentar als persönlichen Angriff oder zumindest als Beleidigung seiner Weisheit betrachtet, ist schweigen vielleicht einfacher als andererseits mit erhobenem Haupt trotzdem mangels Umsatz zu Kreuze zu kriechen. Und solange die amerik. Botschaft in Berlin als zwar isoliertes aber mehr als lautstarkes Trump-Sprachrohr dient, das in etwa nur die Hälfte der amerik. Politk repräsentiert, mögen die Hintergrundsgespräche mit den Demokraten vielleicht wirkungsvoller sein.

  • 2
    0
    Freigeist14
    21.05.2019

    Nixnuzz@ ein Präsident einer Atom-Macht droht einem anderen Staat mit der Auslöschung . Also zur Tagesordnung übergehen und erst wieder Kritik üben ,wenn sich der Iran im Ton vergreift ? Ihr Kommentar wäre eine Bankrotterklärung für souveräne Staaten oder die deutsche Bundespressekonferenz .....

  • 1
    0
    Nixnuzz
    21.05.2019

    Was sollte eine deutsche Regierung - und dann noch lautstark - tun? Solange dieser Populist seine medienbeeinflussenden Tirraden mit Auswirkungen bis zur letzten Kleinteil-Produktion in die Welt hinausbläst, wird sich niemand öffentlich gegen ihn stellen. Nicht jeder in den USA steht so blind hinter diesem Präsidenten. Ein US-Medium kann sicherlich etwas leichter derartiges Handeln kritisch infrage stellen. In Europa jedes USA-unabhängige Medium sicherlich auch. Alle anderen haben mehr zu verlieren als nur ein Argument schadlos gen USA zu schicken. Was hinter den offiziellen Kulissen u.a. mit den Demokraten besprochen wird?...Ein paar Staaten haben wohl derartige Führungen...

  • 3
    0
    Freigeist14
    20.05.2019

    Trump drohte unverhohlen dem Iran - einem Volk von 80 Mill. Einwohnern - mit der Vernichtung . Da dürfte auch für Deutschland, aus der Geschichte heraus Schluss mit lustig sein . Aber gesunde Reflexe funktionieren nur,wenn so der Iran Israel drohen würde . Das gilt auch für die Medien , die jetzt wegen dem Ibiza - Video für "investigativ" gehalten werden .

  • 1
    2
    Freigeist14
    20.05.2019

    Täglichleser@ diese Journalisten werden jetzt mit einer "Sternstunde des Journalismus " aufs Schild gehoben .

  • 4
    0
    Täglichleser
    20.05.2019

    Richtig @Freigeist. Die unverbrüchliche
    Freundschaft zu Amerika. Echte Freunde
    sind aber ehrlich zueinander. Oder die deutsche Regierung tickt wie Trump.
    Klartext gegen russischen Verfehlungen gibt es ja öfters. Das selbe müsste gegenüber den USA passieren.
    Wo sind deutsche Journalisten, die hier mal straff nachfragen. Die Pressefreiheit
    wird doch immer betont. Also fragt mal Merkel und die anderen.

  • 7
    2
    Freigeist14
    20.05.2019

    Täglichleser@ ich bitte Sie . Eine Regierung die zu Chelsea Manning und Julian Assange schweigt und dabei still in der Tasse rührt wird bei unverhohlener Gewaltandrohung gegen Drittstaaten nicht plötzlich mutig oder vernünftig .

  • 8
    1
    Täglichleser
    20.05.2019

    Wenn der iranische General sagt, dass sie keinen Krieg wollen, aber keine Angst vorm
    Kämpfen haben. Bedeutet für mich, dass sie sich bei Angriff verteidigen werden. Trump droht darauf mit Vernichtung.
    Es liegt auf der Hand, wer wirklich aggressiv reagiert. Wer kritisiert mal so eine Sprache? Ein Fall für die UN. Auf der einen Seite das Selbstverteidigungsrecht
    der Länder. Auf der anderen Seite Drohung eines Landes mit Vernichtung. Kein Aufschrei der zivilisierten Gesellschaft.
    Wo ist Europa? Merkel? Unser Aussenminister? Untragbar und gefährlich dieser Führer einer grossen Nation.

  • 5
    2
    Distelblüte
    20.05.2019

    Meinten Sie vielleicht "Tatsachen verdreht", @Hinterfragt?
    Das ist nicht zwangsläufig Taktik der USA, aber sehr wohl die von Trump, einem erfahrenen Populisten. Er weiß, wie man Meinungen beeinflussen kann.

  • 9
    1
    Hinterfragt
    20.05.2019

    "...Die USA ... werfen dem Iran vor, Unruhe zu stiften und Terrorismus zu unterstützen...."

    Irgendwie habe ich den Verdacht das die USA die Tatsachen verklärt ...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...