Von der Leyen auf dem Sofa - Türkei verteidigt Sitzordnung

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Die Sitzordnung bei einem Treffen der EU-Spitzen mit dem türkischen Präsidenten sorgt für Diskussionen. Nun gibt es Erklärungsversuche.

Istanbul (dpa) - In der Diskussion um die Sitzordnung beim EU-Türkei-Treffen in Ankara hat sich die Türkei gegen Vorwürfe aus Brüssel verteidigt. Es habe «ungerechte Anschuldigungen gegenüber der Türkei gegeben», sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

«Es wurde entsprechend der Anregungen der EU-Seite so eine Sitzordnung aufgestellt. Punkt.» Das Treffen sei entsprechend internationaler Standards und «türkischer Gastfreundschaft» abgehalten worden.

Bei dem Treffen mit Erdogan im türkischen Präsidentenpalast war am Dienstag für Michel ein großer Stuhl neben dem türkischen Staatschef reserviert. Von der Leyen bekam hingegen einen Platz auf einem Sofa in einiger Entfernung zugewiesen. Dort saß sie dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu gegenüber, der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm.

Die EU-Kommission hatte sich später darüber empört. Ein Sprecher sagte, dass Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aus ihrer Sicht auf Augenhöhe mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und dem EU-Ratspräsidenten Charles Michel hätte platziert werden müssen. Auch von der Leyens Sprecher betonte, dass sich Vorfälle wie der im Präsidentenpalast in Ankara nicht wiederholen sollten.

Michel erklärte die Sitzordnung mit einer engen Auslegung von protokollarischen Regeln durch die Türkei, betonte aber, dass er die Situation ebenfalls als bedauerlich empfunden habe. Am Abend sagte er in einem Fernsehinterview des belgischen Senders «LN24», er bedauere zutiefst, dass diese Bilder entstanden seien. Er verstehe und respektiere die Kritik daran - er habe «vielleicht» einen Fehler gemacht, jedoch nicht die Gespräche mit der Türkei durch eine Reaktion gefährden wollen.

Bei dem Treffen mit Erdogan hatten die EU-Spitzen am Dienstag über einen möglichen Ausbau der Beziehungen der EU zur Türkei diskutiert. Dabei ging es neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der Kooperation beim Thema Migration auch um den Austritt der Türkei aus einem internationalen Abkommen zum Schutz von Frauen. Von der Leyen habe eine lange Diskussion mit Erdogan darüber geführt, hieß es von der Kommission.

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88 Kommentare
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  • 0
    0
    Nixnuzz
    10.04.2021

    Eigentlich spielt es keine Rolle, welche biologische Form der EU-Kommissionspräsident inne hat. Bei derartigen Staatsanlässen wird nach Protokoll gehandelt. Aber das "schlucken" dieser türkischen Protokoll-Auslegung von EU-Seite aus war wohl doch etwas Schlafmützenartig..

  • 5
    10
    Interessierte
    09.04.2021

    Ich dachte gestern , diese Personen halten den erforderlichen Abstand ...
    Ansonsten hätte sie ja` auch noch bißchen näher auf die Sofa-Ecke rücken können ...

    Ich finde es aber ausgesprochen gut , dass sich der Erdogan nicht beeinflussen , bevormunden und auch nicht mitnehmen läßt .

  • 18
    1
    Malleo
    09.04.2021

    Der Sultan vom Bosporus hat gezeigt, was er von Frauen und der EU hält- nichts.
    Erdogan kennt die strategischen Interessen dieser EU und damit sein ungeahntes Erpressungspotential: Energie und Migranten gegen viel, viel Geld.
    Und die EU?
    Was kümmern uns all die Menschenrechtsverletzungen, der Frauenpakt, das Verbot der HDP, der Einmarsch und KRIEG in Nordsyrien?
    Die EU wird von Erdogan mit einem Nasenring durch den Ring geführt.
    Ob dabei Uschi auf einem Stuhl oder Sofa sitzt, ist so interessant, wie ein umfallender Sack Reis in China.

  • 27
    3
    MuellerF
    09.04.2021

    Meiner Meinung nach hat Frau v.d.L. dort gar nichts zu suchen- aber nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie sich bereits in der dt. Regierung als unfähig & unverantwortlich erwiesen hat!

  • 14
    1
    Chiemsee
    08.04.2021

    @Nixnuzz: ... oder Herr Michel hätte Fr. von der Leyen seinen Platz angeboten...

  • 22
    0
    klapa
    08.04.2021

    Sie hat sich eben unterbuttern lassen wie bei der Impfstoffbestellung.

    Ein demonstrativer Platztausch gegen das Prototkoll wäre vielleicht auch möglich gewesen, wenn Herr Michel die Courage besessen hätte.

    Wenn die Sitzordnung auf Anregung der EU-Seite so festgelegt worden ist, könnte sich eigentlich niemand mokieren.

    Der Repräsentationserfolg lag auf jeden Fall beim Sultan vom Bosporus.

  • 32
    1
    Nixnuzz
    08.04.2021

    Und wie wäre es gewesen, wenn nach der Schrecksekunde EU-Ratspräsidenten Charles Michel sich demonstrativ (mit) aufs Sofa gesetzt hätte? Einigkeit macht doch stark - oder??

  • 21
    0
    trixMa
    08.04.2021

    Schade, dass der Artikel bei der Diskussion aufhört.
    Interessant wäre gewesen, wenn noch geschrieben worden wäre, was bei der Diskussion besprochen wurde.