USA sehen Lage in Hongkong mit «großer Besorgnis»

Hongkong kommt nicht zur Ruhe: Nach schweren Ausschreitungen am Vortag kehren Demonstranten zurück auf die Straße. Die USA beobachten die Situation mit Sorge.

Hongkong/Washington (dpa) - Nach einem der gewaltsamsten Tage sind in Hongkong die Proteste und Ausschreitungen weitergegangen. Vom frühen Morgen an blockierten Demonstranten Straßen. Sie legten außerdem Teile des Nahverkehrs in der chinesischen Sonderverwaltungszone lahm.

Später zogen Tausende Hongkonger durch die Straßen, um gegen die Regierung und Polizeigewalt zu protestieren. Vielerorts kam es zu schweren Zusammenstößen radikaler Demonstranten und der Polizei.

Hongkong hatte am Montag einen der bisher gewaltsamsten Tage seit Ausbruch der Proteste vor mehr als fünf Monaten erlebt hatte. Bei den Ausschreitungen schoss ein Polizist einem Demonstranten in den Bauch. Der Zustand des 21-Jährigen besserte sich am Dienstag, wie die Krankenhausbehörde mitteilte. Der Zustand eines Regierungsanhängers, der von radikalen Demonstranten in Brand gesetzt worden war, blieb dagegen kritisch. Insgesamt wurden 99 Menschen bei den Protesten am Montag verletzt, wie die Behörden mitteilten. Die Polizei nahm 287 Menschen fest.

Regierungschefin Carrie Lam nannte die Aktionen der Protestierenden am Dienstag «extrem egotistisch». Sie wies Forderungen zurück, die Schulen am Dienstag wegen der neuen Proteste geschlossen zu halten. Die Regierung würde dann in die Falle der Demonstranten tappen.

Wegen der eskalierenden Gewalt forderten die USA die Hongkonger Regierung, die Demonstranten und die übrigen Bürger eindringlich zum Dialog auf. «Die Vereinigten Staaten beobachten die Situation in Hongkong mit großer Besorgnis», erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Morgan Ortagus, am Montagabend (Ortszeit). «Wir verurteilen Gewalt auf allen Seiten, sprechen den Opfern von Gewalt ungeachtet ihrer politischen Neigung unser Mitgefühl aus und rufen alle Parteien - die Polizei und Demonstranten - auf, sich in Zurückhaltung zu üben.»

Die seit mehr als fünf Monaten andauernden Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion richten sich gegen die Regierung: Die Hongkonger kritisieren unter anderem den wachsenden Einfluss Chinas auf die ehemalige Kronkolonie. Seit der Rückgabe an China 1997 wird Hongkong nach dem dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert.

Die Regierung müsse Anstrengungen unternehmen, die Sorgen auszuräumen, die den Protesten zugrunde lägen, erklärte Ortagus. Sie rief zudem die Führung in Peking auf, sich an Verpflichtungen zu halten: Hongkong müsse ein hohes Maß an Autonomie gewährt werden, und die Menschen müssten Meinungsfreiheit und die Freiheit der friedlichen Versammlung genießen können.

Die jüngste Protestwelle in Hongkong folgte dem Tod eines Demonstranten in der vergangenen Woche. Der 22 Jahre alte Student war am Rande von Protesten von einem Parkhaus gestürzt. Auch am Wochenende kam es erneut zu Ausschreitungen.

Ursprünglicher Auslöser der Proteste waren kontroverse Pläne der Regierungschefin Lam für ein Auslieferungsgesetz. Damit hätten auch Personen, die vom chinesischen Justizsystem verdächtigt werden, an China ausgeliefert werden können. Die Regierung lenkte schließlich ein und begrub das Gesetz. Die Demonstranten fordern aber zudem freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 2000 Festgenommenen. Auch der Rücktritt von Regierungschefin Lam gehört zu ihren Forderungen.

4Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    Freigeist14
    12.11.2019

    Blackschaf @ reden Sie keinen Blech , Die umstrittenen Gesetztesvorhaben wurden vollständig zurück genommen . Die Mehrheit der Hongkonger Zivilisten ist gegen die Gewaltexzesse der "Demonstranten " die vor Brandschatzungen nicht zurück schrecken . In einem Fall , als ein Polizist geschossen hat lag eindeutig eine Selbstverteidigung vor . Eskalation um jeden Preis . Denn : Von Dialog ist gar keine Rede mehr . Von "Handlangern Chinas " zu reden könnte glatt aus dem Springer-Hochhaus eingeflüstert sein .

  • 2
    3
    gelöschter Nutzer
    12.11.2019

    Mit solchen Argumenten kann man Demonstranten die für Ihre Rechte kämpfen auch diffamieren Frei und Muffel. Merken Sie nicht das mit diesen Äußerungen zu Handlangern der Chinesen werden?

  • 3
    3
    Lesemuffel
    12.11.2019

    Übersetzt bedeutet die "Sorge" der Amerikaner, dass es deren fünfte Kolonne nicht schafft, Hongkong voll dem Einfluss von Peking zu entziehen. Dass es Sorge um Menschen wäre, ist ein Witz. Diesen Pfahl im Fleisch Chinas will man um jeden Preis erhalten.

  • 5
    5
    Freigeist14
    12.11.2019

    Wenn die USA etwas "mit Sorge " beobachten haben sie bestimmt nicht die Gewaltexzesse der "Demonstranten " im Auge . Die Stadt soll um jeden Preis ins Chaos gestürzt werden , was sich kein Land im Westen selber bieten lassen könnte .



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...