Vergifteter Kremlkritiker: Nawalny kann Bett verlassen

Die Genesung des vergifteten Kremlkritikers Nawalny schreitet voran. Er kann sein Bett zweitweise verlassen und nun selbst bestimmen, welche Informationen über ihn nach außen gelangen.

Berlin/Moskau/Paris (dpa) - Der vergiftete russische Kremlkritiker Alexej Nawalny muss nicht mehr beatmet werden und kann sein Krankenbett zeitweise verlassen. Sein Gesundheitszustand habe sich weiter verbessert, und er werde zunehmend mobilisiert, teilte das Berliner Klinikum Charité am Montag mit.

Weitere Details zu Nawalnys Gesundheitszustand wurden am Montag nicht bekannt gegeben. Erstmals aber seit seiner Behandlung in Berlin stimmte die Klinik auch mit ihm selbst ab, welche Informationen an die Medien gehen. Zuvor hatte die Charité dies immer nur mit Nawalnys Frau klären können.

Als Ursache für Nawalnys Vergiftung stellten auch zwei weitere Speziallabore in Frankreich und Schweden einen Nervengift-Kampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe fest, wie die Bundesregierung am Montag mitteilte. Zuvor hatte bereits ein Bundeswehr-Labor dies identifiziert. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron forderte eine rasche Aufklärung der Umstände und der Verantwortlichkeiten.

Macron sprach von einem «Mordversuch», wie der Élyséepalast am Montag in Paris nach einem Telefongespräch zwischen Macron und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin berichtete. Putin habe dabei betont, dass die «unbegründeten, auf nichts basierenden Vorwürfe» gegen Russland unangemessen seien, teilte der Kreml mit.

Er sei in diesem Fall mit Deutschland solidarisch, erklärte Macron, der sich in der Affäre bisher öffentlich zurückgehalten hatte. Frankreich teile - auch auf Grund eigener Analysen - die Schlussfolgerungen mehrerer europäischer Partner, wonach der Nervengift-Kampfstoff Nowitschok als Ursache festgestellt wurde. Russland müsse nun im Rahmen einer glaubwürdigen und transparenten Untersuchung Klarheit schaffen, forderte Macron.

Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte zu den neuen Befunden: «Wir erneuern die Aufforderung, dass sich Russland zu den Geschehnissen erklärt.» Die deutsche Regierung stehe mit ihren europäischen Partnern «in engem Austausch zu weiteren Schritten».

Es sei eine Zusammenarbeit mit den europäischen Ländern möglich, hieß es aus Moskau. Für eine Klärung des Falls sei aber ein Austausch von Informationen und Proben und die Zusammenarbeit Deutschlands mit russischen Ärzten erforderlich. 

Deutschland habe inzwischen auch die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) eingeschaltet, so die Bundesregierung. Deren Experten haben demnach ebenfalls Proben von Nawalny entnommen, die nun durch Referenzlabore untersucht werden sollen. 

Der 44-Jährige wird seit dem 22. August in Berlin behandelt. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin. Nawalny war am 20. August auf einem Flug in Russland zusammengebrochen und in eine Klinik in Sibirien gebracht worden. Später wurde er auf Drängen seiner Familie in die Charité verlegt.

Der Fall Nawalny überschattete auch die Regionalwahlen in Russland am Wochenende: Die Opposition musste ohne ihren wichtigsten Anführer auskommen, erzielte dennoch Erfolge. In der Stadt Tomsk, wo sich Nawalny zuletzt aufhielt, schafften zwei seiner Mitarbeiter nach vorläufigen Angaben den Einzug in den Stadtrat, wie die Agentur Interfax meldete. Dort verlor die Kremlpartei ihre Mehrheit. In Nowosibirsk wurde Sergej Boiko von Nawalnys Team in das Stadtparlament gewählt. Doch trotz der Erfolge in einzelnen Städten hält die Kremlpartei «Geeintes Russland» weiter alle wichtigen Posten.

1111 Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 5
    1
    Freigeist14
    15.09.2020

    MuellerF@ Da haben Sie wohl recht . Seit 2014 lässt der Terminkalender von Gabriele Krone-Schmalz oder Matthias Platzeck wohl keine Freiräume zu . Schade auch . Aber Expertin Golineh Atai oder Ex-Korrespondent Udo Lielischkies vertreten sie ja ausreichend ................................

  • 2
    6
    MuellerF
    15.09.2020

    @Freigeist: Hatten Ihre Wunschkandidaten vielleicht einfach keine Zeit u./o. Lust, da mitzumachen? Aber nein, es muss ja immer gleich ein fieser Plan dahinter stecken...

  • 6
    1
    Deluxe
    15.09.2020

    Auch wenn Frau Krone-Schmalz Gabriele heißt und nicht Sabine, aber genau so ist es. Man sieht diese kritischen Geister nirgendwo mehr im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

  • 6
    1
    Freigeist14
    15.09.2020

    MuellerF@ zur einseitigen Meinungsmache gehört auch , unbequeme Talkgäste einfach nicht mehr einzuladen . Sabine Krone-Schmalz , Dirk Müller , Jürgen Todenhöfer ,Matthias Platzeck oder Karin Leukefeld können das bestätigen .

  • 2
    3
    MuellerF
    15.09.2020

    @Freigeist: Ich betrachte es als ausgewogen, wenn zu einer Sache Argumente Pro & Kontra genannt werden - das ist ja wohl immer der Fall in diesen Talk-Formaten.
    Die Anzahl der Vertreter beider Positionen ist dabei für mich nebensächlich, da sie nichts über die Qualität & Gültigkeit der Argumente aussagt.
    Eine Mehrheitsmeinung ist nicht automatisch wahr- eine Minderheitsmeinung aber auch nicht!

  • 4
    2
    Freigeist14
    14.09.2020

    MuellerF@ was meinen Sie ,wie ich die Meinungsbildung zwischen Maischberger, Anne Will und Plasberg einseitig finde . Aber es gibt auch ausgewogene Formate : Die Phoenix-Runden ohne Gedöns .

  • 6
    3
    MuellerF
    14.09.2020

    Freigeist: "Ich halte mich an die Analyse kritischer Journalisten zur Sendung und behaupte gar nichts ."

    Wenn Sie sich so unkritisch an deren Aussagen halten, dann behaupten Sie, diese seien wahr.

    Das beantwortet wenigstens meine zuvor gestellte Frage an Sie.
    Mir ist diese Art Meinungsbildung zu einseitig.

  • 5
    4
    Freigeist14
    14.09.2020

    MuellerF@ Sie können hier für die illustre "ausgewogene " Runde bei Anne Will ruhig eine Lanze brechen . Ich halte mich an die Analyse kritischer Journalisten zur Sendung und behaupte gar nichts . Diese Sendung war ein weiterer Tiefpunkt in der 5:1 Meinungsbildung (inclusive Moderatorin ) und der platzierten Vorverurteilung .

  • 8
    8
    MuellerF
    14.09.2020

    Nachtrag@Freigeist:

    Ischinger sagte auch, Frau D. leiste Verschwörungstheorien Vorschub, jedoch NICHT, dass Sie selbst welche verbreite! Und zwischen dieser Antwort und Frau D.'s Aussagen zu Nowitschok lagen auch einige Minuten & Redebeiträge anderer Teilnehmer_innen der Talkrunde. Von "sofort" kann also auch keine Rede sein.

    Wenn es Ihnen um die Wahrheit geht, sollten Sie selbst solche Ungenauigkeiten & Verzerrungen auch vermeiden!

  • 8
    7
    MuellerF
    14.09.2020

    @Freigeist: Ihre Darstellung ist falsch-niemand in der Talk-Runde hat bestritten, dass Nowitschok auch dem BND & anderen westl.Geheimdiesnten zugänglich war.
    Ebenso sprach Ischinger nicht von "Verschwörungstheorie(n)", die Frau Dagdelen angeblich verbreitet hatte, sondern von "Verwirrspiel".Frau D unterstellte nämlich fälschlich, dass es eine Vorverurteilung mutmaßlich russischer Verantwortlicher für die Vergiftung gäbe.

    Ich muss daher schon mal fragen, ob Sie die Sendung überhaupt selbst gesehen oder hier einfach eine Darstellung Dritter über die Sendung ungeprüft übernommen & hier gepostet haben ?

  • 7
    9
    Freigeist14
    14.09.2020

    Die gestreuten "Verschwörungstheorie " war die von Sevim Dagdelen in der Talkshow "Anne Will" erwähnte Nowitschok -Probe des BND in den 90iger Jahren . Sofort musste sie sich vom geschulten Atlantiker und Militär-Lobbyisten Wolfgang Ischinger den Vorwurf der Verbreitung von "VTs" schimpfen lassen . Die angeschlossene Deutsche Presse (Agentur) sprang sofort zur Seite und diffamiert diese nachweisbare Behauptung . Ein Fallbeispiel .