Spitzenweine vom Jungwinzer

Wie aus einem bayerischen Schwaben mit französischen Wurzeln ein erfolgreicher sächsischer Winzer wurde

In der Serie "Sachsens Winzer" stellt die "Freie Presse" regelmäßig Weingüter und Winzer aus dem sächsischen Elbtal vor. Heute ist Olaf Kittel bei Alexandre Dupont de Ligonnès zu Gast. Sein Weinberg im Dresdner Osten liegt versteckt am Elbhang im Stadtteil Wachwitz. Von hier hat man einen schönen Blick ins Elbtal. Der 36-jährige Jungwinzer bringt seinen Hund mit zum Interview auf einer idyllisch gelegenen Bank mitten im Weinberg.

Freie Presse: Sie haben einen wohlklingenden französischen Namen und sprechen akzentfrei deutsch. Wie passt das zusammen?

Alexandre Dupont de Ligonnès: Ich bin mit meiner Mutter kurz vor dem sechsten Geburtstag nach Deutschland gekommen. Sie hat in Heidelberg einen angehenden Arzt kennengelernt, der später in Augsburg eine Praxis aufgemacht hat und mein Vater wurde.

Und wie wurde aus dem bayerischen Schwaben mit französischen Wurzeln ein sächsischer Winzer?

Ich habe in Heidelberg Ostasienwissenschaften mit Schwerpunkt Kunst studiert. Aber schon im Studium habe ich gemerkt, dass mir das alles zu sehr auf Leistung getrimmt war. In meinem Elitestudiengang wurde sehr stark ausgesiebt, und mir war klar, dass das auch im Berufsleben so weitergehen würde. Das hat mir nicht gefallen. Ich habe aber neben dem Studium als Landschaftsgärtner gearbeitet und mich in diese körperliche Tätigkeit draußen in der Natur verliebt. Nach Dresden bin ich gekommen, weil meine besten Freunde hier studierten. Ich bin dann zu ihnen in eine WG gezogen und habe mich mit 27 beruflich umorientiert. Durch Zufall bin ich darauf gestoßen, dass es Weinbau gibt in Sachsen und habe kurzentschlossen eine Winzerlehre bei Vincenz Richter in Meißen angefangen.

Was hat die Familie gesagt?

Witzigerweise fand mein Vater diesen Entschluss ganz großartig. Er hat mir erzählt, dass mein Großvater einen Weinberg in Südfrankreich hatte. Ich wusste das gar nicht. Es gibt also eine Familientradition.

Was hat Sie in den Weinbau gelockt?

Mich hat gereizt, dass es so ein vielgestaltiger Beruf ist. Dass man nicht nur wie im Gartenbau fremden Leuten den Garten schön macht, sondern zwölf Monate im Jahr sehen kann, wie sich der Wein entwickelt und man am Ende ein eigenes Produkt in den Händen hält. Man muss nicht nur arbeiten, sondern auch denken, planen und vermarkten können.

2016 haben Sie den ersten eigenen Wein geerntet. Und schon der wurde gewürdigt. Wie ging das denn?

Ich bin mit den ersten drei Weinen zu Sommelier Silvio Nitzsche in die Weinkulturbar in Dresden gegangen, war ganz aufgeregt und habe ihn gefragt, ob er mal kosten möchte. Er war sehr still dabei, machte Notizen. Ich dachte: Bitte, bitte, sag was! Er wollte dann noch wissen, wie viel der Wein denn kosten soll. Ich meinte vorsichtig: Etwas über dem sächsischen Durchschnitt, so 15 bis 20 Euro vielleicht. Da lachte er los und meinte: Du kannst mehr verlangen, das sind herausragende Spitzenweine. Eine Stunde später war ich beim Dresdner Gastronomen Gerd Kastenmeier. Es lief ähnlich. Er riet mir, die Weine erst mal gar nicht zu verkaufen und sie zu lagern, um sie noch besser zu machen. Silvio Nitzsche hat dann für eine Zeitung die besten Weine aus Sachsen empfohlen. Da war einer von mir dabei. Die Zeitschrift Vinum hatte mich danach als deutsche Winzer-Entdeckung nominiert.

Was muss man alles richtig machen, um so zu starten?

Es muss vieles zusammenkommen, alles kann man nicht richtig machen. Ich interessiere mich für neue Wege und neue Produkte, auch exotische. Orange Wein zum Beispiel oder Naturweine ohne Schwefelzusatz, ungeschönt und unfiltriert. Ich habe angefangen, meine Weine in Amphoren auszubauen.

Sie stellen ausschließlich Cuveeweine her. Das ist aber ungewöhnlich für Sachsen.

Ja. Doch es sind keine klassischen Cuvees, bei denen ja fertig ausgebaute Weine miteinander gemischt werden. Ich mache mir vorher Gedanken, welche Weine zusammenpassen und presse dann die verschiedenen Trauben zusammen. Im Nachhinein will ich Weine nicht verschneiden.

Es heißt, Sie machen Ihre Weine nach französischem Vorbild. Was darf man darunter verstehen?

Weiß ich auch nicht (lacht). Klar, ich habe ein Jahr auf einem biodynamischen Weingut bei Marseille gearbeitet. Das geht dort neben dem "normalen" biologischen Anbau auch ein bisschen in die esoterische Richtung. Zum Beispiel wird der Mondkalender beachtet, Kuhmist in Tierhörnern in den Boden eingegraben. Mich interessiert an diesem Konzept vor allem die Biodiversität. Eine Hecke, die mich vielleicht stört, bleibt stehen, damit die Vögel nisten können. Oder: Wenn ich mähe, lasse ich bestimmte blühende Pflanzen stehen, damit es den Bienen gut geht.

Wie viele Weine stellen Sie her?

Zwei weiße, einen Rotling und einen roten Wein. Die weißen Trauben baue ich in Wachwitz an, die roten in Radebeul.

Wo keltern Sie?

Bisher bei Stefan Bönsch in Langebrück. Bald werde ich aber wahrscheinlich meinen eigenen Keller einrichten.

Die meisten Weintrinker werden Ihre Flaschen noch nie gesehen haben. Wo gibt's die denn?

In der Weinkulturbar und bei Kastenmeiers in Dresden, in der Weinzentrale Radebeul und online beim "Weinkombinat Hugel".

Die Weine kosten um die 20 Euro?

Ja, das geht bis 35 Euro.

Und sie verkaufen sich?

Sie verkaufen sich.

Gratuliere. Haben Sie ein Vorbild unter den sächsischen Winzern?

Beeindruckt hat mich Klaus Zimmerling, auch wenn ich ihn persönlich nicht kenne.

Wie geht es weiter? Wollen Sie ein eigenes Weingut?

Ich bin da hin und hergerissen. Mit einem Gut sitzt der Winzer dann mehr am Schreibtisch. Das will ich nicht. Es muss so groß wie nötig sein und so klein wie möglich bleiben. Jetzt habe ich 0,8 Hektar, vielleicht werden es mal zwei. Denkbar ist eine "urban winery". Das heißt, ich betreibe ein kleines Weingut mit meiner Familie, lebe aber weiter in der Stadt.

Ihre Frau macht da mit?

Wir träumen beide davon.

Alexandre Dupont de Ligonnès

Er wurde 1982 in Paris geboren, wuchs aber in Deutschland auf. Nach seinem Studium der Ostasienwissenschaften absolvierte er eine Winzerausbildung und produziert seit 2016 eigenen Wein.

Sommelier Silvio Nitzsche aus Dresden hält ihn für eines der größten Winzer-Talente in Sachsen.

Dupont de Ligonnès lebt mit seiner Partnerin und den drei Kindern in Dresden.

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