Im Lambo durchs Motor Valley

Rund um Modena in Italien steht die Wiege bekannter Edelmarken. Besucher dürfen in den Fabriken zuschauen und sich selbst ans Steuer setzen.

Nicht über den schwarzen Strich laufen. Das ist gefährlich. Immer wieder müssen die Besucher der Lamborghini-Fabrik in der Gemeinde Sant'Agata Bolognese bei Modena in Italien ermahnt werden. Denn jenseits des schwarzen Strichs rollen unentwegt kleine und größere Transporter hin und her. Viele auch ohne Fahrer. Das selbstfahrende Auto - bei Lamborghini fährt es schon. Allerdings im Schneckentempo. Es transportiert Kotflügel und andere Teile der Supersportwagen Aventatdor und Huracan zum nächsten Verarbeitungspunkt.

Fotografiert werden darf hier nicht. Das ist aber in allen Autofabriken rund um Modena so. Besucher müssen ihre Fotoapparate und Handys in einen Schrank einschließen. Die Datenschutzgrundverordnung will es so, heißt es. Und bloß nichts anfassen. Auch wenn die bärenstarken Zwölfzylinder-Motoren verlockend in Greifnähe stehen.

Bei Lamborghini sieht es etwas anders aus als in einem der großen deutschen Autowerke. Es ist eher ruhig, nirgends wird laut gebohrt und gehämmert. Dafür streichen die Arbeiter liebevoll über die Autoteile und schrauben sie dann in aller Seelenruhe zusammen. Erfolgreiche Handarbeit. Automobili Lamborghini S.p.A. schaffte im Vorjahr einen neuen Verkaufsrekord: 5750 Autos wurden ausgeliefert. Eine Steigerung gegenüber 2017 um 51 Prozent! Einen Lambo fahren, das ist weltweit auch ein oft geäußertes Ziel der neuen Generation von Bitcoin-Anlegern. Lamborghini-Chef Stefano Domenicali sagt: "Die Leistung ist umso bemerkenswerter, als wir eine beispiellose doppelte Herausforderung gemeistert haben: Ständig neue Modelle und Technologien auf den Supersportwagenmarkt bringen und gleichzeitig die doppelten Produktionskapazitäten in unserer Zentrale in Sant'Agata Bolognese verwalten."

Knapp 6000 Autos mag nicht viel klingen. VW produziert elf Millionen. Doch Lamborghini baut in seiner Manufaktur ausschließlich Traumwagen, die um die 200.000 Euro pro Stück kosten. Und dieser Traum wird ein bisschen wirklicher, wenn man die Fahrzeuge sieht. Zu einem noch erschwinglichen Preis. 75 Euro kostet die Werksbesichtigung mit kompetenter Führung und Eintritt ins Museum.

Die Region um Modena in der Emilia Romana hat für Autofans aber noch mehr zu bieten. Große Marken haben sich hier angesiedelt: Ferrari, Maserati, Ducati, Pagani. Sie alle unterhalten dort ihre Fabriken, Showrooms und Museen. Dazu kommen noch private Ausstellungen und verschiedene Rennstrecken zum Ausprobieren wie in Modena oder Imola. Die Touristiker haben dem Ganzen einen Namen gegeben: Motor Valley. Neuerdings feiern sie Mitte Mai gemeinsam ein Fest.

Autofans sind zu jeder Jahreszeit willkommen. Wer die Showrooms, Fabriken und Museen abklappern will, kann das bequem auch mit dem Bus tun. Die Hotel- und Restaurantpreise sind hier recht moderat, anders als in Mailand, Florenz oder Venedig. Es existieren auch nicht wie anderswo zwei Preislisten in den Gaststätten: eine für Touristen und eine für Einheimische. Lohnenswert sind auch Abstecher in die Region, zum Beispiel nach Parma zum Probieren des berühmten Parma-Schinkens, oder ins Castelvetro di Modena, um den lokalen Lambrusco zu testen.

Wer einen Lambo oder Ferrari nicht nur anfassen, sondern auch mal selbst lenken möchte, der hat viele Anbieter in der Region zur Auswahl. Museumsbesuche und Werksbesichtigungen sind bei der Anmietung manchmal schon inklusive. Die Preise beginnen bei 100 Euro. Dafür ist man allerdings gerade mal zehn Minuten unterwegs. Mitja Borkert, der ostdeutsche Chefdesigner von Lamborghini: "Wir kennen uns hier im Motor Valley rund um Modena. Wir sind schon wie eine Familie. Für uns alle ist hier Platz, jeder setzt seine eigene DNA um. Wir öffnen unsere Werke, Museen und Showrooms nicht nur für Kunden."

Ganz exklusiv geht es bei dem Kleinserienhersteller Pagani in San Cesario sul Panaro zu. Hier kostet ein einzelnes Auto Millionen. Die meisten Kunden kommen aus den USA. Angeblich sind die Fahrzeuge schon verkauft, bevor die Montage beginnt. Hier ist wirklich alles Handarbeit. Drei Wochen dauert der Bau eines solchen Supersportwagens. Rund 50 Stück im Jahr verlassen die Fabrik, die eher einem Geschäft für Grünpflanzen ähnelt. Das Besondere der Paganis: Sie bestehen alle aus Karbonfiber. Die Motoren der Supersportwagen (bis zu 800 PS) stammen von Mercedes.

Wer nach Verlassen der Manufaktur Lust auf noch mehr Exklusivität hat, der ist bei Massimo Bottura genau richtig. Der Drei-Sternekoch betreibt mit seiner Osteria Francescana in Modena das angeblich beste Restaurant der Welt. Für Genießer gilt das Gleiche wie bei den Pagani-Käufern: Ohne Vorbestellung läuft dort leider gar nichts.

Ferrari wartet

Anreise: Am schnellsten erreicht man das Motor Valley per Flugzeug von Dresden über München nach Bologna mit Lufthansa/Air Dolomiti.

Unbedingt ansehen: Im Ferrari Museum in Maranello (16 Euro) stehen viele historische Modelle und die Rennwagen.

Die Recherche wurde unterstützt von www.emiliaromagnaturismo.it, www.motorsite.it, www.motorvalleyfest.it.

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