Reise
Mit dem Wind

Einfach nur am Strand liegen? Schön, aber auf Dauer auch langweilig. Wie wäre es mal mit Surfen? Am Roten Meer kann man es lernen.

Das Fliegen mit einem Lenkdrachen hat Winfried Uphnes schon als Kind begeistert. Die Kraft des Windes in der Höhe zu spüren, das sei einfach ein tolles Gefühl, schwärmt der Mainzer. 40 Jahre später liegt der 56-Jährige in Ägypten mit dem Rücken auf dem sandigen Grund im Flachwasser des Roten Meeres. Wieder steuert er einen Lenkdrachen weit oben am Himmel. Nur stecken dieses Mal seine Füße in den Schlaufen eines Kiteboards.

Für den Deutschen ist heute der erste Tag, an dem er mit voller Ausrüstung ins Wasser darf. Die drei Tage davor musste er mit seinem Kitelehrer Milko zunächst lernen, den Lenkdrachen aufzubauen und sicher zu manövrieren - um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen.

Für die Premiere von Kiter Winfried bläst der Wind ziemlich heftig. Stärke 5 Tendenz 6 zeigt das Messgerät am Strand der Kite- und Surfstation Surf-Motion südlich von Hurghada an. Die Windstärke ist kein Problem, solange der Kite brav auf zwölf Uhr am Himmel steht - also genau senkrecht über Kopf. Doch dann zieht Winfried die Stange vor seinem Körper mit beiden Händen nach unten. Der Kite dreht etwas nach vorn und wölbt sich, der Wind bekommt eine Angriffsfläche, und Winfried wird erstmal ein ganzes Stück über das Wasser geschleudert - ohne Kiteboard.

Durch das Funkmikro ruft Milko: "Easy, Easy", um seinem Schüler zu verdeutlichen, dass man gerade bei stärkerem Wind die Steuerstange sehr bedacht händeln sollte. Drei Startversuche später hat es der Mainzer besser im Griff, der erste erfolgreiche Fahrversuch ist 30 Meter lang. Mit einem strahlenden Gesicht lässt sich der 56-Jährige danach ins Wasser plumpsen.

Etwa 50 Meter entfernt liegt die Zone für Windsurfer: Florian Hahn aus Kassel macht dort gerade seine ersten Fahrversuche. Der 31-Jährige ist mit seiner ganzen Familie nach Hurghada geflogen. Seine Frau macht ebenfalls einen Surfkurs. "Wir haben das Surfen bei unseren Bekannten gesehen, und das hat uns begeistert", sagt er. Auf einem großen Surfbrett balancierend zieht er ruhig ein großes Segel an einer Leine aus dem Wasser. Auch als der Mast gerade aufgerichtet vor ihm steht, hält sich der junge Mann wacker auf dem Brett. Den für diese Übung wichtigsten Trick hat ihm sein Surflehrer Mahmoud vorher mit Trockenübungen an Land gelehrt: Der Wind darf zunächst keine Angriffsfläche haben, er muss vom Rücken kommen und links und rechts am Segel vorbeibrausen.

Nun soll die Fahrt losgehen - nach links, Richtung Meer. Mahmoud ruft: "Langsam mit der rechten Hand das Segel heranziehen." Florian tut, wie ihm geheißen. Und wie von Geisterhand nimmt das Surfbrett Fahrt auf, als der Wind in das leicht angewinkelte Segel bläst. Nach 20 Metern lässt Florian erstmal wieder los, das Segel klatscht ins Wasser. Eine gelungene Premierenfahrt, und der junge Mann steht immerhin noch auf dem Brett.

Windsurfen gibt es seit den 1970er-Jahren. Das Kiten kam erst Ende der 1990er-Jahre auf den Markt und ist dadurch jünger und hipper, sagt Oliver Hilf, Chef des Reiseveranstalters Surf & Action. "Die Anzahl der Windsurfer bleibt konstant auf einem Level. Beim Kiten nimmt die Fangemeinde immer noch zu." Aber was ist eigentlich schwieriger? Vergleicht man die beiden Sportarten, ist zwar das einfache Losfahren mit einem langsamen Brett beim Surfen einfacher, den richtigen Spaßfaktor erreicht man dagegen beim Kiten schneller. "Bis man beim Windsurfen gleiten und den Wasserstart richtig beherrscht, vergehen teilweise einige Jahre. Es sei denn, man wohnt an der See", sagt Oliver Hilf.

Auch in Sachsen

In Deutschland: Surfen und Kiten ist auf vielen Seen in Deutschland sowie an der Ostsee- oder Nordseeküste möglich. Surfschulen gibt es in Sachsen zum Beispiel am Geierswalder-, Senftenberger- oder am Cospudener See. Wichtig ist, dass der See groß genug ist, damit der Wind nicht durch Bäume oder Häuser behindert wird.

Im Urlaub: Traumziele für Surfer sind der Gardasee, das Rote Meer, Fuerteventura und einige Orte am Mittelmeer, wo der Wind stärker und verlässlich weht. An vielen Stellen gibt es Surfstationen. Das Ausleihen des Materials kostet von 10 bis 30 Euro die Stunde. Empfehlenswert sind Wochenmietpreise, dann zahlt man einmal etwa 250 Euro und kann so viel fahren, wie man will. Für Beginner kosten mehrtägige Einsteigerkurse beispielsweise in Ägypten für Kiten 350 und für Surfen 200 Euro.

Wind: Auf den Seiten www.daily-dose.de oder www.windfinder.com bekommt man Windprognosen.

Reisen: Veranstalter wie Surf & Action und Kitereisen.com organisieren komplette Wassersportferien. So kostet beispielsweise eine Woche Windsurfen am Roten Meer bei Hurghada im Hotel Sentido Palm Royale Abu Soma 578 Euro.

Die Recherche wurde unterstützt von www.surf-action.com

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