Der Fall Nagelsmann und die Folgen

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Wechsel des Trainers nach München perfekt - Bayern lassen dafür Hansi Flick aus dem Vertrag - RB hat drei Kandidaten für den vakanten Job

Leipzig.

Tabula-Rasa bei RB Leipzig. Am Dienstag wurde es offiziell: Julian Nagelsmann trainiert künftig den FC Bayern München. Ein Wechsel, der die Kräfteverhältnisse in der Fußball-Bundesliga nachhaltig verschiebt. Die wichtigsten Fragen dazu beantwortet "Freie Presse".

Warum kostet der Wechsel Geld?

Julian Nagelsmann hat keine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag, weshalb die Bayern eine Rekordablöse zahlen müssen. 25 Millionen Euro stehen im Raum. "Es ist zumindest nicht so, dass wir das dementieren", sagt RB-Boss Oliver Mintzlaff dazu. Dass die Bayern in Pandemiezeiten dazu bereit sind, zeigt die Wertschätzung für den jungen Coach. Ebenso der Fünfjahresvertrag für Nagelsmann bis Sommer 2026.

Wie lief der Deal?

Nach dem Spiel gegen Hoffenheim am Freitag vor einer Woche gab es einen ersten Kontakt zwischen den Bayern und Nagelsmann. Danach sprach der Trainer mit seinem Wechselwunsch bei Mintzlaff vor. Am Sonntag wurden die Details zwischen den Bayern und ihrem neuen Trainer geklärt, bis Dienstagmorgen erfolgte die Einigung zwischen den beiden Clubs.

Was sagt der Trainer ?

Er gehe "schweren Herzens", erklärt Nagelsmann. "Ich habe kein schlechtes Gewissen und glaube auch nicht, dass die Spieler sauer sind." Am Dienstagvormittag informierte der 33-Jährige die Mannschaft von seinem Abschied.

Wieso will Nagelsmann zu den Bayern?

Er ist extrem ehrgeizig, die Bayern sind für den in Landsberg am Lech geborenen Bayern der Traumverein. Das war auch schon so, bevor 2019 der Wechsel nach Leipzig zustande kam. "Das ist etwas Besonderes. Für andere Clubs hätte ich den Vertrag nicht beendet", betont Nagelsmann. Jetzt bot sich eine Chance, die wohl so schnell nicht wieder kommt. Sportlich ist das ein Aufstieg - wohl auch der einzig mögliche in Deutschland. Gleichzeitig ist er nun näher bei seiner Familie, die in und um München wohnt.

Wieso stimmte RB zu?

Mintzlaff nimmt die Kritik der Fans vorweg: "Es hat vier Jahre Vertrag, wieso lässt Mintzlaff, der Trottel, ihn raus? Einen Toptrainer, der vielleicht den ersten Titel für RB holt. Aber es gibt noch ein paar andere Faktoren." Damit meint er zum einen die Ablösesumme, mit der in der Coronapandemie entstandene Einnahmeverluste ausgeglichen werden können. Zudem wollte der Chef seinem Angestellten den Wunsch auch deshalb nicht verwehren, um das Betriebsklima zu wahren. "Julian trat mit dem Wunsch an uns, seinen Lebenstraum zu verwirklichen. Dem haben wir nachgegeben."

Wer wird Nagelsmanns Nachfolger?

Laut Mintzlaff gibt es drei Namen. Naheliegend wäre die Lösung mit Jesse Marsch von Red Bull Salzburg, der bereits als Co-Trainer in Leipzig gearbeitet hat. Bei den anderen zwei Kandidaten soll es sich um Wolfsburgs Oliver Glasner und Stuttgarts Pellegrino Matarazzo handeln.

Wie geht es für RB weiter?

"Wir bleiben angriffslustig. Wir stecken jetzt nicht den Kopf in den Sand und planen für den Abstiegskampf", sagt Mintzlaff. Nagelsmanns Abschied muss er als Niederlage empfinden, zumal auch etliche Spieler-Abgänge drohen: Dayot Upamecano geht mit seinem Coach nach München, Ibrahima Konaté wird mit Liverpool in Verbindung gebracht, Kapitän Marcel Sabitzer könnte ebenso gehen wie Torwart Peter Gulacsi. Es droht ein größerer Umbruch. Zumal nach dem Abtritt von Markus Krösche auch ein neuer Sportdirektor gefunden werden muss. Eine Rückkehr von Ralf Rangnick schloss Mintzlaff aus.

Was wird aus Hansi Flick?

Es ist ein bisschen wie beim Domino: er will Nachfolger von Joachim Löw beim DFB werden. Am Dienstag stimmte der FC Bayern Flicks Wunsch um eine vorzeitige Auflösung des bis 2023 geschlossenen Vertrags zu. In 83 Spielen als Trainer der Münchner holte Flick im Schnitt 2,5 Punkte. Kein leichtes Erbe für Nagelsmann.

Was bleibt für diese Saison?

Nagelsmann verspricht, Vollgas zu geben. Er habe noch drei Ziele: "Rekordsaison und Zweiter in der Bundesliga werden, ins DFB-Pokalfinale einziehen und das am besten gewinnen." Am Freitag spielen die Leipziger im Halbfinale bei Werder Bremen.

Wie reagiert die RB-Fangemeinde?

Mit Spott: "Ziemlich viel Geld für einen 33-Jährigen, der zuletzt eigentlich nur auf der Bank saß", war beispielsweise auf der beliebten Plattform "FUMS" zu lesen.

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    3
    ChWtr
    28.04.2021

    Johannes, er hat in Leipzig (viel) weniger verdient und das muss er nun in seinem bereits gesetzten Alter irgendwie ausgleichen. Viel Zeit hat er nicht mehr, denn sonst hätte er ja seinen Vertrag in LE erfüllt, wo er doch schon in Hoffe drauf gepocht hat - auf Vertragstreue. Immerhin bleibt er ja noch bis zum "bitteren Ende".

    Irgendwie beliebig diese Kerle.
    Was nur der Flickschuster angerichtet hat (...) - oh je.

    Jetzt muss sich der DFB aber beeilen, denn der Markt ist gnadenlos und andere Vereine schlagen ohne mit der Wimper zu zucken zu, es sei denn - der Hans-Dieter will wieder zurück an seine alte Wirkungsstätte - einen gutbezahlten Rentenjob.

    Hier kann er auch Titel holen (...) - warum nicht?

  • 4
    3
    johannes12
    28.04.2021

    Wenn Herr Nagelsmann zu Bayern wechselt, dann wird er voraussichtlich jährlich
    8 Millionen Euro Gehalt bekommen. Hoffentlich kommt er damit aus.
    Wir wird sich da ein Niedriglohnempfänger fühlen, wenn er das ließt.