Ein Sieg mit Beigeschmack

Die deutschen Biathleten verpassen im Sprint nur knapp das Weltcuppodest, auf dem mit dem Russen Alexander Loginow ein ehemaliger Dopingsünder ganz oben steht.

Oberhof.

Wenn zwei deutsche Biathleten sich auf der letzten Runde "duellieren" und das Podest für beide noch in Reichweite ist, dann kocht die Stimmung am Oberhofer Grenzadler naturgemäß besonders hoch. So geschehen am Freitagnachmittag, als Benedikt Doll und Arnd Peiffer, die beide zur Thüringer Trainingsgruppe von Mark Kirchner gehören, dem Ziel entgegenflogen. Dass es für die beiden letztendlich nur zu Rang vier und fünf reichte, lag vor allem am Zielwasser. Beide verfehlten je eine Scheibe im Stehendschießen. "Ich bin zu 90 Prozent zufrieden, was auch meiner Trefferleistung entspricht. Das Laufen hat gut funktioniert. Aber es ist natürlich schade, wenn ein Schuss weggeht. Für beide wäre das Podium möglich gewesen", meinte Peiffer. Und Doll gab zu: "Ich bin insgesamt sehr zufrieden, aber den dritten Platz hätte ich schon gern gehabt."

Den schnappte ihm jedoch der nur zwei Sekunden schnellere Sebastian Samuelsson knapp vor der Nase weg. Der Schwede kam hinter dem Weltcupführenden Johannes Thingnes Bö (Norwegen/1 Schießfehler) und Alexander Loginow ins Ziel. Der schnell und fehlerfrei schießende Russe feierte am Rennsteig seinen ersten Weltcupsieg, was angesichts seiner starken Leistungen im Vorfeld von Oberhof (je zweimal Platz zwei und drei) keine Überraschung darstellt. Einen schalen Beigeschmack hat der klare Triumph des 26-Jährigen dennoch, denn bis Ende 2016 musste Loginow eine zweijährige Dopingsperre wegen Epo-Missbrauchs absitzen. Ein dunkler Punkt in seiner Karriere, den er am liebsten ausblendet: "Ich möchte einfach nur laufen und nicht an die Vergangenheit denken", sagte Loginow.

Ein Thema war der Sieg des ehemaligen Juniorenweltmeisters freilich dennoch. Auch deshalb, weil die österreichische Staatsanwaltschaft aktuell gegen Loginow und vier weitere russische Biathleten wegen möglicher Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln bei der WM 2017 in Hochfilzen ermittelt. Lokalmatador Erik Lesser, der nach überstandenen Rückenproblemen und reduziertem Trainingspensum zwischen Weihnachten und Neujahr mit Platz 17 gut leben konnte, meinte: "Es ist die Maximalstrafe von zwei Jahren ausgesprochen worden, die hat er abgesessen. Jetzt ist er wieder dabei - und wenn keine positive Dopingprobe in der nächsten Zeit kommt, müssen wir das so hinnehmen", sagte der Thüringer. "Ob wir ihn auf der Strecke respektieren, ist etwas anderes, Auch wenn es schwerfällt, müssen wir damit leben."

Das trifft auch auf Thomas Bach zu. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) weilte am Freitag in Oberhof unter den Zuschauern. Richtig genießen konnte der erklärte Biathlonfan das Spektakel dann wohl nicht, denn natürlich wurde der Würzburger zu Loginow befragt: "Ich bin vor vielen Jahren als Athletensprecher angetreten und habe mit großer Überzeugung und mit Nachdruck lebenslange Sperren für Dopingsünder gefordert", sagte der IOC-Präsident. "Aber in unserem Rechtssystem ist das nicht möglich. Jeder, der seine Strafe verbüßt hat, hat das Recht, wieder zu starten und gleich behandelt zu werden." Sprach's und verabschiedete sich. Die Siegerehrung verpasste Thomas Bach. Auf dem Podest ging es diesmal aber friedlich zu, im Gegensatz zum Eklat bei der Weltmeisterschaft im österreichischen Hochfilzen. Dort hatte die russische Mixed-Staffel den Franzosen den Handschlag verwehrt, weil Martin Fourcade Loginow beim Wechsel angeblich absichtlich über die Ski gefahren war.

Zu einem brisanten Staffelduell zwischen den Franzosen und den Russen könnte es in Oberhof am Sonntag (14.30 Uhr) wieder kommen. Doch auch die deutschen Skijäger wollen im Team ein Wörtchen mitreden - ebenso wie im Verfolger am Samstag. "Das Podium ist möglich", gab Arnd Peiffer die Marschroute vor. Dafür wird sich der 31-Jährige, der zu Saisonbeginn Vater geworden war, auch wieder mit Benedikt Doll duellieren müssen.

Debütant bewahrt vor 12.300 Zuschauern keinen kühlen Kopf

Mit Lucas Fratzscher feierte im Sprint ein Oberhofer sein Debüt im Weltcup. Der 24-Jährige, der sich mit guten Leistungen im IBU-Cup für einen Einsatz bei der Elite qualifiziert hatte, wollte bei seinem Heimrennen "kühlen Kopf" bewahren. Doch vor 12.300 Zuschauern gelang ihm das nicht. Nach vier Schießfehlern landete Fratzscher auf Rang 93.

Ole Einar Björndalen (44), Rekordolympiasieger und -weltmeister, arbeitet in Oberhof als Experte für das norwegische Fernsehen. In dieser Funktion ist der Norweger auch in der Mixed-Zone, wo Journalisten die Sportler befragen können, anzutreffen. Nach dem Sprint sprach Björndalen auch kurz mit Erik Lesser, der ihm "alles Gute für das Karriereende" wünschte. Das hatte Publikumsliebling "Ole", der viele Autogramme schreiben musste, allerdings bereits im April 2018 verkündet.

Für Michael Rösch lief es im Sprint nicht nach Wunsch. Der für Belgien startende Altenberger schoss liegend zwar fehlerfrei, doch im Stehendanschlag verfehlte der 35-Jährige zwei Scheiben. Das und eine mäßige Laufleistung reichten für Rösch nur zu Rang 66, womit er sich nicht für den heutigen Verfolger qualifizieren konnte. (tt)

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