Dinner for One

Mit der Partie zwischen Meister FC Bayern und Hoffenheim wird morgen die 56. Bundesliga-Saison eröffnet. Wer den Münchnern vielleicht das Wasser reichen kann, wie das Team von RB Leipzig einzuschätzen ist und wer in Abstiegsnöte geraten wird, analysiert "Freie Presse".

Hat die aus deutscher Sicht verpatzte WM negative Folgen für die Bundesliga?

Nein. Das Image des DFB ist beschädigt, das der Bundesliga nicht. Das Interesse ist nach wie vor groß, der Dauerkartenverkauf ungebremst. Auffällig ist durchaus, dass die Weltstars um Deutschland einen Bogen machen. Das liegt aber daran, dass in anderen Ländern - wo Investoren von allen Kontinenten ihr Geld in die Teams pumpen dürfen - noch einmal exorbitant höhere Gagen für Ballkünstler mit Hochglanzgarantie gezahlt werden, Ablösesummen astronomische Bereiche erreicht haben. Da kann hierzulande nur der FC Bayern mithalten - wenn er denn will.

Also steht der Meister schon wieder vor dem ersten Anstoß fest?

Die meisten Fans hoffen auf weniger Langeweile und etwas mehr Spannung im Titelrennen. Die Aussichten darauf sind mäßig, auch wenn die Bayern anders als im Vorjahr - da wurden 100 Millionen Euro in neue Fußballerbeine investiert - die Schatulle diesmal noch verschlossen halten. Leon Goretzka kommt ablösefrei aus Gelsenkirchen, Serge Gnabry und Renato Sanchez nach Ende ihrer Leihzeit aus Hoffenheim bzw. Chelsea zurück. Rund 18 Millionen Euro kosten wird Sturmtalent Alphonso Davies. Der 18-jährige kanadische Nationalspieler wird am 1. Januar nach Ende der MLS-Saison von den Vancouver Whitecaps nach München wechseln. Gegangen ist der giftige Arturo Vidal, die Altstars Arjen Robben und Franck Ribéry sind noch da. Neutrainer Niko Kovac muss einen Generationswechsel einleiten und trotzdem - das erwartet man in Bayern - einen, eher zwei, besser drei Titel einfahren. Klare Prognose: Meister werden die Münchner auch 2019, vielleicht ja nicht schon im März oder April, sondern tatsächlich erst im Mai.

Ist Dortmund ein ernst zu nehmender Bayernjäger?

Der BVB hat einen starken Kader, mit dem Belgier Axel Witsel, mit Abdou Diallo und Thomas Delaney das Zentrum aufgewertet. Trainer Lucien Favre kommt mit großen Meriten, kann auch die Dortmunder besser machen. Was die BVB-Fans dabei akzeptieren müssen, ist Favres im Vergleich zu einigen seiner Vorgänger eher auf defensive und taktische Disziplin ausgerichteter Stil. Der Schweizer hatte so mit seinen Teams Erfolg. Immer allen gefallen hat diese Art Fußball nicht.

Geht der Schalker Höhenflug mit Trainer Tedesco weiter?

Ja. Die Knappen mischen auch 2018/19 ganz vor mit. Mit Goretzka und Kehrer (nach Paris) sind zwei Leistungsträger weg, mit Meyer (Crystal Palace) einer, der diesem Anspruch nie ganz gerecht wurde. Domenico Tedesco und Manager Christian Heidel haben das Team klug in der Breite verstärkt, auf extravagante Stars verzichtet. So bleibt die Balance erhalten, ist der Tanz auf mehreren Hochzeiten mit der Champions League als größter Herausforderung zu meistern. Auf Schalke ist es friedlich - ein kleines Wunder, das der Deutschitaliener an der Seitenlinie da vollbracht hat.

Was kann RB Leipzig?

Der Reiz des Neuen und Besonderen ist verflogen, RB ist inzwischen fast so etwas wie ein normaler Bundesligist. Wäre da nicht der Einmannbetrieb Ralf Rangnick. Feuert der Sportdirektor Rangnick den Trainer Rangnick, wenn es nicht läuft? Wahrscheinlich wird es so weit nicht kommen, der Kader ist auch nach dem Abgang von Keita stark genug für einen Platz im oberen Teil der Tabelle. Für mehr reicht es nur, wenn noch zwei, drei starke Kicker den Weg an die Pleiße finden.

Was passiert in Hoffenheim mit einem Trainer auf Abruf?

Ziel ist der Meistertitel. Weil Julian Nagelsmann weiß, dass er ob seines angekündigten Wechsels nach Leipzig unter besonderer Beobachtung steht, sind die Ankündigungen aus dem Kraichgau ungewohnt laut. Die Mannschaft, die mit Gnabry und Uth zwei Schlüsselspieler verloren hat und sich mit den Zugängen Bittencourt, Grifo, Belfodil, Brenet und Nuhu sowie dem nach Leihende aus Wien zurückgekehrten Brasilianer Joelinton erst neu finden muss, wird es schwer haben, den hohen Erwartungen in Liga und europäischer Königsklasse gerecht zu werden. Aber: Wenn das jemand hinbekommen kann, dann wohl Nagelsmann.

Wer hat sonst Aussichten auf die internationalen Startplätze?

Neben den Genannten am ehesten Leverkusen und ein nach den Krisen der letzten Jahre abgehärteter und verbesserter VfL Wolfsburg, eventuell auch die traditionell unter dem Radar fliegende Berliner Hertha.

Wer könnte überraschen?

Im positiven Sinn neben Wolfsburg vielleicht der FSV Mainz. Negative Überraschungen könnten Borussia Mönchengladbach, der sehr von der Form seines Stürmers Alfred Finnbogason abhängige FC Augsburg und Hannover 96 werden. Die Niedersachsen haben mit Sané, Klaus, Harnik und Jonathas viel Qualität verloren, die die Zugänge Wood und Walace vom Absteiger HSV sowie Haraguchi von Hertha BSC nicht ausgleichen können. André Breitenreiter und seinem Team droht der Abstiegskampf.

Wer muss außerdem um den Klassenerhalt zittern?

Beide Aufsteiger, wobei das Aufgebot der Düsseldorfer Fortuna stärker scheint als das des 1. FC Nürnberg. Die Franken gehen, abgesehen vom Japaner Yuya Kubo, quasi mit der Aufstiegsmannschaft an den Start. Ob das eine Etage höher reicht, ist fraglich. Ein hartes Jahr steht auch der Frankfurter Eintracht bevor. Erfolgstrainer Kovac ist weg, Nachfolger Adi Hüter hat ein schweres Erbe und Manager Fredi Bobic noch etliche Baustellen im Kader - Komplettabsturz nicht ausgeschlossen. Der ewige Abstiegskandidat SC Freiburg schwimmt nach wie vor nicht im Geld, hat aber eine eingespielte und mit Waldschmidt, Heintz und Gondorf aufgepeppte Mannschaft und einen der besten Trainer - Prognose: Die Breisgauer bleiben wieder drin.

Bundesliga im TV

ARD und ZDF: Das ZDF zeigt das Eröffnungsspiel sowie je eine Partie am 17. und 18. Spieltag live. Höhepunkte sind nach wie vor in der ARD-"Sportschau" am Samstag zu sehen. Weitere Zusammenfassungen, darunter auch Bilder vom späten Samstagsspiel, laufen im ZDF-"Sportstudio". Höhepunkte der Sonntagsspiele zeigen die dritten Programme.

RTL Nitro: Der zur RTL-Gruppe gehörende Nischensender kann als einziger frei zu empfangender Sender Bilder von allen Partien ohne zusätzliche Bezahlung zeigen. Nach 23 Uhr darf Nitro auch von den fünf Erstliga- und 23 Zweitligaspielen am Montag mit Bildern berichten.

Sport1: Der Sender kann am Sonntag zwischen 6 und 15 Uhr Highlights vom Freitag und vom Samstag zeigen.

Pay-TV: Eurosport zeigt 30 Erstligaspiele, alle am Freitag, fünf am Sonntag (13.30 Uhr) und fünf am Montag. Die Übertragungen laufen über das Internet mittels des Eurosport-Players oder bei der Satellitenplattform HD+. Sky überträgt alle Spiele am Samstag sowie 60 Partien am Sonntag. Im Bezahlbereich ist auch das Streamingportal DAZN aktiv. 40 Minuten nach Abpfiff gibt es Highlightclips im Internet. (dpa)

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