Aue will drei Punkte in Magdeburg

Der FC Erzgebirge muss zum Rückrundenauftakt der 2. Fußball-Bundesliga beim abstiegsbedrohten 1. FCM bestehen. Ein heißes Derby, in dem sich auch zwei Abwehrrecken beweisen wollen.

Aue.

Wenn der FC Erzgebirge Aue am Dienstagabend (20.30 Uhr) beim 1. FC Magdeburg vor gut 20.000 Zuschauern in die Rückrunde der 2. Fußball-Bundesliga startet, ist eines sicher: "Die Hütte wird brennen. Sie wissen ganz genau, dass es für sie das erste Endspiel ist", blickt Dominik Wydra voraus. Elf Punkte trennen den Vorletzten von der Elbe vom Tabellenzwölften aus dem Lößnitztal. Bei einem Auer Sieg wären es bereits 14. "Dann ist es schwierig, uns noch einzuholen", sagt Trainer Daniel Meyer und fügt an: "Wir wollen nicht auf einen Punkt spielen, sondern dort gewinnen."

Verloren hat in Magdeburg in dieser Saison jedenfalls noch keiner, sowohl unter Coach Jens Härtel als auch unter dessen Nachfolger Michael Oenning gelang dem Aufsteiger noch kein Heimsieg. Um das zu ändern und eine Aufholjagd zu starten, hat der FCM in der Winterpause nachgelegt. Mit Jan Kirchhoff, Timo Perthel, Steven Lewerenz und dem georgischen Nationaltorwart Giorgi Loria kamen gestandene Profis.

Bei den Auern stießen Ole Käuper (Leihe von Bremen) und Rückkehrer Louis Samson (Braunschweig) neu hinzu. Beide werden sich am Dienstag aber noch gedulden müssen, im Gegensatz zum eingangs erwähnten Wydra. Der Österreicher soll in Magdeburg die Defensive ordnen und Steve Breitkreuz (Reha nach Knie-OP) ersetzen. Dass er den Job als Abwehrchef kann, hatte der 24-Jährige in der Vorsaison in 25 Startelfeinsätzen - davon 23 in der Innenverteidigung - bereits unter Beweis gestellt. In der Hinrunde der aktuellen Serie stand er allerdings nur noch dreimal in der Anfangself, viermal wurde er eingewechselt. "Insofern kann man schon sagen, dass es ein Neustart für mich ist", meint Dominik Wydra und lächelt. Keine Frage, er freut sich darauf, wieder spielen zu können.

Das trifft auch auf einen seiner Nebenmänner zu, der in dieser Saison bisher sogar nur einmal zum Zuge kam - weil er am inzwischen zu Union Berlin gewechselten Nicolai Rapp nicht vorbeikam oder weil es einfach vom Verlauf her nicht passte. "Es ist nicht so leicht, in ein funktionierendes Konstrukt reinzukommen", sagt Filip Kusic, der sich jedoch nicht hängen ließ und seine Chance nutzte. Beim 3:0 gegen Union, dem letzten Spiel vor der Winterpause, lieferte Kusic eine prima Partie in der Viererkette ab. "Damit habe ich den Leuten gezeigt, dass ich geholt wurde, um zu spielen", erinnert sich der 22-Jährige gern an den "Dosenöffner". Aber der gebürtige Augsburger weiß auch, was ihm noch etwas fehlt. "Matchpraxis ist das Manko, was ich noch habe. Aber gegen Union habe ich gesehen, dass es funktioniert, und mir Vertrauen geholt. Das will ich jetzt Spiel für Spiel ausbauen."

Rückendeckung bekommt er dafür. "Er war der Herausforderer von Rappo, der seine Sache aber sehr gut gemacht hat. Jetzt bekommt Filip seine Chance. Er ist einfach dran", sagt der Trainer, der viel von dem jungen Mann hält. "Er ist ein Musterprofi mit einem spannenden Werdegang, der einen unbequemen Weg genommen hat", meint Meyer, der bereits in Köln und Cottbus mit Kusic zusammengearbeitet hat.

Ausgebildet wurde dieser beim FSV Mainz, von wo aus er zu Energie wechselte. In der Lausitz schnupperte er unter Rudi Bommer Profiluft, wählte nach einem Abstieg jedoch den Weg in die Regionalliga zum OFC Neugersdorf. Bevor er Daniel Meyer nach Aue folgte, stand Filip Kusic beim 1. FC Köln unter Vertrag. "Davon bereue ich nichts. Und ich bin wirklich froh, dass ich mich in Mainz entschieden habe, wegzugehen. Ich kenne viele Spieler von damals, die sich das nicht getraut haben und jetzt keinen Fußball mehr spielen", sagt der Defensivmann, auf den in Magdeburg einiges zukommen wird. Wie auf alle Auer.


Tiffert zum Halleschen FC 

Dreieinhalb Jahre trug Christian Tiffert (Foto) das Trikot des FC Erzgebirge, jetzt verlässt der Routinier Aue in Richtung Hallescher FC. Wie FCE-Präsident Helge Leonhardt am Montag mitteilte, wird der ursprünglich bis zum Sommer laufende Vertrag mit dem 36-Jährigen vorzeitig aufgelöst. "Christian hat den Wunsch geäußert, in seiner Heimatstadt auch über den 30. Juni 2019 hinaus weiter aktiv Profifußball zu spielen. Diesem Wunsch haben wir entsprochen", sagte Leonhardt.

Beim Halleschen FC, der in der Dritten Fußball-Liga derzeit auf Rang drei liegt und von Torsten Ziegner trainiert wird, soll Tiffert einen Vertrag bis Juni 2020 erhalten. In den Planungen von FCE-Trainer Daniel Meyer hatte der Ex-Bundesligaprofi, der in den kommenden Wochen seinen A-Trainerschein ablegen möchte, zuletzt keine große Rolle mehr gespielt. "Natürlich sind wir nicht die besten Kumpels, weil er jeden Tag auf dem Platz stehen will und ich ihn nicht lasse, das ist ein völlig normaler Fakt. Aber ich habe großen Respekt vor seiner Karriere, zwischen uns gibt es überhaupt kein persönliches Problem", betonte Meyer.

Im Sommer 2015 war Christian Tiffert, der sich gestern Vormittag von seinen Teamkameraden verabschiedete, nach Aue gekommen. 114 Punktspiele absolvierte er für den Fußball-Zweitligisten. In der laufenden Saison kam er in neun Begegnungen zum Einsatz. Mit dem bevorstehenden Engagement in Halle kehrt der Vollblutprofi in seine Heimatstadt zurück. In Aue wird er vor der Partie gegen den 1. FC Köln am kommenden Sonntag offiziell verabschiedet. "Die Tür beim FCE bleibt für ihn immer offen, auch wenn seine Laufbahn einmal beendet ist", sagte Helge Leonhardt.

Der Tscheche Jan Kral trägt ab sofort das FCE-Trikot. Der 19-jährige Innenverteidiger ist 1,93 Meter groß und U-20-Nationalspieler. Er kommt auf Leihbasis von Mlada Boleslav bis zum Ende der laufenden Saison zu den Auern, die sich zudem eine Kaufoption sicherten. (tt)

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