Aues Männel nach Sieg: «Sind keine Gehalts-Millionäre»

Auch ohne die gewohnte Fan-Unterstützung haben die Profis von Erzgebirge Aue ihre Heimstärke demonstriert. Kapitän Martin Männel dachte nach dem 3:1 gegen Sandhausen zuerst an die Fans und er warb um Verständnis für den Neustart.

Aue (dpa) - Keine Freudentänze, kein Triumphgeschrei - der Jubel über den Sieg nach der Geisterspiel-Premiere fiel bei Martin Männel verhalten aus. Der Kapitän von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue widmete die drei Punkte denjenigen, die nicht im Erzgebirgsstadion dabei sein durften. «Über die 90 Minuten zu reden, ist nicht gerecht gegenüber den Leuten, die heute in den Wohnzimmern saßen. Wir wollten mit viel Leidenschaft und Herzblut die drei Punkte holen. Auch für die Fans, die nicht ins Stadion kommen konnten», sagte Männel nach dem 3:1 gegen den SV Sandhausen in der «Sportschau».

Der 32-Jährige hat die kontroversen Diskussionen in den vergangenen Wochen um den Neustart im deutschen Profifußball aufmerksam verfolgt. Männel warb um Verständnis und wies auf die finanziellen Unterschiede zwischen der 1. und 2. Bundesliga hin: «Es gibt sicherlich Top-Verdiener bei Bayern München oder Borussia Dortmund. Wir hier in Aue sind definitiv keine Gehalts-Millionäre, die mal ein halbes Jahr lang auf ihr Gehalt verzichten können.»

Männel war deshalb froh, dass das erste Geisterspiel in der Auer Zweitliga-Geschichte nicht nur sportlich erfolgreich verlief. «Augenscheinlich ist es vor den Stadiontoren ruhig geblieben. Darauf bin ich stolz. Und nochmal: Jedes Spiel, das wir über die Bühne kriegen, ist ein Stück Existenzkampf, den wir als Verein und für uns als einzelne Person betreiben und gewinnen wollen. Jetzt haben wir noch acht Runden vor uns. Ich hoffe, dass die Saison in geordneten Bahnen zu Ende geht.»

In Aue wirkte die Stimmung am Samstag bizarr. Stadionsprecher Mario Dörfler verlas die Aufstellungen beider Mannschaften vor leeren Rängen ohne die gewohnten Emotionen. Als die FCE-Profis den Rasen betraten, erklangen zwei Strophen des Steigerliedes. An den Zäunen zum Innenraum hatten mehrere Fanclubs Banner aufhängen lassen. Im Familienblock waren außerdem selbst gestaltete Plakate von Kindern zu sehen, um die Mannschaft zumindest optisch ein wenig zu unterstützen.

Die «Veilchen» hatten sich mit den ungewohnten Bedingungen dennoch schnell arrangiert. Der frühe Führungstreffer von Dimitrij Nazarov (5. Minute/Foulelfmeter) und die Rote Karte für Sandhausens Kapitän Dennis Diekmeier (4.) spielten der Mannschaft von Trainer Dirk Schuster in die Karten. Nach der Pause sorgten Florian Krüger (64.) und Malcolm Cacutalua (69.) mit ihren Kopfballtoren für die Entscheidung - gejubelt wurde gemäß der DFL-Vorgabe stets nur mit Abstand und Ellbogengruß. Die Gäste kamen durch Julius Biada (80.), der von einem katastrophalen Rückpass von Clemens Fandrich profitierte, nur zum Anschlusstreffer. «Die Leistung ist schwer einzuschätzen, wir mussten aber an die Grenze gehen. Bei dem einen oder anderen Spieler hat man gesehen, dass der Akku gegen Ende schon ziemlich leer war», meinte Schuster.

Der 52-Jährige machte deshalb von der neuen Regel Gebrauch und nahm vier Auswechslungen vor. Sandhausens Coach Uwe Koschinat schöpfte mit fünf Wechseln sogar das komplette Kontingent aus. «Die gesamte Atmosphäre, die neuen Regeln und Vorschriften waren für alle absolutes Neuland. Die beiden Mannschaften haben es auch angesichts der komischen Stimmung aber insgesamt gut gelöst und ein vernünftiges Fußballspiel abgeliefert», erklärte Schuster. Am Freitag können die Auer mit einem Sieg in Nürnberg die ominöse Marke von 40 Punkten knacken und ihrem Ziel, den Klassenverbleib in dieser Saison so zeitig wie möglich zu sichern, wieder ein großes Stück näher kommen.

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