FCE - Der Deckel ist drauf

Der FC Erzgebirge Aue spielt auch in der kommenden Saison in der 2. Fußball-Bundesliga. Beim 3:1-Auswärtssieg in Regensburg blühten die Veilchen noch einmal richtig auf.

Regensburg.

Am Ende plumpsten viele Steine. "Dieser Tag ist ein ganz bedeutender - für den Verein wie für mich persönlich. Ich ordne diesen Klassenerhalt ganz weit oben in meiner Karriere ein", erklärte Pascal Testroet nach dem Abpfiff. Dazu hat er in der ganzen Saison wie auch am Sonntag eine Menge beigetragen. Die Auer hatten sich fest vorgenommen, nicht noch zwei weitere Wochen zu zittern, sondern in Regensburg den Deckel draufzumachen. Dass das auch so perfekt funktioniert, war nicht selbstverständlich.

Im Vergleich zur Heimpartie in der Vorwoche gegen Bochum musste FCE-Trainer Daniel Meyer auf den verletzten Philipp Zulechner verzichten, an seiner Stelle stürmte wie erwartet Emmanuel Iyoha. Und eine Überraschung hatte Meyer auch parat: Tom Baumgart durfte in der Startelf ran - erst zum zweiten Mal in dieser Saison. Zum ersten Mal war das Anfang März beim 3:0-Auswärtssieg in Sandhausen der Fall - ein gutes Omen also.

Der 21-Jährige machte auf der rechten Außenbahn ein gutes Spiel - abgesehen von seiner wirklich schlechten Flanke gleich zu Beginn, als er den Ball unbedrängt über Freund und Feind hinweg ins Nichts setzte (5.). Das machte der diesmal auf der linken Seite eingesetzte Rizzuto kurz darauf deutlich besser, der mit seiner präzisen Eingabe Hochscheidt fand. Dessen satten Volleyschuss parierte Jahn-Keeper Weis (12.) - die erste von mehreren guten Gelegenheiten der Veilchen in der ersten Hälfte. Doch weder Iyoha (13. und 27./jeweils rechts vorbei) noch Testroet, dessen akrobatischer Fallrückzieher ebenfalls neben den Kasten ging (20.) oder noch einmal Hochscheidt, dessen Versuch eines Hebers komplett misslang (32.), brachten Aue in Führung. "Es gibt Tage, an denen man nach so vielen vergebenen Chancen ahnt, dass sich das rächen wird", verriet Daniel Meyer später über seine Gedanken zur Pause. "Heute war das anders. Ich war mir sehr sicher, dass wir das Ding ziehen."

Die beste Chance der Gastgeber vor der Pause war gleich zu Beginn eher ein Zufallsprodukt: Eine Eingabe flipperte bis zu Grüttner am langen Pfosten durch. Gut, dass Kalig den Ball noch irgendwie zur Ecke klären konnte (2.). Sonst kam von den Regensburgern wenig. Bis auf eine zuweilen schon eher ungesunde Härte, die Männel, Wydra und vor allem Rizzuto mit einigen Schmerzen bezahlten.

Rizzuto war auch in der 50. Minute der Leidtragende eines üblen Fouls von George. Und George, der nur zwei Minuten zuvor wegen eines Einsteigens gegen Fandrich Gelb gesehen hatte, musste mit der Ampelkarte vom Platz. Die Überzahl nutzten die Erzgebirger prompt: Freistoß Riese, Ablage Breitkreuz, Tor Testroet zur längst überfälligen Führung (52.). Es war der 15. Saisontreffer des Goalgetters, der damit Jakub Sylvestr, der in der Saison 2013/14 ebenfalls 15-mal getroffen hatte, einholte.

Das 1:0 hielt nicht lange. Nach einer Unaufmerksamkeit in der FCE-Defensive war Adamyan zur Stelle und erzielte den Ausgleich (56.). Nur ein kurzer Schock. Bei der erneuten Auer Führung halfen die Gastgeber: Hochscheidt fing Sallers Rückpass auf seinen Keeper ab, der den Auer nur noch mit einem Foul bremsen konnte, Schiedsrichter Müller zeigte auf den Punkt. Ziemlich einmalig im deutschen Profifußball: Der Schütze kam direkt von der Bank - nämlich Mr. 100 Prozent. Dimitrij Nazarov, der schon zur Einwechslung bereitgestanden hatte, überlegte sich auf dem Weg Richtung Strafstoß, in welche Ecke er schießen wollte. In die linke. So passierte es. Weis war noch mit den Fingern dran, der Ball aber drin (61.). Auch Nazarovs 13. Elfmeter in der 2. Bundesliga war wie die zwölf zuvor ein Tor. "So schnell geht es im Fußball", strahlte der Mann, der in der Vorwoche mit seinem Strafstoß auch schon den Sieg gegen Bochum ermöglicht hatte, "es hat viel geregnet und geschneit für mich. Jetzt lacht wieder die Sonne."

Wie für alle Fußballfans im Erzgebirge. Rund 3000 waren gestern mit in Regensburg. Nach dem 2:1 mussten sie noch eine halbe Stunde gehörig zittern. In einer nun sehr wilden Begegnung griffen die Regensburger wütend an, ließen den Auern große Räume zum Kontern. Aber erst in der 90. Minute erlöste Philipp Riese den FCE. Nach Fandrichs feinem Pass auf Krüger und dessen Ablage ins Zentrum stand Riese frei vor Torwart Weis. Er nahm sich die Zeit, um die Kugel zu versenken. Der Rest war Jubel.

"Jetzt fällt aller Druck von uns ab", freute sich Daniel Meyer. Und der Druck war angesichts der Ergebnisse der Konkurrenz erneut groß. "Wir haben erneut bewiesen, dass wir dem standhalten können", sagte der Coach, von der Bierdusche seiner Schützlinge durchnässt. Die Spieler feierten längst feuchtfröhlich und lautstark in der Kabine und freuten sich auf eine spektakuläre Busfahrt gen Heimat. Der Trainer wusste nicht so recht, ob er sich darauf freuen sollte...

Statistik

Regensburg: Weis - Saller, Nachreiner (V), Correia (87. Nietfeld), Föhrenbach (77. Derstroff) - Fein, Thalhammer - George, Adamjan (V/70. Stolze) - Grüttner, Al Ghaddioui.

Aue: Männel - Kalig, Wydra, Breitkreuz - Rizzuto, Fandrich, Riese, Baumgart - Hochscheidt (82. Samson) - Iyoha (60. Nazarov/V), Testroet (86. Krüger).

Schiedsrichter: Müller (Löchgau). Zuschauer: 13.425. Tore: 0:1 Testroet (52.), 1:1 Adamjan (56.), 1:2 Nazarov (61./Foulelfmeter), 1:3 Riese (90.+1). Gelb-Rot: George (50./wiederholtes Foulspiel).


Stimmen zum Spiel und zum Klassenerhalt 

FCE-Mittelfeldspieler Clemens Fandrich: Wir sind überglücklich, heute hat einfach alles gepasst. So mutig, wie wir hier von Anfang an aufgetreten sind, haben wir uns den Sieg absolut verdient.

FCE-Angreifer Dimitrij Nazarov: Aue bleibt wieder in der Zweiten Liga, wir haben es zwei Spieltage vor Schluss geschafft. Ich freue mich für den Verein, die Fans, die ganze Region. Was da entstanden ist, ist einfach fantastisch.

FCE-Trainer Daniel Meyer: Wir haben erneut bewiesen, dass wir mit Drucksituationen umgehen können. Die erste Halbzeit war abgesehen von der Chancenverwertung richtig gut, die zweite dann sehr wild. Wir hatten heute das Matchglück ein bisschen auf unserer Seite, haben Drucksituationen der Regensburger überstanden und dann den alles entscheidenden Konter gesetzt.

FCE-Torjäger Pascal Testroet: Ich bin wirklich erleichtert. Was in den letzten Wochen in dieser Liga so abgegangen ist, war wirklich brutal. Es war wirklich unglaublich, wie Ingolstadt und Sandhausen plötzlich wieder herangekommen sind.

Jahn-Trainer Achim Beierlorzer: Ich gratuliere dem FC Erzgebirge zum Klassenerhalt. Uns war klar, dass das ein sehr schwieriges Spiel für uns wird. Wir haben heute zu viele Fehler gemacht und den Auern mehrere Chancen selbst aufgelegt. (ts)

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