Keine Furcht vor "Monster" Lasogga

Der FC Erzgebirge Aue empfängt mit dem Hamburger SV den Tabellenführer der 2. Fußball-Bundesliga und Liga-Krösus. Im Tor wird Daniel Haas stehen, der der Wucht des Gegners durchaus etwas entgegenzusetzen hat.

Aue.

Von Ritualen vor dem Anpfiff hält Daniel Haas nicht viel. "Ob ich den linken oder den rechten Fußballschuh zuerst anziehe oder mich dreimal im Kreis drehe, ändert nichts am Spielverlauf oder ob ich ein gutes oder ein schlechtes Spiel mache", meint er. Der 35-Jährige wird morgen in der mit Spannung und Vorfreude erwarteten Partie der Auer gegen den Hamburger SV (Anstoß: 13 Uhr) das Gehäuse der Erzgebirger hüten, da Martin Männel wegen einer Knieverletzung ausfällt.

Das ist bitter für den Kapitän, aber für seinen Vertreter eine gute Möglichkeit, gegen den millionenschweren Aufstiegsfavoriten und ehemaligen Bundesliga-Dino zu zeigen, was er auf dem Kasten hat. "Für mich ist jede Partie in der 2. Liga ein Privileg. Aber klar, es ist ein absolutes Highlight-Spiel, vor voller Hütte, gegen den aktuellen Tabellenführer der 2. Fußball-Bundesliga, da brauchen wir uns über die Motivation keinen Gedanken zu machen", sagt Daniel Haas. Der ehemalige Bundesligakeeper (Hoffenheim), der seit Oktober 2016 beim FCE unter Vertrag steht, freut sich auf die Begegnung und will sie genießen. Es ist sein zweiter Einsatz nach der Partie beim 1. FC Ingolstadt, die mit 2:3 verloren ging.

Den Tag vermiesen könnte ihm diesmal vor allem ein Mann: Pierre-Michel Lasogga. Der bullige Mittelstürmer der Hamburger erzielte zuletzt im Spitzenspiel gegen den 1. FC Köln den 1:0-Siegtreffer und schoss im DFB-Pokal gegen Wehen Wiesbaden zwei Tore. Unter dem neuen HSV-Trainer Hannes Wolf, der vor zwei Wochen Christian Titz ablöste und in drei Pflichtspielen drei Siege einfuhr, ist der 26-Jährige gesetzt. Das Vertrauen tut dem Sturmtank offensichtlich gut. Und obwohl die topbesetzten Norddeutschen natürlich nicht nur aus Lasogga bestehen, wissen sie im Lößnitztal genau, was auf sie zukommt: "Wir sind ein Jahrgang und haben in der Jugend viel gegeneinander gespielt, Pierre-Michel beim VfL Wolfsburg, ich beim Hamburger SV", erinnert sich Sören Bertram und fügt an: "Er ist ein Monster, zusammen mit dem Kölner Simon Terodde der beste Stürmer der 2. Liga."

Auch Steve Breitkreuz kennt den gegnerischen Angreifer, der bisher sechs Saisontore für den HSV erzielt hat, gut: "Nach Kreuzbandrissen waren wir bei Hertha BSC zusammen in der Reha und standen fast zeitgleich wieder auf dem Platz. Mit der U23 habe ich gegen die Profis das eine oder andere Spiel gegen Pierre gemacht. Er ist einfach megastark im Strafraum", lobt der Abwehrchef Lasogga. Dieser setzt vor allem seinen Körper geschickt und mit Wucht ein. 88 Kilogramm bringt der kopfballstarke Stürmer bei 1,89 Meter Körpergröße auf die Waage. Ein Pfund, welches die Auer erst einmal aus dem Weg räumen müssen - und nicht nur das. "Verteidigt bekommt man einen richtig guten Spieler immer nur im Kollektiv. Natürlich kannst du einen ausschalten. Aber Hamburg hat genug Qualität, dass dann der Nebenmann trifft oder gefährlich ist", warnt Breitkreuz.

Respekt ja, Furcht nein. Das unterstreicht auch Veilchen-Cheftrainer Daniel Meyer: "Gegen Nicolai Rapp, Malcolm Cacutalua oder Steve Breitkreuz ist es auch hart, sie werden keine Freundschaftarmbänder verteilen", meint er. Und den neuen Mann zwischen den Pfosten sieht er in puncto Körperlichkeit erst recht gut aufgestellt "Wenn Daniel Haas durch den Strafraum fliegt, würde ich auch drei Schritte zur Seite machen", sagt der Trainer, der in Sachen Torhütertausch "total tiefenentspannt" ist.

Stattliche 89 Kilogramm bringt der 1,88 Meter große Daniel Haas derzeit auf die Waage, womit er sogar ein Kilogramm mehr wiegt als Lasogga. "Grundsätzlich schadet es nie, wenn du ein bisschen mehr Physis mitbringst. Und im Verlauf meiner Karriere habe ich gelernt, dass es sich auszahlt, in diesem Bereich zu arbeiten", meint der FCE-Keeper, der bei der Qualität des Gegners morgen sicher nicht arbeitslos bleiben wird. Besonders vorbereitet hat sich Daniel Haas jedoch nicht auf das Spiel: "Grundsätzlich hat sich die Situation für mich nicht geändert. Ich muss mich immer so vorbereiten, dass es hart auf hart kommt", sagt er. Für Rituale bleibt da wenig Zeit.

HSV plagt Schuldenberg

Personell kann Aue nicht aus dem Vollen schöpfen: Es fehlen Torhüter Martin Männel, Christian Tiffert

(beide Knieverletzung), Fabian Kalig (Gelb-Rot-Sperre), Luke Hemmerich (Bänderriss im Sprunggelenk) und John-Patrick Strauß (Länderspielreise mit den Philippinen). Hinter dem Einsatz von Dennis Kempe (Adduktoren) steht ein Fragezeichen.

Vor gut 18 Jahren hat es das letzte Duell der beiden Teams gegeben. Am 27. August 2000 spielte der damalige Zweitligist FCE mit Trainer Gerd Schädlich in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den HSV, verlor daheim mit 0:3. Ketelaer, Mahdavikia und Heinz erzielten die Tore für die Elf von Chefcoach Frank Pagelsdorf. Alle Spieler der Pokalbegegnung, auf HSV-Seiten mit so klangvollen Namen wie Butt, Barbarez, Panadic oder Doll, haben ihre Profilaufbahn beendet.

Sportlich läuft es aktuell für den Zweitliga-Tabellenführer Hamburger SV optimal. Unter dem neuen Cheftrainer Hannes Wolf gab es zwei 1:0-Siege in der Liga in Magdeburg und daheim gegen den 1. FC Köln sowie den 3:0-Triumph im DFB-Pokal beim SV Wehen Wiesbaden.

Wirtschaftlich befindet sich der HSV in einer dramatischen Lage. Das letzte Geschäftsjahr 2017/18 wurde mit einem Defizit von fünf bis sieben Millionen Euro abgeschlossen. Laut Medienberichten könnte das Minus für die laufende Spielzeit bis zu 20 Millionen Euro betragen.

Die Größenunterschiede der Klubs sind auf dem Papier gewaltig. Rund 85.000 Mitglieder verzeichnet der HSV (Aue rund 7300). Der Markwert der ersten Mannschaft beträgt mit rund 57 Millionen Euro (Aue rund 12,0 Millionen) fast das Fünffache. tp/tt

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