Neuhaus kann Dynamo-Krise verschärfen: «Nicht mein Problem»

Ausgerechnet Ex-Trainer Uwe Neuhaus kann mit Arminia Bielefeld die Sorgen von Dynamo Dresden noch verstärken. Auch wenn er es nicht zugibt, wäre eine Sieg wohl erneut auch eine kleine Genugtuung.

Bielefeld/Dresden (dpa/sn) - Rücksicht auf den Ex-Club will Uwe Neuhaus bei seiner zweiten Rückkehr nicht nehmen. Gut drei Jahre lang war der 59-Jährige Trainer von Dynamo Dresden, wurde im August 2018 beurlaubt und kommt am Samstag mit seinem neuen Club Arminia Bielefeld in die sächsische Landeshauptstadt. Die Stimmungslage beider Teams konnte vor dem Wiedersehen kaum unterschiedlicher sein.

Denn während Neuhaus und die Arminia als Tabellendritter vom Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga träumen können, steckt Dynamo Dresden als 17. tief im Abstiegskampf. Ex-Coach Neuhaus kann die Krise nun noch deutlich verschärfen. «Ich denke nur daran, wie wir das Spiel gewinnen. Die Auswirkungen sind ja nicht mein Problem», gibt der 59-Jährige unumwunden zu.

Er blickt nicht zurück, dennoch warf die Trennung von Neuhaus im Nachgang Fragen auf. Weder Nachfolger Maik Walpurgis, noch der aktuelle Coach Cristian Fiel haben es geschafft, den achtmaligen DDR-Meister wieder zu stabilisieren.

Im Sommer 2015 heuerte der geborene Hattinger Neuhaus beim damaligen Drittligisten an und führte die Sachsen in einer auf Anhieb wieder ins Bundesliga-Unterhaus. Dort absolvierte Dresden als Aufsteiger die beste Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte und schloss als Tabellen-Fünfter ab.

Doch daran konnten Neuhaus und Dynamo nicht mehr anknüpfen. Nur knapp entging die Sportgemeinschaft als 14. in der Saison darauf dem Abstieg. Der Verein hielt zunächst an seinem Coach fest, um ihn dann doch nach nur zwei Ligaspielen und Platz Neun und dem peinlichen Aus im DFB-Pokal beim Regionalligisten SV Rödinghausen zu beurlauben. Auch Nachfolger Walpurgis überstand die Saison nicht.

Im Dezember 2018 unterschrieb Neuhaus bei der Arminia. In kürzester Zeit formte er ein Spitzenteam, das nach dem 1:1 am Montagabend gegen den Hamburger SV weiter von der Rückkehr in die Spitzenklasse träumen kann. Dabei lässt er seine Mannschaft mit viel Ballbesitz agieren, dominant sollen sie auftreten. Eine ähnliche Philosophie vertritt auch sein Gegenüber Fiel - derzeit mit mäßigem Erfolg.

Zehn Punkte trennen beide Clubs. Neuhaus möchte dem keine große Bedeutung zumessen, im Gegenteil: «Ich weiß, dass es - gerade durch diese Konstellation - ein richtig ekliges Spiel wird. Da müssen wir uns auch wieder gründlich drauf vorbereiten», warnte der 59-Jährige am Montag.

Neuhaus weiß auch, dass Dresdens Anhänger am Samstag eine gewichtige Rolle spielen. Nach drei Niederlagen in Serie hatten sich diese zuletzt von ihrer Mannschaft abgewandt. Dennoch kann die Atmosphäre im Rudolf-Harbig-Stadion Spiele entscheiden. Neuhaus bezeichnet diese als «sowieso immer hitzig, aufgeheizt und frenetisch. Jetzt steht die Mannschaft unter Druck. Das wird ein Fight. Ich glaube, das wird ein ganz, ganz enges Match.»

So wie bereits bei seiner ersten Rückkehr im Januar. Die war an Dramatik kaum zu überbieten, die Arminia drehte einen 1:3-Rückstand noch zu einem 4:3-Auswärtserfolg. «Wir hätten heute gegen jede andere Mannschaft aus der 2. Liga spielen können. Da wäre meine Freude genauso groß oder gering über die drei Punkte gewesen», sagte er damals. Ein bisschen Genugtuung war womöglich aber doch dabei.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...