Schwarz-gelbe Wucht gegen lila-weiße Geduld

Für Erzgebirge Aue steht am 1. Advent das Derby gegen Dynamo Dresden an. In der Tabelle trennen die sächsischen Zweitligisten nur zwei Punkte - auf dem Rasen gibt es deutlich mehr Unterschiede.

Aue/Dresden.

Viele Auer gönnen dem sächsischen Rivalen Dynamo Dresden durchaus Punkte, aber nur, wenn er diese gegen andere Vereine holt. Der 3:1-Sieg am Montagabend beim favorisierten Fortuna Düsseldorf dürfte im Erzgebirge jedoch für gemischte Gefühle sorgen. Die Elbestädter (17 Punkte/Platz 16) rücken in der Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga nicht nur bis auf zwei Zähler an den FCE (19/Platz 10) heran. Die Neuhaus-Elf tat auch etwas fürs angeknackste Selbstvertrauen. Das wird am Derby am Sonntag in Dresden (Anstoß: 13.30 Uhr) eine wichtige Rolle spielen. Vor der Partie vergleicht "Freie Presse" beide Mannschaften.

 

Defensive: In Düsseldorf zeigten die Dresdner Innenverteidiger Müller und Ballas sowie Keeper Schwäbe eine gute Leistung. Beim 1:2 gegen Kaiserslautern hingen die zwei Letztgenannten bei den Gegentoren mit drin. Stabil ist dieser Teil nicht. Alternativen fehlen, die Kreuzbandverletzung des erfahrenen Ex-St.-Paulianers Gonther wiegt schwer. Auf den Außenverteidigerpositionen hat rechts Seguin die Nase vorn, spielt jedoch nicht fehlerfrei. Links ist die Rückkehr des gesperrten Heise ein echter Qualitätsgewinn für die Viererkette.

Das System des einstigen Auer und jetzigen Schalke-Trainers Domenico Tedesco kommt immer noch zum Einsatz. Die Dreierkette, die dank tief stehender Flügelspieler die meiste Zeit eher eine Fünferreihe ist, funktioniert. Wydra, Rapp und Kalig bilden das Herzstück der Defensive, die mit 20 Gegentoren im statistischen Mittelfeld rangiert. Auch aus der letzten Derby-Klatsche zogen die Veilchen die richtigen Schlüsse. Drei der vier Dresdner Tore waren beim 1:4 nach Standardsituationen gefallen. Genauso viele sind es in der bisherigen Saison - Bestwert in der 2. Bundesliga.

 

Offensive: Dynamo-Trainer Uwe Neuhaus probierte, auch gezwungen durch Ausfälle, einiges aus. Mit Hauptmann und dem Ex-Auer Benatelli scheint er jetzt sein Mittelfeldduo gefunden zu haben. Stärkster Neuzugang ist der schnelle und trickreiche bosnische Nationalspieler Duljevic. Ganz vorn hat Röser, zusammen mit Mlapa (je 4) bester Torschütze, die Nase vorn. Der 23-Jährige ist handlungsschnell und verfügt über einen guten Schuss. 21 Tore sind für so eine spielstarke Mannschaft aber eher Durchschnitt.

Nur zwei Zweitligisten schossen dieses Jahr weniger Tore als der FC Erzgebirge (16). Das liegt weniger an der Qualität der Einzelspieler, sondern an der Herangehensweise. Wenn man fünf Verteidiger und zusätzlich zwei, manchmal drei Sechser aufbietet, konzentriert man sich schon durch die Besetzung eher auf das Verhindern von Toren. Resultat: Nur in drei der 15 Saisonpartien gelang den Auern mehr als ein Treffer.

 

Größte Stärken: Die der Dresdner zeigten sie in Düsseldorf, als es bereits nach zehn Minuten 3:0 für die Schwarz-Gelben stand. Wenn sie mit Wucht angreifen, schnell und entschlossen den Abschluss suchen, die individuellen Stärken zum Tragen kommen, dann ist das Team schwer zu verteidigen. Die Mannschaft spielt flexibel, versucht sowohl über die Außen als auch durch die Mitte zum Erfolg zu kommen.

Der FCE ist effektiv und geduldig. Zum einen münzen sie wenige Tore in viele Punkte um. Gehen die Veilchen in Führung, nehmen sie mindestens einen Zähler mit. Achtmal konnten die Auer das erste Tor erzielen. Zum anderen agieren die Erzgebirger geduldig, legen großen Wert darauf, die Kompaktheit in der Defensive nicht zu verlieren. Das ist häufig unansehnlich, aber bei 19 Zählern und Tabellenplatz zehn haben die Spieler und das Trainerteam das beste Argument auf ihrer Seite.

 

Größte Schwächen: Die Konzentration über 90 Minuten. In der letzten Viertelstunde büßte Dynamo bereits mehr als zehn Punkte ein, teils durch individuelle Aussetzer, teils durch kollektives Versagen. Das Wissen darum steckt im Kopf und lähmt die Beine. Nicht umsonst mahnte Neuhaus nach der Pleite gegen Kaiserslautern "etwas mehr Hirn statt Herz" an. Zudem ist das "DDV-Stadion" längst keine Festung mehr. Dresden ist mit sechs Punkten und 6:12 Toren die heimschwächste Mannschaft der 2. Liga.

Neun direkte Torbeteiligungen gehen diese Saison auf das Konto von Köpke. Damit ist er bester Auer und ligaweit in den Top Ten. Doch seit zwei Monaten hat er nicht mehr getroffen. Seitdem der 22-Jährige auf einen Torerfolg wartet, hat der FCE in keiner Partie mehr als einen Treffer erzielt und nur eines der sieben Spiele gewonnen. Das soll nicht heißen, dass Köpke allein verantwortlich für die Flaute ist. Aber seine Leistung taugt seit seiner Ankunft vor knapp zwei Jahren als Thermometer dafür, wie heiß die FCE-Offensive insgesamt läuft - und gerade ist es ganz schön kalt im Lößnitztal.

 

Schüsselspieler im Derby: Dynamos Hartmann fehlte wegen eines Muskelfaserrisses seit dem 11. Spieltag in drei Partien, kein Spiel davon konnte die SGD gewinnen. Der Kapitän ist nicht nur ein "Mentalitätsmonster" und die ordnende Hand, sondern auch ein herausragender Zweikämpfer, dem Neuhaus in diesem Punkt schon einmal "Bundesligatauglichkeit" bescheinigte. Er dürfte vor allem den Auer Passgebern auf den Füßen stehen, um Angriffsversuche des Gegners im Ansatz zu unterbinden. Nicht zu unterschätzen ist auch seine Kopfballstärke, damit leitete er den Sieg gegen Düsseldorf ein.

Bei Aue wird es entscheidend auf Calogero Rizzuto ankommen. Der rechte Flügelspieler bekommt es mit dem Duo Dulijevic/Heise auf Dynamos starker linken Seite zu tun. Erwischt der Deutschitaliener keinen guten Tag, werden die Dresdner über diese Flanke immer wieder zu Chancen kommen. Gleichzeitig bietet der Offensivdrang von Linksverteidiger Heise und seinem bosnischen Vordermann viel Raum für Konter. Rizzuto hat an einem guten Tag die Chance, im Spiel nach vorn entscheidende Akzente zu setzen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...