Volle Packung Integration im Camp

Der Bosnier Marko Mihojevic ist die jüngste Neuverpflichtung des Fußball-Zweitligisten Erzgebirge Aue. Im Trainingslager auf Rügen hat der Abwehrhüne einen Privatdolmetscher, der selbst spielt.

Göhren.

Deutsch spricht Marko Mihojevic derzeit noch nicht. Dafür kann er Englisch ganz gut. In Filip Kusic, der aus Serbien stammt, so scheint es, hat er bereits einen guten Kumpel in den Reihen des Kumpelvereins gefunden. Die beiden verstehen sich - nicht nur aufgrund ihrer gemeinsamen Muttersprache. "Wir sprechen beide Serbisch, das ist in diesem Fall ein großer Vorteil", sagt Kusic, der seine erste Saison im Veilchentrikot bereits gespielt hat. Nicht nur bei Interviews, sondern ebenso im Training fungiert er nun auch als Dolmetscher. "Du bist für mich eine große Hilfe", zeigt sich der Neue dankbar. Er weiß, dass nicht jeder Spieler gut Englisch spricht und es so manchmal Probleme bei der Kommunikation geben kann. Die deutsche Spreche zu lernen, ist für Mihojevic nach dem Wechsel ins Erzgebirge eine Selbstverständlichkeit: "Ich will mich gut integrieren", betont der Kicker, der in seinem Heimatland Bosnien-Herzogowina sogar zur Nationalmannschaft gehört.

Erst am vergangenen Donnerstag wurde der Transfer auf Leihbasis ins Lößnitztal perfekt. Aktuell steht er in Griechenland bei PAOK Saloniki unter Vertrag. Erste Gespräche über einen möglichen Wechsel zum FC Erzgebirge habe es bereits vor Tagen gegeben. Zunächst aber soll es schwierig gewesen sein, sich mit Saloniki über eine Leihe zu einigen. "Am Ende hat dann aber alles sehr gut funktioniert", sagt der 23-Jährige. Als er diesen Satz ausspricht, kommt Veilchen-Präsident Helge Leonhardt dazu, strahlt übers ganze Gesicht und klatscht sich mit Marko Mihojevic ab: "Das sind meine Jungs, meine Jungs aus Serbien." Stolz schwingt in den Worten des Veilchen-Bosses mit. Er ist angesichts des Neuzugangs zuversichtlich und offenbar auch erleichtert.

Der neben dem Platz eher zurückhaltend wirkende Spieler ist auf dem Platz ein ganz harter Brocken. Der Innenverteidiger scheut keinen Zweikampf. Das zumindest wurde am Dienstagvormittag im Training auf dem Sportplatz in Baabe deutlich, wo die Auer in diesem Jahr ihr Sommertrainingslager absolvieren. Doch nicht nur am Ball ist er sehr ehrgeizig. Marko Mihojevic zeigt sich auch in Athletikeinheiten voll engagiert. Dass es für ihn schon im Vorfeld seiner Verpflichtung Vorschusslorbeeren gab, ist ihm offenbar nicht ganz verborgen geblieben. Unter Druck setzt ihn das aber nicht. Er habe überall, wo er bisher gespielt hat, das Maximum gegeben. "Das werde ich auch hier machen. Ob es die Vorschusslorbeeren rechtfertigt, wird sich zeigen", erklärt der 23-Jährige ziemlich entspannt.

Im Test gegen Viktoria Berlin kam Marko Mihojevic nur in den ersten 35 Minuten zum Einsatz. "Er muss jetzt erst einmal Anschluss finden. Er kam gefühlt aus der Kalten. Wir sind schon in der vierten Woche der Vorbereitung", sagt Meyer. Die zukünftige Position ist noch völlig offen: "Er kann in der Dreierkette rechts und links spielen. Er kann Innenverteidiger sein. Er gibt uns da einfach mehr Möglichkeiten", lobt der Coach. "Wir sollten ihn erst einmal in den körperlichen Zustand wie die anderen Jungs bringen. Dann werden wir sehen, wie schnell er zu Einsätzen kommt." Die Entscheidung für Mihojevic sei gefallen, weil er einer ist, der sich klassisch über den Zweikampf definiert.

Positiv für die Integration in die Mannschaft und für die Teambildung sei das Trainingslager auf jeden Fall. Es sei gar nicht so schlecht, verpflichtet zu werden und gleich mit dem Verein ins Camp zu starten. "Hier ist man viel enger beieinander. So lernt man die Leute auch besser und schneller kennen", sagt Marko Mihojevic. Filip Kusic ergänzt: "Das ist wirklich ein Vorteil. Weil wir ja schon etwas länger im Training sind, ist es für ihn durch die vielen Einheiten, die ja hier immer hintereinander stattfinden, leichter, sich anzupassen und in der Mannschaft Fuß zu fassen."

Und schon schlägt wieder der enorme Ehrgeiz des 1,88 Meter großen Innenverteidigers durch: "Ich möchte an meinem Niveau arbeiten und mich hier weiter verbessern. Ich bin ganz froh, dass wir alle hier im Trainingslager sind." Aber nicht nur an der Ostsee erlebt Marko Mihojevic Teamgeist. Gleich an seinem ersten Tag im Erzgebirge ging es beim Biathlon in Oberwiesenthal und zum Mannschaftsabend familiär zu. "Beim Biathlon hat er mit seinem Team gleich gewonnen", erklärt Filip Kusic. Und beim Mannschaftsabend war der Neue fürs Dessert mit zuständig. "Ich habe zuvor noch nie Biathlon gemacht. Da war auch ein bisschen Glück dabei."

3:1-Sieg im Testspiel gegen Viktoria Berlin - Ein radelnder Fan gibt schon vor der Saison alles

Das erste Testspiel im Trainingslager auf der Insel Rügen hat der FC Erzgebirge Aue gegen Viktoria Berlin mit 3:1 gewonnen. Der Regionalligist war im zweiten Drittel (dreimal 35 Minuten) durch einen Handelfmeter, den Kapitän Christoph Menz verwandelte, in Führung gegangen.

Im letzten Drittel gelang Filip Kusic der Ausgleichstreffer zum 1:1. Pascal Testroet brachte vor 843 Zuschauern seine Mannschaft in der Schlussphase mit 2:1 in Führung. Calogero Rizzuto traf schließlich kurz vor dem Schlusspfiff zum 3:1-Endstand.

Cheftrainer Daniel Meyer schätzte ein: "Wir hatten die Idee, in zwei Teams aufzuteilen. Der eine Block spielt heute 70 Minuten, der andere dann am Freitag 70 Minuten." Der Chefcoach experimentierte in den ersten beiden Dritteln im System, vom 3-5-2 stellte er auf 4-3-3 um.

Abwehrspieler Steve Breitkreuz fiel zum Auftakt des Camps wegen Kniebeschwerden aus. Für ihn wurde Talent Niklas Jeck (17) nachnominiert.

Als Hauptquartier für das Trainingslager hat sich der FCE im "Akzent-Waldhotel Rügen" in Göhren eingemietet. Trainiert wird meist auf dem Sportplatz des SV Blau Weiß Baabe, der vier Kilometer entfernt liegt.

Ein Fan des FC Erzgebirge Aue ist seinen Idolen mit dem Rennrad ins Trainingslager nachgereist. "Ich bin am Samstagmorgen um sieben Uhr in Schneeberg gestartet", erzählte der FCE-Anhänger. Zwei Tage brauchte er für die Tour. "Die letzte Etappe ging über 346 Kilometer", meinte er, nachdem er in Baabe ankam. "Ich fahre viel Fahrrad, aber das war schon eine extreme Herausforderung." (dpa/fp/klin)

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