Kletter-EM: Fast alles im Griff

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Hanna Meul, die Vizeeuropameisterin im Bouldern, hat eine zweite Medaille in der Kombination knapp verpasst. Mit Blickrichtung Paris spornt sie das aber noch mehr an.

München.

5000 begeisterte Zuschauer, die sich bei brütender Hitze auf dem Münchner Königsplatz vor der stark überhängenden Kletterwand versammelt hatten, gerieten am späten Mittwochnachmittag immer mehr aus dem Häuschen. Und das lag nicht an der Wasser- dusche, die ihnen wegen der hohen Temperaturen in regelmäßigen Abständen verpasst wurde. Vielmehr war Hannah Meul beim Showdown des Combined-Wettbewerbs, einem Mix aus Bouldern, dem Klettern in Absprunghöhe, und Lead (Schwierigkeitsklettern), gut und flott am Seil unterwegs.

Für eine zweite Medaille hätte es die Vizeeuropameisterin im Bouldern im Schwierigkeitsteil allerdings ganz nach oben bis zum letzten Griff schaffen müssen. Sie versuchte alles, doch letztendlich fehlte die Kraft, und sie fiel vor dem ersehnten Ziel. Ein Stöhnen ging durch die Menge und Hannah Meul reihte sich zunächst auf Rang drei ein. Am Ende musste sie mit Platz vier vorliebnehmen. "Ich bin ganz ehrlich, ich bin enttäuscht. Das hatte ich mit anders vorgestellt. Eine zweite Medaille wäre schön gewesen", sagte die 21-Jährige und lächelte dabei. "Ich kann gar nicht böse schauen. Ich hab es mal beim Physiotherapeuten versucht, aber ich kann es nicht", erklärte die Rheinländerin diesen Umstand.

Dass der neue deutsche Kletterstern aus Frechen noch auf den undankbaren vierten Rang rutschte, lag an Janja Garnbret. Gegen die 23-jährige Slowenin ist momentan kein Kraut gewachsen. Die Blondine schaffte es mit einer unglaublichen Körperspannung und einem angeboren Bewegungstalent scheinbar mühelos bis zum letzten Griff und holte sich nach den Siegen in den Einzeldisziplinen bereits ihren dritten EM-Titel in München. Wobei die sechsfache Weltmeisterin und 36-fache Weltcupsiegerin die Wand eher hinauf"tanzte". Die 1,64 Meter große Klasseathletin, die schon im Alter von sechs Jahren ihre Eltern zur Verzweiflung brachte, weil sie wie eine Katze auf die Schränke kletterte und bereits mit 14 Jahren ins Wettkampfgeschehen eingriff, schaffte es auch als Einzige, vier von vier Bouldern top zu klettern. "Ich ziehe den Hut vor ihr, drei Goldmedaillen zu holen, ist enorm. Aber es spornt einen auch an. Wenn das Feuer einmal entfacht ist, dann will man mehr", sagte Hannah Meul. Platz zwei ging ebenfalls nach Slowenien durch Mia Krampl. Bronze sicherte sich die Österreicherin Jessica Pilz, eine Spezialistin am Seil.

Die Kombination aus Bouldern und Lead feiert in zwei Jahren in Paris ihre olympische Premiere. Bei den European Championships in München war praktisch der erste Probelauf dafür. Hannah Meul mag die Wettkampfform. "Ich bin sehr zufrieden, dass es das gibt. Ich liebe Bouldern, ich liebe Lead-Klettern, und ich könnte mich nicht entscheiden, welche Disziplin ich machen möchte. Und ich sehe eigentlich auch meine Stärken in dem Wettbewerb", sagte die Frohnatur und fügte an: "Das wird ein ganz großes Event bei den Olympischen Spielen. Ich glaube, es war eine ganz gute Premiere für das neuen Format."

Eine Premiere mit Kinderkrankheiten. So bemängelte etwa Bundestrainer Ingo Filzwieser, dass zwei der vier Boulder zu leicht gewesen wären. "Dadurch hat das Schwierigkeitsklettern zu viel Gewicht bekommen", sagte er in Richtung der Routenbauer. Hannah Meul sah es ähnlich, nahm die Kritisierten aber auch ein wenig in Schutz: "Beim Combined kann man nicht superhart schrauben, weil man eben beide Disziplinen hintereinander klettern muss, Aber bei diesem Feld hätte es durchaus etwas schwerer sein können. Aber daraus lernt man eben auch", sagte die Studentin der sozialen Arbeit, die das Publikum auf dem Königsplatz begeisterte. Die vielen Wettkämpfe forderten aber auch ihren Tribut. "Ich bin physisch und auch mental irgendwie am Ende, denn ich habe alle Runden mitgenommen. Aber das war mein großes Ziel. Ich bin unglaublich glücklich, das erreicht zu haben", meinte Hannah Meul und verabschiedete sich. Natürlich mit einem Lächeln.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.