Lauf-Kultour: Freude pur nach einem "sozialen Abenteuer"

Die zehnte Deutschland-Umrundung zu Fuß durch eine Staffel der TU Chemnitz ist Geschichte. Zu den zwölf Läufern gehörten auch zwei junge Damen, die das außergewöhnliche Projekt mit unterschied- lichen Voraussetzungen in Angriff genommen hatten.

Nur einmal während der 16 Tage kam Franziska Karl leicht ins Grübeln. Es war mitten in der Nacht "im tiefsten Bayern", als sich mehrere Missgeschicke ereigneten. "Der Radbegleiter hatte einen Platten gefahren, das Wohnmobil war im Schlamm stecken geblieben, und dann haben wir noch 20 Minuten nach der richtigen Strecke gesucht", berichtete die TU-Studentin am Sonntagnachmittag.

Was im ersten Moment ärgerlich erscheint, werde später als Anek- dote erzählt, über die man lachen kann, so Franziska Karl. Sie gehörte zur Uni-Staffel, die Deutschland zum zehnten Mal zu Fuß umrundete. Dabei wurde wieder Geld für die Aktion "Benni & Co" zugunsten von Personen gesammelt, die unter genetisch bedingtem Muskelschwund leiden.

Die 20-jährige Studentin für Präventions-, Rehabilitations- und Fitnesssport beteiligte sich zum zweiten Mal an dem Projekt des Vereins Lauf-Kultour, das am Sonntag mit dem Zieleinlauf auf dem TU-Campus Reichenhainer Straße endete. Jedes Mitglied der Staffel legte innerhalb von gut zwei Wochen durchschnittlich 330 Kilometer zurück, das sind fast acht Marathon-Läufe. "Ich habe es gut weggesteckt. Unterwegs fragt man sich schon: Warum tust du dir das an?, wenn Knie, Hüften und Schultern wehtun oder die Waden hart werden", berichtete Franziska Karl. "Beim Zieleinlauf waren die Schmerzen jedoch wie weggeblasen", fügte die aus Werdau stammende junge Frau hinzu. Dennoch freue sie sich jetzt auf ein paar ruhige Tage, "ohne dass ich mich groß bewegen muss".

Während der Tour sei sie an der Nordsee positiv überrascht worden. "An diesen Abschnitt hatte ich keine guten Erinnerungen. Bei meiner ersten Teilnahme an der Deutschland-Umrundung bin ich dort nachts gelaufen. Es war kalt und es hat bei starkem Wind geregnet", sagte Franziska Karl. Auch diesmal sei es Nacht gewesen, als sie an der Nordsee auf die Strecke ging. "Doch es regnete nicht und war fast windstill. Dazu konnte man mehrere Sternschnuppen sehen", erzählte die 20-Jährige.

Sie war eine von zwei jungen Damen in der diesjährigen Staffel der Lauf-Kultour. Franziska Hösel, die an der TU Wirtschaftswissenschaften studiert, feierte ihre Premiere in dem illustren Läufer-Team. "Ich wollte schon vorher mitlaufen, aber es kam immer etwas dazwischen. In diesem Jahr habe ich extra mein Praktikum verschoben", berichtete die 27-Jährige, die aus Mittweida stammt. Franziska Hösel macht keine leichte Zeit durch. "Ich bin Tumor-Patientin und wurde 2015 operiert. In Kürze muss ich wieder ins Krankenhaus", sagte die Studentin. Seit vier Jahren sei sie begeisterte Läuferin. "Ich habe in der Zeit auch eine Fernwanderung von München nach Venedig unternommen, um mich selbst zu finden und kennen zu lernen", berichtete Franziska Hösel.

Das Projekt Lauf-Kultour bezeichnete sie auch als soziales Abenteuer. "Wenn man sich mit jemandem, den man vorher nicht kannte, 16 Tage lang sechs Quadratmeter im Wohnmobil teilt, ist das nicht einfach", erklärte die 27-Jährige. Auch sie hatte unterwegs manch kleine Krise zu überstehen. "Es war nicht immer lustig. Einmal ist der Regen in der Nase nach oben gelaufen, weil der Wind stark von vorn wehte", so Franziska Hösel. Aufgeben sei aber kein Thema gewesen. Sie habe in solchen Momenten an die muskelkranken Menschen gedacht, für die das Läufer-Team unterwegs war. "Sie wären trotz des Wetters froh gewesen, wenn sie hätten mitlaufen können", betonte die Mittweidaerin, die Frontfrau einer Chemnitzer Band ist. "Next to Talent" heißt die Formation, die Akkustik-Rock mit Geige spielt, wie Franziska Hösel erklärt. Sie machte am Sonntag keinen Hehl daraus, dass sie sich auch 2017 gern wieder den Lauf-Kultouristen anschließen würde. "Ich weiß allerdings nicht, wie es mir dann gesundheitlich geht", fügte sie hinzu.

Nach Lage der Dinge wird es nächstes Jahr die elfte Auflage der Deutschland-Umrundung geben. Das im Vorfeld des diesjährigen Jubiläums klaffende Finanzloch im fünfstelligen Bereich konnte mithilfe von Sponsoren und Spenden weitestgehend geschlossen werden, bestätigte Mitorganisator Steffen Kehrer am Sonntag. "Wir haben noch die Kurve gekriegt", sagte Kehrer erleichtert. Die Jubiläumsstaffel habe sich als "super Team" erwiesen, das den Zeitplan auf der rund 4000 Kilometer langen Strecke eingehalten habe. Am Samstag waren die TU-Studenten im Rahmen der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden vor dem Sächsischen Landtag eingetroffen und von dessen Vizepräsidenten Horst Wehner empfangen worden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...