Talsohle folgt bisher beste Saison

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Charlotte Böhme hat in der Loipe erstmals auch international überzeugt. Die Erfolge geben ihrem eigenen Weg Recht - und sind Ansporn für Talente.

Carlsfeld.

Manche Wochenenden sind für Charlotte Böhme aus Carlsfeld derzeit besondere. Denn nach zahlreichen Wettkampfeinsätzen darf sie diese zuhause verbringen. Dennoch steckt der 17-jährigen Skilangläuferin vom SV Stützengrün ihre bisher beste Saison noch frisch in den Knochen.

Das erste Mal ging es für Charlotte Böhme auf internationalem Parkett richtig ab. Sie ist aktuell das Aushängeschild ihres Heimatvereins und hat eine Talsohle hinter sich gelassen. 2021 hatte die junge Frau kurz ihren Kaderstatus verloren. Umso härter trainierte sie. Vor allem in Eigenregie. Nach einem kurzen Intermezzo kehrte die Carlsfelderin der Wintersportschule am Fichtelberg den Rücken und wieder ans Gymnasium nach Kirchberg zurück. Dank einer Bildungsvereinbarung sowie Lehrern und Schulleitung mit viel Verständnis für ihren Sport hält die Elftklässlerin trotz ihrer Fehltage durch Wettkämpfe und Training schulisch prima mit.

"Ich darf in Freistunden laufen gehen oder die Turnhalle nutzen", berichtet sie. Früh beizeiten fährt sie mit dem Taxi zur Schule und kehrt meist gegen 16 Uhr heim. Dann spult sie ihr reichlich zweistündiges Pensum ab, das je nach Jahreszeit von Skifahren, Rollern und Crosslauf bis zu Kraft- und Ausdauertraining reicht. "Mit Papa geht es ab und zu zum Klettern und Schwimmen." Oder auf Lehrgänge am Stützpunkt in Oberwiesenthal beziehungsweise beim Deutschen Skiverband. Große Motivation zuletzt: die C-Kader-Norm, die auch finanzielle Effekte hat. So werden nur den Besten Kleidung und Material gestellt. Zudem gibt es Zuschüsse zu Startgebühren und Reisekosten. Nicht unerheblich für die vierköpfige Familie, zu der neben Mama und Papa noch der kleine Bruder Oskar gehört. Für seine Schwester lief es schon zum Saisonstart top. Bei der Leistungskontrolle in Oberhof feierte sie zwei Siege auf kleinen Rollen. Es ging gut weiter - bis zum Gesamtsieg im Deutschlandpokal und ersten Achtungszeichen im Ausland. So holte die 17-Jährige in Italien Gold im Einzel und mit der Staffel. Bei Europas Olympischen Jugendspielen in Finnland wurde Böhme über 7,5 Kilometer starke Fünfte - mit gerade mal 1,7 Sekunden Rückstand zu Bronze - und damit beste Deutsche.

Für die Erfolge schottete sie sich teils ab. Galt es doch, eine Coronainfektion zu vermeiden. Es glückte. Wobei die Angst vor jedem Test, sich doch angesteckt zu haben, zum normalen Leistungsdruck noch dazu kam. "Ich durfte vor Wettkämpfen sogar Homeschooling betreiben, um sicher zu sein", so die Athletin, die seit Schülercup-Zeiten auf Ski der Marke "Kästle" setzt. "Die sind gut", sagt Charlotte und will nächste Saison damit wieder mit aller Kraft angreifen. Den Kaderstatus hat sie dank der Italien-Siege sicher.

"Ich will mein Level halten, peile Starts im Alpencup an." Nach dem Abi - 2023 sind Prüfungen - sei die Bundeswehr eine Option. Vor allem fürs Studium der Kommunikationswissenschaft interessiere sie sich sehr. Ruhe findet die ehrgeizige Sportlerin beim Schmusen mit der Katze, beim Lesen, beim Backen und beim Kochen. "Das mache ich gern, auch wenn ich während der Saison kaum Zeit dafür habe", sagt Böhme, die sehr vitaminreich isst und am liebsten klassisch läuft. "Im freien Stil bin ich dafür technisch stärker."

Vorbild ist die Carlsfelderin bereits für die Talente ihres SV Stützengrün. Die Langläufer betreut Jens Tröger, der nach zwei Jahren Wettkampfpause vergangenen Winter 22 Medaillen notierte - etwa bei Sachsenpokal, Landesjugendspielen und Kammlauf. Es gab 7-mal Gold, 9-mal Silber und 6-mal Bronze. "Dazu kamen weitere gute Platzierungen unter den zehn Besten." Oskar Böhme etwa läuft wie seine Schwester der Konkurrenz zumeist davon. "Er steigt in den Deutschlandpokal auf", so Tröger. Im Schülercup war der Carlsfelder zuletzt Gesamtfünfter. (mit jtö)

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