Ausgerechnet Kötzsch schießt VfB ab

0:1 haben die Auerbacher Regionalliga-Fußballer beim Bischofswerdaer FV verloren. Dem Schützen des einzigen Tores konnte bei den Vogtländern keiner so richtig böse sein.

Bischofswerda.

Lieber schweigen. Als Philipp Kötzsch am Samstag in der 27. Minute den Bischofswerdaer FV in Führung köpfte, wollte er nicht jubeln. "Das wäre respektlos gewesen", sagte er später. Respektlos gegenüber dem VfB Auerbach, dem Verein also, für den er acht Jahre lang spielte. Ausgerechnet er war es, der das Regionalligaspiel mit diesem Tor entschied. "Solche Geschichten schreibt nur der Fußball", gestand auch VfB-Coach Sven Köhler.

Und so nahmen es dem Matchwinner auch die zahlreichen mitgereisten VfB-Fans das Tor nicht übel, mit dem er dem VfB erstmals seit drei Spielen wieder eine Niederlage zufügte. Kötzsch ist noch immer Sympathieträger in Auerbach. Ein anderer Grund, weshalb kein Auerbacher sauer über das Tor war, liegt im eigenen Spiel. Auch in Bischofswerda bestätigte sich die Analyse, dass die Regionalliga in dieser Saison unfassbar eng ist. Fast Jeder kann Jeden schlagen. Details machen den Unterschied. Details, wie eben der unbedingte Wille, der Philipp Kötzsch an diesem Tag so auszeichnete. Und vielleicht auch sein Antrieb, es den früheren Kollegen unbedingt zeigen zu wollen. "Die besseren Chancen hatte Auerbach", räumte er aber auch ein. Doch Auerbach machte die Tore einfach nicht.

Dabei war das Feld für die Vogtländer durchaus bereitet. Der VfB kam nur schwerfällig ins Spiel, hatte mit dem frühen Anlaufen der Gastgeber zunächst Probleme. "Wir haben nicht die individuelle Qualität, die Auerbach hat", sagt Kötzsch. "Wir müssen das mit anderen Eigenschaften kompensieren." Vielleicht ging Bischofswerda deswegen einen Tick engagierter ins Spiel. VfB-Trainer Sven Köhler stellte fest: "Bischofswerda war in der ersten Halbzeit griffiger." Andererseits verfügt auch der Aufsteiger über eine Mannschaft, die durchaus Regionalligaformat hat. Insofern passte das Kötzschsche Understatement nicht ganz. So beschäftigte der ehemalige Bayernliga-Torjäger Tomas Petracek die Auerbacher Hintermannschaft immer wieder. Der VfB bekam nicht den erhofften Zugriff aufs Spiel.

Erst nach und nach ackerten sich die Vogtländer ins Spiel. Sie erkämpften sich jeden Zentimeter - und dann schimmerte doch die Klasse der Offensive für wenige Momente durch. Felix Lietz vergab fünf Minuten nach der Bischofswerdaer Führung die Riesenchance zum Ausgleich. "Der muss rein", sagte auch Coach Sven Köhler. Lietz hatte nach einem Schlosser-Freistoß Zeit und Raum, sich das Eck auszusuchen. Doch sein Kopfball erhielt das Qualitätsmerkmal "Harmlos". Als danach auch noch Vaclav Heger (37.) und Marcel Schlosser (42.) gute Chancen ausließen, offenbarte sich das Auerbacher Problem: Nach dem glücklichen Sieg gegen den FC Viktoria Berlin vor einer Woche blieb diesmal das Glück auf der Strecke. Auerbach hätte womöglich noch weitere Stunden spielen können, das Tor wäre nicht gefallen.

Die zweite Halbzeit stand genau unter diesen Vorzeichen: Auerbach machte das Spiel, hatte geschätzte 80 Prozent Ballbesitz und etliche gute Aktionen. Doch das Tor blieb vernagelt, weil Präzision und Gespür für die Chance fehlten oder weil der hervorragende FV-Keeper Oliver Birnbaum es verhinderte. So erwischte zwar Auerbachs Schlüsselspieler Marcel Schlosser, den die Gastgeber versuchten in die Mangel zu nehmen, einen guten Tag. Doch er dreht den Schlüssel in der Tür nur um, die Offensivspieler machten sie nicht auf. Daher stand am Ende eine bittere, weil vermeidbar Niederlage.

Damit geht das Auf und Ab in der Regionalliga weiter. Eine ruhige Stimme in diesen sportlich stürmischen Zeit ist Coach Köhler. Er warnt: "Wenn wir gewinnen, dürfen wir keinesfalls denken, dass immer alles super ist", sagt er. "Genauso bei der Niederlage: Es war nicht alles schlecht, wir hätten genauso gut mit 3:1 gewinnen können. Wir können auf der zweiten Halbzeit aufbauen." Dann springen auch wieder bessere Ergebnisse raus. Im besten Fall schon am Samstag, wenn der VfB zum Heimspiel Union Fürstenwalde empfängt. Doch aufgepasst: Auch bei Fürstenwalde spielt mit Martin Zurawsky ein ehemaliger Auerbacher. Wenn der Fußball die ganz besonderen Geschichten schreibt, so gilt aber auch: Geschichte wiederholt sich nicht. Zumindest hofft der VfB darauf.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Lesen Sie auch
    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...