Frauenschach hat seit 35 Jahren in Rodewisch ein Zuhause

Eine Wiedersehensfeier mit ehemaligen Spielerinnen gab es am Wochenende in Rützengrün. Indes richtet der Verein den Blick auf die neue Bundesligasaison.

Rodewisch.

Kein anderer Verein im Vogtland hat es bisher geschafft, sich so lange in der Bundesliga zu halten wie die Rodewischer Schachmiezen. Sie starten am Wochenende in die 27. Saison in der höchsten deutschen Spielklasse. Zum Auftakt geht es am Samstag nach Bad Königshofen, wo die Schachmiezen ab 14 Uhr gegen die Gastgeber vom SC Bad Königshofen antreten. Am Sonntag treffen sie ab 9 Uhr auf den SV Hofheim.

"Wir haben gegen Königshofen immer gut ausgesehen, sind aber klarer Außenseiter", erklärt Mannschaftsleiter Wolfgang Schwarzer, der sich eher gegen Hofheim gute Chancen ausrechnet. In der vergangenen Saison waren die Miezen Fünfte der Bundesliga. Jetzt habe man sich das Ziel gesteckt, unter die ersten sechs zu kommen. "Ganz vorn mitzumischen, dazu haben wir keine Chance", so Schwarzer, der 14Frauen im Kader hat.

Die Mannschaft ist fast vollständig zusammengeblieben. Es hat lediglich einen Wechsel gegeben. Anna Warakomska, die bei den Miezen ein Jahr aushalf, verabschiedete sich, dafür kommt Anna-Maja Kazarian zurück ins Team, die aufgrund ihres Studiums ein Jahr pausierte.

Vor dem Saisonstart feierten die Schachmiezen am Samstag eine Sommerparty, zu der auch eine Festveranstaltung "35 Jahre Frauenschach in Rodewisch" gehörte. In den Spielbetrieb eingestiegen ist die damalige FSG Wissenschaft Rodewisch 1984. Als Rodewischer Schachmiezen tritt die Mannschaft seit 1992 an. In all den Jahren haben 100 Frauen für das Team der Vogtländerinnen gespielt. Sie erreichten in diesen 35 Jahren einige beachtliche Erfolge, waren deutscher Pokalsieger, deutscher Vizemeister und Europapokalteilnehmer. "Das war 1995 beim ersten Europapokal überhaupt, den es für Frauen gab", so Schwarzer.

An die Schacholympiade 2008 in Dresden hat Ex-Schachmieze Andrea Hafenstein eine besondere Erinnerung: "Dort war ich acht Minuten mit dem Schachweltmeister Anatoli Karpow, den ich nach oben in den VIP-Bereich bringen sollte, im Fahrstuhl eingeschlossen. Wir sind immer wieder in der Küche gelandet, weil das Team dort einen Vorteilsschlüssel für den Fahrstuhl hatte. Wir hatten einen Spaß, das war toll." Claudia Steinbacher nahm 2008 in Dresden mit der dritten deutschen Mannschaft an der Schacholympiade teil: "Das war mein Top-Erlebnis. Wir lagen damals in der ersten Hälfte."

An das erste Spiel, das man 1984 in der Regionalliga bestritt, kann sich die gebürtige Rodewischerin Kerstin Arnhold, die das als damals 14-Jährige miterlebte, gut erinnern: "Es war aufregend und nervenzerreibend." Claudia Steinbacher hat nach 25 Jahren voriges Jahr aufgehört: "Schach ist einfach ein schönes Hobby, und in Rodewisch waren immer nette Leute. Wir haben uns gut verstanden." Andrea Hafenstein bestätigt das: "Auch wenn wir uns lange nicht gesehen haben, war das immer, als wenn wir erst abends auseinander gegangen sind. Ich denke auch, ohne unseren Kater würde es die Schachmiezen nicht geben."

Mit "Kater" meint sie Wolfgang Schwarzer, der all die Jahre die Fäden zusammenhielt und managte. Heute sagt er: "Die Bundesliga ist schon eine große Herausforderung. Früher hatten wir Probleme von der Spielstärke her und standen finanziell gut da. Heute ist es umgekehrt. Jetzt haben wir spielerisch kein Problem, dafür müssen wir mit den Finanzen haushalten."

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