Als der FSV Zwickau an die Tür zur 1. Bundesliga geklopft hat

Was die Rot-Weißen in der Rückrunde der 3. Liga leisten, nötigt höchsten Respekt ab. Vor 21 Jahren hatten ihre Vorgänger aber noch Größeres vor Augen.

Zwickau.

Durch den (inzwischen zugeschütteten) Tunnel sind viele namhafte Fußballmannschaften ins Westsachsenstadion gelaufen. Der FC Bayern München gehörte nicht dazu. Aber im Mai 1996 standen die Chancen nicht schlecht, dass Zwickau bald auch den deutschen Rekordmeister zum Punktspiel an der Halde begrüßen können würde. Da klopfte der FSV Zwickau nämlich an die Tür zur 1. Bundesliga.

Ältere Anhänger geraten richtig ins Schwärmen, wenn sie sich daran erinnern. Auch damals begeisterten die Rot-Weißen ihre Fans mit Einsatzfreude und mitreißendem Kombinationsfußball. Nach Heimsiegen über den VfB Leipzig (3:1), den MSV Duisburg (1:0) und Hertha BSC (3:1) lagen die Westsachsen am 11. Mai 1996 auf dem 3. Tabellenplatz. Als neues Saisonziel wurde daraufhin der Aufstieg ins Auge gefasst.

"Es war eine einmalige Chance", erinnert sich Bernd Tipold, der damalige Kapitän, gern an jene Wochen. "Aber in den entscheidenden letzten Spielen sind wir in die Knie gegangen." Vier Tage später lag der FSV vor 14.000 Zuschauern beim 1.FC Nürnberg zur Pause dank eines frühen Tores von Sven Günther (7.) zwar mit 1:0 in Führung, kassierte in der zweiten Halbzeit aber zwei Gegentore (52. Kuffour, 71. Wiesinger). Die Mannschaft sei nicht reif für die 1. Liga, meinte der enttäuschte Trainer Gerd Schädlich nach der Niederlage im Frankenstadion. In den verbleibenden vier Partien verbuchte Zwickau ein Remis (0:0 gegen Fortuna Köln) und drei Niederlagen (1:3 in Wattenscheid, 0:1 gegen Wolfsburg, 2:4 in Unterhaching).

Für Bernd Tipold sind die Ursachen für den verpassten Aufstieg auf den strengen Winter mit sehr viel Schnee und Eis zurückzuführen. "Wir konnten kaum trainieren", erzählt der 57-Jährige. Nach der Winterpause gab es etliche Absagen wegen unbespielbarer Plätze. Zwickau bestritt das erste Heimspiel des Jahres 1996 am 4. April (2:1 gegen Hannover). Es folgten mehrere englische Wochen, die enorm an den Kräften zehrten. Tipold: "Es war sehr schade, aber die Saison war ganz einfach zu lang für uns, um am Schluss noch was zum Zusetzen zu haben."

Hartnäckig halten sich Gerüchte, die Mannschaft hätte damals auf Anweisung des Vereins nicht mehr gewinnen dürfen. "Da ist gar nichts dran. Wirklich nicht", weist Peter Henschel, damals im Verwaltungsrat tätig, solche Behauptungen zurück. "Das wäre ja dumm gewesen. Wir hatten einen ordentlichen Kader beisammen und waren auch finanziell ohne Probleme."

Den Aufstieg haben 1996 der VfL Bochum, Arminia Bielefeld und der MSV Duisburg geschafft, während der Chemnitzer FC damals neben Hannover, Nürnberg und Wattenscheid absteigen musste. Zwickau landete am Saisonende hinter Unterhaching auf Rang 5. Und das nur ein Jahr, nachdem der FSV als Neuling sportlich abgestiegen war, wegen des Lizenzentzugs von Saarbrücken aber drin bleiben durfte.

Bernd Tipold, der eine Fußballschule in Hohenstein-Ernstthal betreibt und sich bei den Alten Herren in Grüna fit hält, verfolgt die Entwicklung des FSV auch heute noch mit Sympathie. Und freut sich über den Höhenflug seiner Nachfolger.

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