BSV entzaubert Spitzenreiter

Die Zwickauer Zweitliga-Handballerinnen haben am Samstag den Gästen aus Herrenberg mit dem 31:29 die erste Saisonniederlage beigebracht. Keine Nerven zeigten vor allem die jüngsten Spielerinnen der Gastgeberinnen.

Zwickau.

Lena Hausherr kann offensichtlich gut mit Drucksituationen umgehen. Mit 19 Jahren gehört sie neben der gleichaltrigen Carlotta Fege und der ein Jahr älteren Torhüterin Charley Zenner zu den Jungspunden im Team des BSV Sachsen Zwickau. Wie abgeklärt Hausherr schon ist, stellte die U-16-Europameisterin von 2017 am Samstag wieder einmal unter Beweis. Zweimal war die Nummer 3 der Zwickauerinnen im Heimspiel gegen die SG H2Ku Herrenberg in den letzten zehn Minuten von der Siebenmeterlinie gefordert, zweimal traf sie. Und dass, obwohl sie kurz zuvor erst einen Versuch vergeben hatte. "Es ist total viel Kopfarbeit. Du musst fokussiert sein und dir sagen, den haust du rein. Wenn man zudem das Vertrauen vom Trainer spürt und er einen nach einem Fehlwurf trotzdem wieder an die Linie schickt, gibt das viel Selbstvertrauen", sagte Lena Hausherr nach dem Spiel.

In der Partie gegen den bis dahin verlustpunktfreien Spitzenreiter der 2. Bundesliga aus Baden-Württemberg riefen die Zwickauer Handballerinnen ihre beste Saisonleistung ab. Von Beginn an entwickelte sich in der Sporthalle Neuplanitz ein enges und spannendes Duell auf Augenhöhe, in dem die Gäste zunächst den Vorteil auf ihrer Seite hatten. Der BSV lag in der ersten Halbzeit nur einmal in Führung. Zwar gelang es der Mannschaft von Trainer Norman Rentsch, Herrenberg nicht weit enteilen zu lassen. Zu viele technische Fehler und noch fehlender Zugriff in der Abwehr ließen Zwickau aber zumeist einem Rückstand hinterherlaufen. Für Herrenberg sprach in dieser Phase auch, dass Lea Neubrander nach dem Pausenpfiff noch einen Freiwurf direkt über die Mauer verwandelte. So lag der BSV zur Halbzeit 15:17 hinten. "Nach der bitteren Niederlage gegen Solingen hatten wir viel Wut im Bauch und wollten in der ersten Halbzeit zu schnell zu viel. Das haben wir in der Pause thematisiert. Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel verlieren", so Lena Hausherr.

Nach Wiederanpfiff gelang Herrenberg direkt das 18:15. Danach kamen die Zwickauerinnen ins Rollen. Im Tor sorgte die 20-jährige Charley Zenner mit starken Paraden für den nötigen Rückhalt und auf der anderen Seite wurden die eigenen Angriffe konsequent genutzt. Als Kreisläuferin Nadja Bolze in der 37. Spielminute zum 20:19 traf, schien der Vorteil endgültig beim BSV zu liegen. Doch Herrenberg ließ sich selbst vom kurzen 4-Tore-Rückstand (44.) nicht entmutigen. Begünstigt durch eine Strafe für BSV-Kapitänin Isa-Sophia Rösike - sie spielte nach einem harten Zweikampf und einem daraus resultierten Cut an der Stirn seit der 25. Minute mit Kopfverband - kamen die Gäste acht Minuten vor dem Ende zum Ausgleich. Die Anspannung auf den Rängen war nun deutlich zu spüren. Von der ließen sich die Zwickauerinnen kaum anstecken. Mehrere Paraden von Charley Zenner, die präzisen Siebenmeter von Lena Hausherr und zwei wichtige Treffer von Katarina Pavlovic sorgten erneut für die Führung. Die sollte bis zum Schlusspfiff Bestand haben. "Wir mussten heute alles in die Waagschale werfen, um gegen Herrenberg zu bestehen. Kompliment an die Mannschaft, wie sie das gegen einen Gegner auf Augenhöhe gemacht hat. Zudem hat Charley ihre Paraden in dem Moment gezeigt, wo wir sie brauchten", sagte BSV-Trainer Norman Rentsch. Lob bekamen die Zwickauerinnen auch von Gäste-Coach Mike Leibssle, der bei der Pressekonferenz zum verdienten Sieg gratulierte: "Heute haben Nuancen entschieden. Zwickau hat sehr gut in die Tiefe gearbeitet und die Räume genutzt."

Am nächsten Samstag ist das BSV-Team erneut in eigener Halle gefordert. "Für uns heißt es gegen Kirchhof da weiterzumachen, wo wir heute aufgehört haben", betonte Norman Rentsch.

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.