"Das Feuer ist wieder da"

Eine schwere Knieverletzung zwang Motorrad-Rennfahrerin Sarah Heide aus Zwickau zuletzt zu vielen Pausen. Jetzt will sie mit neuem Ehrgeiz und einer neuen Maschine bald wieder angreifen.

Zwickau.

Normalerweise würde Sarah Heide gerade am Feinschliff für die neue Saison arbeiten. In zweieinhalb Wochen wollte die 31-jährige Zwickauerin in Österreich erstmals in der Klasse Supersport 300 bei der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) an den Start gehen. Doch der Termin ist aufgrund der Corona-Krise ebenso abgesagt wie alle weiteren Rennen bis Ende Juli. So steht im Moment nur viel Athletik- und Krafttraining für Sarah Heide auf dem Programm. "Ich lasse es auf mich zukommen, wann wir endlich Rennen fahren können. Bis dahin tue ich alles, dass ich perfekt vorbereitet bin", sagt die 1,63 Meter große Rennfahrerin.

2020 ist für sie nicht nur aufgrund der neuen Rennklasse ein besonderes Jahr. Die Zwickauerin feiert ein Jubiläum: Seit 20 Jahren hat sich Sarah Heide dem Motorradsport verschrieben. Die Zahl macht sie stolz: "Ich habe hart dafür gekämpft, um Motorrad zu fahren und in dieser Männerdomäne zu bestehen. Ich finde es schön, dass ich auch ein Stück weit Vorbild bin für viele Mädchen. Als ich damals angefangen habe, wurde es oft noch belächelt. Heute werden Frauen deutlich mehr akzeptiert im Rennsport."

Unterstützung für ihre Leidenschaft erhielt sie stets von ihrer Familie. Mit acht Jahren bekam Sarah Heide ihre erste Moto-Cross-Maschine geschenkt und überzeugte ihre Eltern später davon, die Mini-Bike-Schule in Lichtenstein besuchen zu dürfen. Es war der letzte Baustein auf dem Weg zur ernsthaften Motorsportkarriere. "Ich habe schnell dieses innere Feuer, diesen Ehrgeiz verspürt auf dem Motorrad. Das war genau das, was ich machen wollte", erinnert sich Sarah Heide. Von ihren Eltern gab es dafür vor allem eine Vorgabe: die schulische Leistung muss passen. So tat die Zwickauerin alles, um an den Wochenenden Rennen fahren zu können.

Nach mehreren Jahren im ADAC Mini-Bike- und Junior-Cup folgte 2008 der Einstieg in die IDM. In der Klasse Supersport 600 behauptete sie sich lange Zeit im Mittelfeld: "Irgendwas in mir hat gesagt, du willst auch mal die 1000er ausprobieren. Als ich 2016 dann das erste Mal auf der neuen Suzuki saß, war ich begeistert und wollte unbedingt versuchen, bei den Rennen dabei zu sein." Von Stefan Laux, ihrem Teamchef beim Team Suzuki Laux ADAC Sachsen, und ihren Sponsoren gab es die nötige Unterstützung.

Doch nachdem sich Sarah Heide in der ersten Saison 2017 bei einem Sturz Kreuzband und Meniskus riss und 2019 erneut eine Verletzung am Knie hinzukam, traf die 31-Jährige eine Entscheidung. "Ich habe einfach gemerkt, dass es doch zu ambitioniert ist. Ich habe leider einfach nicht die Statur, so eine Maschine zu fahren. Zu dem Zeitpunkt im Herbst vergangenen Jahres war für mich der Reiz am Motorsport fast komplett weg", erzählt Sarah Heide, die bei ihrem Teamchef in der Firma als Zweirad-Mechatronikerin arbeitet.

Sowohl mit Stefan Laux als auch mit ihrem Physiotherapeuten Joachim Prucha folgten viele Gespräche und schließlich der Vorschlag, in der Supersport 300 neu anzugreifen. "Ich habe lange überlegt. Beim letzten Rennen 2019 in Hockenheim war ich als Zuschauerin dabei und habe gesehen, dass die Maschinen ja gar nicht so langsam sind. Da waren das Feuer und der Ehrgeiz wieder da", sagt Sarah Heide.

So zieht die 31-Jährige trotz des ungewissen Saisonstarts ihren Trainingsplan durch. Nach der Arbeit stehen fast jeden Abend Kraft- oder Athletikeinheiten auf dem Plan. "Ich habe durch die Zwangspause mehr Freiheiten in der Trainingsgestaltung und werde kreativer. Es ist eine schöne Herausforderung, andere Wege zu gehen, um zum gleichen Ziel zu gelangen", sagt Sarah Heide. Im Blick hat sie dabei vor allem einen Moment: "Ich will absolut startklar sein, sobald die Ampel ausgeht."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.