Derby verloren: Kein gelungener Einstand für den neuen Trainer

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Die Überraschungsmannschaft der Saison hat im heimischen Becken ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.

Zwickau.

Das dürfte es auch nicht allzu häufig geben: personalisierte Musik für Torschützen. Bei Heimspielen des Wasserball-Zweitligisten SV Zwickau 04 wird nach jedem Treffer des Gastgebers ein Titel angespielt, den sich der Spieler selbst aussuchen durfte. Zweimal erklang am Sonnabend "Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael" - jeweils für Treffer von Michael Berkner. Schade, dass nach dem Einspiel des Nina-Hagen-Hits zum 9:9-Ausgleich vier Minuten vor Schluss keine Zwickauer Tormusik mehr folgte. Das Sachsenderby der 2. Liga Ost gegen die SG Wasserball Dresden wurde mit 9:10 (2:1, 6:3, 8:6) verloren.

"Man hat deutlich gemerkt, dass zwei Führungsspieler gefehlt haben. Nach der Hälfte des Spiels ging uns die Linie verloren", ärgerte sich Jörg Wüstner, der diesmal als Betreuer fungierte und mit Klemmbrett im Plastestuhl Platz nahm, während der neue Trainer, Milan Mijokovic, sein Team vom Beckenrand aus dirigierte. Der Gastgeber musste auf seinen besten Torjäger, Pavle Vukicevic, und Pavle Japaridze verzichten - beide waren nach dem Skandalspiel bei der SG Schöneberg gesperrt.

Dennoch ging es gut los: Frank Trommler gewann das Anschwimmen und erzielte nach 23 Sekunden die Führung. Djordje Milojkovic erhöhte in Überzahl auf 2:0 (5.). Ein Konter bescherte den Gästen kurz vor Ende des Viertels den Anschlusstreffer. Zu Beginn des zweiten Abschnitts fiel der Ausgleich. Mit einem Rückhandwurf brachte Franz Czerner die 04er wieder in Führung, die Milojkovic und Max Wüstner auf 5:2 ausbauten, Frank Trommler machte das halbe Dutzend voll. Erneut fing sich Zwickau kurz vor der Pause einen Gegentreffer ein.

Nach Wiederbeginn lief bei den Hausherren nicht viel zusammen. Mit drei Toren in Folge glich Dresden aus. Frank Trommler nutzte eine Überzahlsituation zum 7:6, Michael Berkner packte noch einen drauf. Das vierte Viertel begann ähnlich fatal wie das dritte: Die Elbestädter schafften abermals den Gleichstand. Milojkovic versuchte es in Überzahl mit einem Aufsetzer, doch der Ball wurde von der Welle nach außen gedrückt. Im Gegenzug nutzte Dresden eine der vielen umstrittenen Herausstellungen gegen Zwickau, um erstmals in Führung zu gehen. 36 Sekunden später erzielte Berkner den Ausgleich. "Die taktische Marschroute war schon hart gewählt - von der Ausdauer und Kondition her", gab Jörg Wüstner zu bedenken. In den verbleibenden vier Minuten drängte der Gastgeber auf den Siegtreffer, doch es wollte partout nicht klappen. Stattdessen kassierte man elf Sekunden vor Ultimo den Knock-out, als Matias Gustavo Sanchez nach der neunten Herausstellung gegen die Hausherren völlig frei vorm Tor war und zum Dresdner Siegtreffer einnetzte.

Statistik SV 04: Schädlich; Firmbach, Oelschlägel, Czerner (1), Berkner (2), Wüstner (1), Trommler (3), Hähnel, Schneider, Trummer, Milojkovic (2), Bauer, Flechsig


Beeindruckende Serie: Fünf Jahre in Folge bester Torjäger der Wasserball-Bundesliga

Milan Mijokovic ist am 15. Oktober 1971 in der kroatischen Adriastadt Sibenik geboren worden und dort auch aufgewachsen. Seit seinem sechsten Lebensjahr hat er Wasserball gespielt. Acht Jahre davon, von 1992 biss 2000, sogar als Profi. Er spielte für Eintracht Braunschweig und Hellas Hildesheim in der Bundesliga "Ich glaube, dass ich auch noch heute einen Rekord halte: Von 1994 bis 1999 war ich fünf Jahre hintereinander der beste Torschütze in der ersten deutschen Wasserball-Liga, mit 65 Toren pro Saison."

Mit Ausbruch des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien verließ der Serbe seine Heimat, weil er nicht auf Landsleute schießen wollte, und ging 1991 zur Schwester nach Braunschweig. Seit 1997 ist er Bundesbürger. Ausgerüstet mit A-Lizenz, arbeitete er als Trainer in Hildesheim und Laazen, hat auch mal die deutsche Jugendnationalmannshaft (Jahrgang 1998/99) betreut. Seit zweieinhalb Wochen ist Milan Mijokovic in Zwickau. Er fühlt sich wohl beim SV 04: "Super Leute, super Mannschaft."

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