Emotionale Achterbahnfahrt führt Zwickauer nach Hawaii

Triathlet Stefan Bauer ist im dritten Anlauf die ersehnte Qualifikation für den legendären Ironman gelungen. Dabei hatte sich der 48-Jährige gedanklich schon damit abgefunden, dass er wohl einen vierten Versuch starten muss.

Zwickau.

So richtig freuen konnte sich Stefan Bauer über seine fantastische Zeit von 9:55:16 h beim Ironman im österreichischen Klagenfurt erst mit einem Tag Verspätung. Denn unmittelbar nach der Zielankunft mischte sich in den Stolz, zum vierten Mal einen Langdistanz-Triathlon über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen in weniger als zehn Stunden gemeistert zu haben, auch ein klein wenig Enttäuschung. "Es waren gemischte Gefühle, weil ich ein gutes Stück langsamer war als im Jahr zuvor und dachte, dass das sicher nicht zur Qualifikation für Hawaii reichen würde", erzählt er.

2018 hatten dem 48-Jährigen aus Mosel mit seiner persönlichen Bestzeit von 9:43:54 h ganze 28 Sekunden gefehlt, um sich für den legendären Ironman auf Hawaii, den spektakulärsten und bekanntesten Triathlon der Welt, zu qualifizieren. Da er nach dem ersten vergeblichen Anlauf im Jahr 2016 vor zwölf Monaten nur hauchdünn am großen Ziel gescheitert war, entschloss sich Stefan Bauer, gleich 2019 zum dritten Mal Anlauf zu nehmen. Er sagt: "Bis dahin habe ich nur alle zwei Jahre einen Langdistanz-Wettkampf bestritten. Aber viele Vereinskameraden und Freunde haben mir geraten, den Schwung mitzunehmen und es gleich noch mal zu probieren." Sie sollten Recht behalten.

Stefan Bauer blieb also im Training dran, was konkret bis zu acht, neun Einheiten in der Woche bei einem Ruhetag bedeuten. Dabei nutzt er fürs Schwimmen so oft wie möglich die Hallenzeiten seines Vereins SV Zwickau 04 in der Glück-Auf-Schwimmhalle. Wenn er sich aufs Rad schwingt, werden es nur selten unter 90 Kilometer und alle drei Wochen auch mal Touren über 160 Kilometer zum Beispiel bis zum Fichtelberg. Und beim Laufen, seiner Lieblingsdisziplin, ist vom Intervall-Training bis zu langen Einheiten um die 30 Kilometer eigentlich alles dabei. "Ich bringe das mit meinem Drei-Schicht-System meistens sehr gut unter einen Hut", sagt der Sportler, der bei VW im Karosseriebau am Band steht.

Mit guten Resultaten beim Oberelbe-Marathon im April, den er in 3:08 h meisterte, und bei zwei Mitteldistanz-Triathlons wuchs der Optimismus, dass Stefan Bauer tatsächlich das Motto der 2016 gegründeten WhatsApp-Gruppe "Stefan goes to Hawaii" in die Tat umsetzen kann. "Wir haben einen richtigen kleinen Hype draus gemacht, der mich zusätzlich gepusht hat", sagt der Ausdauer-Dreikämpfer. Von daher war es schon ein kleiner Dämpfer, dass es für den diesjährigen Ironman in Kärnten ein Neoprenverbot fürs Schwimmen gab, weil das Wasser im Wörthersee 26 Grad hatte. "Das war für mich als nicht so guten Schwimmer ein kleiner Nachteil, aber ich habe versucht, es zu verdrängen und locker anzugehen", erzählt der Mann aus Mosel.

Nachdem er mit "normalem" Schwimmanzug trotzdem fast eine Viertelstunde länger als 2018 unterwegs war, konnte er auf dem Rad seine Stärke voll ausspielen. Er war von Beginn an ständig am Überholen und erzielte in 4:56 h eine Topzeit. Nur 52 der insgesamt 2800 Teilnehmer waren auf den 180-Rad-Kilometern schneller. Im abschließenden Marathon ließ er sich auch von einem Gewitterguss, böigen Winden und einer kleinen Magenverstimmung nicht beirren und war mit der Laufzeit von 3:26 h genauso wie mit der Gesamtzeit zufrieden. "Wenn man das Handicap beim Schwimmen mit in Betracht zieht, war das eigentlich richtig gut", sagt er.

Eigentlich heißt aber natürlich auch, dass sich Stefan Bauer einen Tick mehr ausgerechnet hatte. "Da gab es schon im Ziel erst mal ein paar Tränen", erzählt Ehefrau Viola Bauer, die als größter Fan und Unterstützer bei jedem Wettkampf mit dabei ist. Von daher begleitete sie ihn auch am Tag nach dem Wettkampf zur offiziellen Vergabe der Startplätze für Hawaii. In Stefan Bauers Altersklasse wurden sechs sogenannte Slots vergeben. Als 13. schienen die Chancen daher tatsächlich gering. Allerdings gibt es die Tickets nur für den, der auch tatsächlich persönlich anwesend ist und sofort auf der Bühne das Startgeld in Höhe von 1000 Dollar zahlt. Stefan Bauer erinnert sich: "Es hat ewig gedauert. Immer wieder wurden neue Namen aufgerufen. Und plötzlich war meiner dran. Da sind wir aufgesprungen und haben nur noch gejubelt. Nachdem 2018 Pech dabei war, als direkt vor mir der letzte Startplatz wegging, hatte ich diesmal bei der Vergabe auch das nötige Glück."

Jetzt waren es Freudentränen, die auch bei seiner Frau flossen. "Das ist unser Jahr. Wir hatten Silberhochzeit, sind vor kurzem Großeltern geworden und jetzt hat es auch noch mit Hawaii geklappt", sagt Viola Bauer. Dass sich die gesamte Familie mit freut, zeigte sich jetzt bei einer Feier, als alle im Hawaii-Hemd oder mit Hawaii-Ketten erschienen. Das passt insofern auch gut zusammen, da die Triathlon-Leidenschaft von Stefan Bauer vor vielen Jahren mit einem Familientriathlon begann. "Die Distanzen eines Ironman waren für uns unvorstellbar. Daher haben wir einen internen Zehntel-Triathlon an der Koberbach-Talsperre auf die Beine gestellt", erzählt er.

Vom blutigen Anfänger zum Hawaii-Starter - Stefan Bauer weiß, dass dieser Traum nur für die wenigsten Triathleten in Erfüllung geht. Von daher will er den Wettkampf am 12. Oktober in erster Linie genießen. "Ich werde das alles aufsaugen und will lächelnd ins Ziel kommen", sagt er. Ganz ohne Ehrgeiz geht es dann aber doch nicht. "Es wäre schön, im Hellen ins Ziel zu kommen." Dafür müsste er unter 11:30 h bleiben.

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