Fans peitschen Eispiraten zum Heimsieg

So ausgelassen wie nach dem 4:3 am Freitag gegen Bad Tölz ist in Crimmitschau schon lange nicht mehr gefeiert worden. Das Publikum bewies einen guten Riecher und bekam Lob von beiden Seiten.

Crimmitschau.

Bei diesem Finale hielt es das Publikum nicht auf den Sitzen: Als Christoph Körner am Freitagabend 14 Sekunden vor der Schlusssirene den 4:3-Siegtreffer für die Eispiraten Crimmitschau gegen die Tölzer Löwen erzielte, stand das komplette Stadion im Sahnpark Kopf. Und wenige Augenblicke später war es Gewissheit: Der Eishockey-Zweitligist aus Westsachsen hatte nach drei vergeblichen Anläufen ausgerechnet gegen die bis dahin in der regulären Spielzeit noch unbesiegten Bayern den ersten Heimsieg der Saison unter Dach und Fach gebracht.

Dabei war den Eispiraten, bei denen Verteidiger Ole Oleff erstmals nach seiner Handverletzung wieder zum Einsatz kam, der Start noch misslungen. Denn nach fünf Minuten und einem Gegentreffer von Luca Tosto lag die Mannschaft 0:1 hinten. "Wir haben es am Anfang nicht gut gespielt und zu viel auf die Scheibe, statt auf den Gegner geschaut", analysierte später Eispiraten-Trainer Daniel Naud. Doch sein Team zeigte sich vom frühen Rückstand wenig geschockt.

Crimmitschau gelang mit einem Doppelschlag relativ schnell die richtige Antwort. Erst traf Julian Talbot im Powerplay nach Vorarbeit von Carl Hudson und Adrian Grygiel (8.), dann krönte Austin Fyten eine tolle Kombination über Dominic Walsh und Christoph Körner mit seinem fünften Saisontor zum 2:1 (9.). Damit hatte die Mannschaft nicht nur das Spiel gedreht. Der Funke sprang auch aufs Publikum über. Die 1829 Zuschauer spürten: Bad Tölz ist zwar als Tabellenzweiter angereist, aber schlagbar.

Was in der Folge auf den Rängen abging, beeindruckte selbst Gäste-Trainer Kevin Gaudet. "Das Publikum war unglaublich. Es war so laut im Stadion, dass ich meine eigenen Gedanken nicht hören konnte", erklärte der Kanadier, der vor seiner Zeit in Bad Tölz viele Jahre Bietigheim-Bissingen trainierte. Mit dieser Mannschaft wurde er zwar dreimal Meister der Deutschen Eishockey-Liga 2, hatte in Crimmitschau aber nur selten Grund zur Freude. Das sollte letztlich auch mit seinem neuen Verein so bleiben.

Nach dem Ausgleich der Gäste durch Marco Pfleger (13.) waren es zu Beginn des zweiten Drittels die von ihren Fans nach vorn gepeitschten Eispiraten, die den Gegner unter Druck setzen. Die erneute Führung für Crimmitschau fiel, als gleich zwei Gästespieler auf der Strafbank saßen. Nach Vorarbeit von Carl Hudson und Adrian Grygiel ließ sich Alex Wideman die Chance zum 3:2 nicht nehmen (26.). Da hatte sich für die extra aus Indiana angereisten Anhänger des US-Amerikaners der Trip nach Crimmitschau gelohnt.

Danach verpassten es die Hausherren, ihre stärkste Phase im Spiel mit weiteren Toren zu krönen. So scheiterten Christoph Körner und Vincent Schlenker am ehemaligen Eispiraten-Torwart Sinisa Martinovic. Auch im Schlussdrittel, in dem die Tölzer Löwen den Druck auf die Crimmitschauer Abwehr wieder erhöhen konnte, rauften sich die Fans bei vergebenen Torchancen von Austin Fyten und Julian Talbot die Haare. Bad Tölz dagegen nutzte ein Überzahlspiel zum Ausgleich durch Max French (49.).

Damit ging das Bibbern und Zittern auf den Rängen erst richtig los: Als Crimmitschau zweimal ein Überzahlspiel nicht nutzen konnte und selbst eine Unterzahl ohne Gegentor überstand, lief alles schon auf eine Verlängerung hinaus: Bis zum Konter über Vincent Schlenker, den Christoph Körner zum Lucky Punch nutzte. Trainer Daniel Naud sagte: "Die Jungs sind nach dem 3:3 ruhig und fokussiert geblieben und haben sich für eine gute Leistung belohnt. Ein Riesendank an die Fans. Die Unterstützung war heute auch ein Grund, dass wir am Ende als Sieger runtergegangen sind."

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