Fans protestieren gegen Montag-Spiele

Die FSV-Anhänger waren doppelt sauer. Nicht nur wegen der zeitlichen Ansetzung des Ostderbys. Noch mehr ärgerte sie, dass ein falscher Pfiff des Schiedsrichters ihr Team zwei Punkte gekostet hat.

Jena.

Die ungewöhnliche Anstoßzeit beim Ostklassiker FC Carl Zeiss Jena gegen FSV Zwickau stieß die Fans beider Vereine sauer auf. Im völlig überfüllten rot-weißen Gästeblock zeigten sie ihren Unmut mit minutenlangem Trillerpfeifenlärm, der erst nach der dritten Aufforderung des Stadionsprechers verebbte. Die Jenaer Ultras wählten eine andere Form des Protestes, boykottierten die Anfangsphase des Drittliga-Derbys völlig und gingen erst nach 15 Minuten in ihren Block.

Es war nicht zum ersten Mal, dass ein Montagspiel von massiven Protesten der Fans begleitet wurde. Natürlich bringt der zusätzliche Spieltermin den Vereinen ein bisschen mehr Geld aus der TV-Vermarktung, aber es kostet auch viele Zuschauer. "Ich fahre immer mit zwei Kumpels zu den Auswärtsspielen. Eine englische Woche aus Termingründen nehmen wir mal in Kauf, aber Montagspiele müssen nicht sein. Diesmal bin ich allein losgefahren, weil meine Freunde Mittagschicht haben", sagte Patrick Röder aus Marienthal. Verärgert über die Anstoßzeit war auch der Werdauer Philip Händel: "Ich habe einen Tag Urlaub genommen, weil ich es bis zum Antritt der Nachtschicht nicht geschafft hätte. Beim DFB steht die Kommerzialisierung des Fußballs an erster Stelle, an die Fans denkt keiner", fand der 26-jährige deutliche Worte und wetterte nur einen Atemzug später über die spielentscheidende Szene: "Da nimmt man extra Urlaub und wird dann vom Schiedsrichter bitter enttäuscht. Der Elfmeter für Jena war eine Frechheit."

Das Szenario vor dem 2:1 für Jena erhitzte die Gemüter. Phillip Tietz lief mit dem Ball am Fuß quer durch den Zwickauer Strafraum, kam im Duell mit Nico Antonitsch ohne direkten Körperkontakt ins Stolpern und trat dabei Julius Reinhardt in die Ferse. Der ging im Sturzflug zu Boden, und der Pfiff des Schiedsrichters ertönte. "Ich dachte, es gibt Freistoß für uns, weil ich gefoult wurde", sagte Reinhardt. Zur Überraschung fast aller Beteiligten zeigte Referee Florian Badstübner aber auf den Elfmeterpunkt. "Der Elfer war ein schlechter Witz. Ich begehe kein Foul, Tietz kommt von selbst ins Stolpern", ärgerte sich Antonitsch. Der angeblich gefoulte Tietz sah das anders: "Es gab einen Kontakt mit Antonitsch, und ich nehme das dankend an." In Fernsehbildern aus verschiedenen Perspektiven ist kein Zwickauer Foul zu sehen.

Für Joe Enochs war das "eine richtig bittere Niederlage. Das war nach Braunschweig der zweite unberechtigte Elfmeter gegen uns, was uns insgesamt drei Punkte kostete." Der FSV-Trainer übte aber auch Selbstkritik, dass es seine Mannschaft in der ersten Halbzeit versäumt habe, den Deckel daufzumachen. "Unterm Strich steht aber, dass wir durch eine krasse Fehlentscheidung verloren haben und die Jungs um ihren verdienten Lohn gebracht wurden", ärgerte sich Enochs, der nach seiner ersten Niederlage mit dem FSV Zwickau am Sonntag auf ein volles Stadion gegen die "Roten Teufel" aus Kaiserslautern hofft.

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