Für Brandenburg auf der Matte

Etien Yukiko Siegel aus Wildenfels möchte eines Tages Deutsche Meisterin im Karate werden. Dafür geht die 15-Jährige ungewöhnliche Wege, da es im Freistaat an Leistungssportstrukturen mangelt.

Zwickau.

Das Faible für den asiatischen Kampfsport hat Etien Yukiko Siegel quasi in die Wiege gelegt bekommen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ihr Zweitname kommt aus dem Japanischen. "Etien ist im Dezember auf die Welt gekommen. Yukiko bedeutet so viel wie Schnee-Mädchen", erzählt Vater Andreas Hermann, der viele Jahre aktiv und erfolgreich Karate betrieben hat. Ein dritter Platz bei der EM 1998 und die WM-Teilnahme zwei Jahre später in Indonesien ragen aus seiner Bilanz heraus.

Das sind Erfolge, von denen seine Tochter noch träumt. Doch nicht nur das: Die 15-Jährige tut auch viel dafür, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Drei- bis viermal in der Woche steht sie auf der Matte. Ergänzend zum Grundlagentraining in den Vereinsräumen des Kampfkunstzentrums Zwickau in der Brunnenstraße kommen regelmäßig Einheiten an den Landesstützpunkten in Stollberg und Rochlitz. "Dort kann ich aufgrund der Trainingspartner auf einem höheren Niveau trainieren", sagt die junge Sportlerin aus Wildenfels, die am Sandberg-Gymnasium in Wilkau-Haßlau die neunte Klasse besucht.

Ihr Anspruch, irgendwann die erste Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft zu gewinnen und auf internationaler Ebene aufs Podest zu klettern, hat vor wenigen Tagen zu einer ungewöhnlichen Presse-Info ihres Vereins geführt. Denn dass die dreifache Sachsenmeisterin Ende November in den Landeskader von Brandenburg aufgenommen wurde, sorgte doch für einige Fragezeichen.

Andreas Hermann, der in Zwickau nicht nur seine Tochter trainiert, kann den kuriosen "Fall" aufklären. "Es gibt im Sächsischen Karatebund zwar Landesstützpunkte, aber es mangelt an einer tragfähigen Landeskaderstruktur. Und als Leistungssportlerin kannst du es dir nicht leisten, jetzt drei, vier Jahre zu warten", sagt er. Da Etien Yukiko Siegel kürzlich die offene Brandenburger Meisterschaft gewonnen hatte und auch bei anderen größeren Turnieren von sich reden machte, kam es so im Herbst zu einer Einladung der Brandenburger Landestrainer.

Die waren nach mehrstündigen Trainingseinheiten von der Kämpferin aus Zwickau angetan. "Etien ist technisch versiert, aufmerksam und kann die Vorgaben der Trainer gut umsetzen. Das sind wesentliche Voraussetzungen, um auf internationaler Ebene erfolgreich zu sein", sagt der verantwortliche Trainer Bodo Pippel . Die Aufnahme in den Brandenburger Landeskader war damit beschlossene Sache.

Für Etien Yukiko Siegel bedeutet das neben anspruchsvollem Training auch finanzielle und organisatorische Unterstützung, zum Beispiel was Wettkampfplanung, Startgebühren oder Fahrgelder betrifft. Die 15-Jährige zieht aus der Berufung auch eine ganze Menge weiterer Motivation. "Es bedeutet mir sehr viel und ist hoffentlich der nächste Schritt, um sportlich weiter voranzukommen", sagt sie. Deshalb wird auch an den Feiertagen trainiert. Denn im Januar will die Karateka bei den Dresden Open und den Hamburg Open die in sie gesetzten Erwartungen bestätigen.

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