Futsal: VfL-Traum von der Königsklasse geht weiter

Nächste Station Riga: Der VfL Hohenstein-Ernstthal entscheidet das Vorrundenturnier der Futsal-Champions-League vor heimischem Publikum für sich. In Lettlands Hauptstadt warten nun Europas Spitzenclubs auf die Hallenkicker.

Hohenstein-Ernstthal.

Rund sechseinhalb Jahre ist es her, dass der VfL 05 Hohenstein-Ernstthal zu seinem ersten Futsal-Spiel angetreten war. Am Sonntagnachmittag lagen sich Spieler und Verantwortliche des Vereins in den Armen und jubelten über den Sieg im Vorrundenturnier der Uefa-Champions-League der Hallenfußball-Variante. Damit sind sie für die zweite Runde des Wettbewerbs in Riga qualifiziert. Dort dürfte es gegen Profiteams aus osteuropäischen Staaten sehr schwer werden. Selbst wenn im Vergleich zum nervösen 3:3 gegen Doukas SAC aus Griechenland im Spiel am Sonntag vor 600 Zuschauern eine deutliche Steigerung gelingt, sind die Karl-May-Städter in der lettischen Hauptstadt klarer Außenseiter.

Der Sprung in die nächste Runde wäre wahrscheinlich auch zu viel des Guten, denn auch so ist die Entwicklung der Hohensteiner rasant. "Ich bin ja generell eher dafür, etwas langsam aufzubauen", sagt Teammanager und Vereinschef Heiko Fröhlich. Ohne den 58-Jährigen und seine Leidenschaft für den schnellen und auf Fairness getrimmten Kick in der Halle gäbe es die Sportart beim VfL vermutlich nicht.

Im Jahr 2003 hatte der Unternehmer, der früher selbst Fußball-Schiedsrichter und Nachwuchstrainer beim FSV Zwickau war, die Regie beim VfL übernommen. Aus der Bezirksklasse führte er die Fußballer bis 2008 in die Landesliga, und im Frühjahr gelang mit Trainer Russi Petkov nun sogar der Sprung in die Oberliga. Zwischenzeitliche Überlegungen, mehr Verantwortung in andere Hände zu geben, rückten durch den Futsal in den Hintergrund.

"Es war natürlich auch für mich eine ganze neue Herausforderung", sagt Fröhlich. Waren es zunächst Kreis- und Landesverbände, mit denen er zusammengearbeitet hatte, sind es nun der Deutsche Fußballbund oder die Uefa. Die Professionalität wuchs auch im Verein mit. "Es war eine hervorragende organisierte Veranstaltung", sagte Benjamin Sahel, Manager der deutschen Futsal-Auswahl, der das gesamte Turnier in Hohenstein-Ernstthal begleitete. Sportlich und vor allem organisatorisch gäbe es nicht viele Mannschaften, die in Deutschland mit dem VfL mithalten können. Deshalb dauert es auch noch bis zur Saison 2020/21, bis es eine Futsal-Bundesliga gibt.

In der will auch Heiko Fröhlich mit dem VfL dabei sein. "Das Turnier hat wieder gezeigt, dass viele Leute im Umfeld und vor allem auch die Stadt richtig mitziehen. Das motiviert mich natürlich auch", sagt der Macher. Er steckte nicht nur viel Geld, sondern auch immens viel Zeit sowie sportliches und wirtschaftliches Knowhow in den Verein. Für den Vorrundenerfolg in der Champions League gibt es von der Uefa rund 10.000 Euro, von denen aber die Reisekosten für das Zweitrundenturnier Anfang Oktober in Lettland zu bezahlen sind. Bis dahin gibt es noch einige Arbeit für Fröhlich, aber vor allem auch für die international besetzte Mannschaft um Kapitän und Nationalspieler Christopher Wittig, der im Nachwuchs beim CFC gekickt hat.

Sein Trainer Petr Schatalin spielte einst in Russland als Futsaltorhüter und hat auch schon ein Buch über die Sportart und ihre Taktik geschrieben. Eine gute Taktik wird in Riga genauso gefragt sein wie am Sonntag gegen Doukas SAC aus Athen. Denn nach einem 4:2 im ersten Spiel am Donnerstag gegen KF Tirana aus Albanien und dem lockeren 12:0-Kantersieg am Freitag gegen Belfast war die abschließende Partie ein echter Prüfstein.

Doppeltorschütze Gabriel Oliveira aus Spanien und Marko Hudacek aus der Slowakei retteten aber das 3:3, das zum Turniererfolg reichte. "Auf solche Entwicklungshelfer werden wir noch mehrere Jahre angewiesen sein", sagte Fröhlich über die internationalen Kicker, die aber vom Profistatus der Futsalspieler in Russland, Spanien oder Portugal, wo es die Sportart schon seit Jahrzehnten gibt, nur träumen können.

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