Kontinuität als größter Erfolg

Vor 30 Jahren wurde der BSV Sachsen Zwickau gegründet. Zum Jubiläum scheint der Verein gut gerüstet für die Zukunft.

Zwickau.

Wenn die Zweitliga-Handballerinnen des BSV Sachsen Zwickau am Samstag beim Vorbereitungsturnier der SG Kirchhof auf das Parkett gehen, dürfte ihnen eine Besonderheit kaum bewusst sein. Genau vor 30 Jahren, am 8. August 1990, wurde der BSV als eigenständiger Verein aus der BSG Sachsenring Zwickau ausgegliedert. Bei der Gründungsversammlung mit dabei war damals auch Isabella Glaser, die sich noch heute in der Geschäftsstelle des Vereins um viele Angelegenheiten kümmert und durchaus als Urgestein des BSV bezeichnet werden kann.

Unterhält man sich mit ihr über die drei Jahrzehnte des Vereins und seine größten Erfolge, so greift Glaser nicht unbedingt einen sportlichen Höhepunkt heraus. "Die besondere Leistung des BSV ist eigentlich, dass wir über 30 Jahre in der 2. Bundesliga spielen. Gerade nach dem Abstieg 1995 aus der 1. Bundesliga haben wir lange gebraucht, uns wieder zu festigen. Die Kontinuität ist unser größter Erfolg", sagt die 73-Jährige, die schon in den 1960er-Jahren als Spielerin nach Zwickau kam und später sowohl bei den Frauen als auch im Nachwuchs als Trainerin an der Seitenlinie stand. Heute ist der BSV sozusagen der Dino der Liga. Spontan fällt Isabella Glaser kein Verein ein, der ähnlich lang dabei ist.

Zum sportlichen Erfolg beigetragen hat nach ihrer Ansicht besonders die Stabilität abseits der Platte. "Für mich ist beim Blick zurück ausschlaggebend, dass unsere Führungsstrukturen über die Jahre sehr stabil waren. Mal abgesehen vom Trainerposten", erzählt sie mit einem Schmunzeln. Während Norman Rentsch der mittlerweile 16. BSV-Coach ist, gab es im Vorstand in all der Zeit nur wenig Veränderungen. Von 1997 bis 2018 bekleidete Winfried Hermann mit einer kurzen Unterbrechung das Präsidentenamt. Schatzmeister Detlev Kaiser ist seit 1996 im Verein aktiv, auch Beiratschef Volker Schneider engagiert sich seit mehr als 20 Jahren beim BSV. Dass in der jüngeren Vergangenheit ganz langsam ein personeller Umbruch stattfindet, ist für Isabella Glaser vollkommen in Ordnung: "Das ging 2018 los, als Christian Pleißner sein Amt als Jugendwart an René Müller übergeben hat. Das hat alles sehr, sehr gut geklappt und auch der Übergang im Präsidentenamt von Winfried Hermann zu Sylvia Wössner ist gelungen. Mit solchen Veränderungen kommen immer neue Ideen und Projekte in einen Verein."

Andere Strukturmaßnahmen machen den Zwickauerinnen künftig wahrscheinlich deutlich mehr zu schaffen. Die Handball-Bundesliga-Vereinigung-Frauen will den Sport weiter professionalisieren. Dazu zählen unter anderem gestiegene Anforderungen an die Spielstätten. Mit der in die Jahre gekommen Halle in Neuplanitz könnte der BSV mittelfristig Schwierigkeiten bekommen. Das von der Stadt geplante neue Ballsportzentrum wird aber frühestens Ende 2024 fertig. "Das mögliche Problem zu lösen, wird für uns neben den sportlichen Belangen die größte Herausforderung in den nächsten Jahren", betont Glaser, die den Verein ansonsten im Frauen- sowie Nachwuchsbereich gut aufgestellt sieht.

Von den rund 200 Mitgliedern sind mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche. Den talentiertesten Handballerinnen aus dem eigenen Nachwuchs bietet der BSV mit dem wieder aufgelegten Perspektivkader eine Möglichkeit, sich für die Bundesligamannschaft zu empfehlen. "Es ist für uns nicht nur sportlich wichtig, dass wir Spielerinnen aus den eigenen Reihen nach oben ziehen. Norman Rentsch ist ein Trainer, der prädestiniert dafür ist, Talente zu entwickeln. Er war schon 2011 ein guter Griff, als er das erste Mal zu uns kam. Ich finde, er passt nach Zwickau und hoffe, dass er noch lange bleibt", äußert Isabella Glaser einen großen Wunsch für die Zukunft des BSV.

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