Ohne Druck bis in die Bundesliga

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Fußballerin Annalena Breitenbach aus Glauchau hat trotz überschaubaren Talents viel erreicht. Ihr emotionalstes Erlebnis hatte mit Sport nichts zu tun - es war die Rettung eines Menschenlebens.

Glauchau.

Ehrlichkeit gehört ohne Zweifel zu ihren Stärken. "Ich hatte nie das Gefühl, ein Überflieger zu sein. Ich glaube, es gibt einfach bessere Spielerinnen, die den Sprung nach ganz oben schaffen können", sagt Annalena Breitenbach. Dennoch hat es die 22-jährige Fußballerin aus Glauchau weit gebracht. Ihr sportlicher Weg führte sie bis in die Frauen-Bundesliga und ab der Altersklasse U 15 auch in den Kader deutscher Nachwuchsnationalteams.

Dabei sah es anfangs nicht nach einer Fußballerinnen-Laufbahn aus. "Im Alter von drei bis zehn Jahren habe ich geturnt", erzählt Annalena Breitenbach. Doch dann meldete sie sich mit Schwester Johanna beim SV Lok Glauchau/Niederlungwitz an, um zu kicken. "Ein Grund war die WM 2006 in Deutschland. Hinzu kam, dass unser Papa mit uns im Garten oft Fußball gespielt hat", berichtet sie.

Auch wenn das große Talent fehlte: Annalena Breitenbachs Weg als Fußballerin führte stetig nach oben. Über die Stationen Lok Leipzig und FFV Leipzig kam sie im Sommer 2014 zum USV Jena. Ihr erster großer Tag sollte nicht lange auf sich warten lassen: Im Mai 2015 feierte die Westsächsin ihr Debüt in der Frauen-Bundesliga. Gegen Turbine Potsdam (1:3) durfte die damals erst 17-Jährige gleich 90 Minuten durchspielen. Ein unvergessliches Erlebnis. "Vorher hatte ich mir nicht so viele Gedanken gemacht. Doch bei der Erwärmung wurde mir bewusst, wie viele Zuschauer im Stadion sind. Während des Spiels habe ich meine Mitspielerinnen nicht verstanden, weil es so laut gewesen ist. Das war eine neue Erfahrung für mich", sagt die Glauchauerin, die sich als ehrgeizig bezeichnet. "Aber unter Druck gesetzt habe ich mich nicht. Ich hatte nie daran gedacht, eines Tages bei einer Weltmeisterschaft mitspielen zu müssen", ergänzt Annalena Breitenbach.

Trotzdem wäre es fast dazu gekommen. Die Abwehrspielerin war 2018 für die U-20-WM in Frankreich nominiert. In Vorbereitung auf die Titelkämpfe bestritt sie ihr erstes Länderspiel gegen Haiti, das jedoch zu Ende war, bevor es richtig begonnen hatte. "In der 13. Minute habe ich mir das Kreuzband gerissen", so Breitenbach. Das Thema WM hatte sich erledigt, die Karriere in Nationalmannschaften auch. "Es wäre aber eine Ausrede, alles auf diesen Kreuzbandriss zu schieben", fügt die 22-Jährige hinzu.

Auch wenn es sportlich nicht wie gewünscht lief, hatte die Glauchauerin 2018 ihr emotionalstes Erlebnis - außerhalb des Fußballplatzes. Es war Anfang Mai, als sie bei einem Bundesligaspiel des USV Jena fehlte, obwohl sie nicht verletzt war. Der Grund: Annalena Breitenbach war von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei als potenzielle Stammzellspenderin identifiziert worden. "Wir hatten uns damals mit den Männern von Carl Zeiss Jena typisieren lassen. Ich war schon überrascht, als dann ein Anruf kam und mir mitgeteilt wurde, dass ich ein Leben retten kann", berichtet die junge Frau. Es musste schnell gehen. So ließ sie das Bundesligaspiel ihres USV sausen und spendete Stammzellen. Was folgte, war Gänsehaut pur: Eine Frau überstand durch die Spende ihre schwere Krankheit und konnte ins Leben zurückkehren. "Es handelte sich um jemanden aus dem Ausland. Über Details darf ich nicht sprechen. Die Frau hat sich anonym mit einem Brief bei mir bedankt", erzählt Annalena Breitenbach.

Im Juli 2018 wurde sie von Bundesligist SGS Essen verpflichtet. Verletzungsbedingt kam sie in zwei Jahren jedoch nur zu vier Einsätzen und kehrte im vorigen Sommer nach Jena zurück, wo sich die Frauen des USV inzwischen dem FC Carl Zeiss angeschlossen hatten. "Es war wie nach Hause zu alten Freunden zu kommen. Ich bin jetzt auch wieder näher an der Familie und kann öfter meine Eltern in Niederlungwitz besuchen", sagt Annalena Breitenbach. Mit Carl Zeiss spielt sie in der 2. Liga Nord. Normalerweise. "Corona hat uns leider ausgebremst. Die erste Liga darf spielen, die zweite nicht. Wir wissen nicht, wie es weitergeht, trainieren noch nicht einmal", berichtet die Lehramtsstudentin. So kann sie sich derzeit voll auf ihre berufliche Ausbildung konzentrieren. "Ich möchte Lehrerin für Sport und Mathematik werden", so Breitenbach.

Kontakt zu ihrem Heimatverein SV Lok Glauchau/Niederlungwitz hat die Fußballerin, die inzwischen von der Abwehr ins Mittelfeld gerückt ist, immer noch. Kein Wunder: "Meine neun Jahre jüngere Schwester Annike spielt dort", berichtet die Wahl-Thüringerin.

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