Olympisches Gold ragt heraus

Das vorzeitige Saisonende hat den Eishockey-Nachwuchs des ETC Crimmitschau unterschiedlich hart getroffen. Für ganz besondere Momente sorgten im Winter vor allem die Mädchen des Vereins.

Crimmitschau.

Bei der Frage nach dem Höhepunkt der vergangenen Saison muss Torsten Heine nicht lange überlegen. "Die Youth Olympic Games waren für uns das absolute Highlight. Und dass Leonie eine Goldmedaille holte, war überragend", sagt der sportliche Leiter des ETC Crimmitschau. Mit gleich drei Mädchen war der Verein aus Westsachsen im Januar beim Eishockeyturnier der Olympischen Jugendspiele in der Schweiz vertreten. So viele Spielerinnen stellte kein anderer deutscher Club. Das Trio aus Leonie Böttcher, Chanel Hofverberg und Leni Schmidt sowie Vereinskameradin Anastasia Gruß hätte sogar gute Chancen gehabt, mit der U-16-Nationalmannschaft beim Europacup im April dabei zu sein. Durch die Coronakrise fällt dieser ebenso aus wie das Saisonfinale in den deutschen Nachwuchsligen.

Für die Crimmitschauer ist das besonders in der U 20 ärgerlich. Die gemischte Mannschaft des ETC und des ESV Chemnitz spielte in der Deutschen Nachwuchsliga (DNL) Division III bisher richtig gut. In der Nordstaffel wurde das Team mit elf Punkten Vorsprung souverän Erster. Die entscheidenden Play-off-Partien um den angestrebten Aufstieg in die Division II sollten im März folgen. "Das ist unser großes Saisonziel gewesen. Damit würde auch der Sprung aus dem Nachwuchs- in den Männerbereich wieder ein wenig kleiner. Wie jetzt mit der Situation umgegangen wird, weiß ich nicht", so Torsten Heine.

Teilweise zu Ende gebracht wurde die Saison immerhin in der U 17. In der Division II bestritt das Team aus Crimmitschau und Chemnitz am 8. März seine letzte Partie. Der Klassenerhalt in der zweithöchsten Liga stand bereits fest. Um diesen zitterte der ETC noch in Division I. In der Qualifikationsrunde hätte der Tabellenvorletzte noch ein Spiel bestreiten müssen. Schlusslicht Wolfsburg, das zwei Punkte Rückstand hatte, hätte noch zwei Partien zu absolvieren gehabt. "Wenn wir Letzter geworden wären, hätte das Abstiegsspiele gegen die Division II bedeutet", erklärt Torsten Heine. In den unteren Altersklassen lief der Spielbetrieb zwar teilweise ebenfalls noch, Entscheidungen zu Auf- oder Abstiegen standen für den ETC hier aber nicht mehr an.

Dass im Moment auch der Trainingsbetrieb ruhen muss, stellt die Eishockeyspieler bis jetzt im Vergleich zu vielen anderen Sportlern vor geringere Probleme. "Wir hätten den April mit Blick auf die nächste Saison genutzt, um schon in den neu zusammengestellten Mannschaften zu trainieren. Stattdessen wurde einfach die Erholungsphase nach vorn gezogen. Wir müssen nun schauen, wann wir in die Vorbereitung einsteigen können", sagt Torsten Heine.

Für die hauptamtlichen Mitarbeiter ist der Verein im Moment gezwungen, Kurzarbeit anzumelden. "Wir haben gar keine andere Möglichkeit, da uns unsere Arbeitsgrundlage entzogen wurde", betont Matthias Gerth, 1. Vorsitzender des ETC. Er hofft, dass die Sponsoren und Unterstützer des Standorts wirtschaftlich und gesundheitlich gut durch die Krise kommen, um dem Verein auch in Zukunft zur Seite zu stehen: "Die Situation ist für alle im Moment nicht einfach. Das Wichtigste ist, dass alle gesund bleiben und keine großen wirtschaftlichen Rückschläge entstehen."

Mit Blick auf die Finanzen gab es für die Crimmitschauer vor wenigen Tagen gute Nachrichten vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB). Wie im Vorjahr wurden die Westsachsen auch für die Saison 2019/20 im Sterneprogramm des Dachverbandes mit vier von fünf möglichen Sternen ausgezeichnet. Nur fünf andere Vereine aus der DEL 2 wurden ähnlich gut oder besser bewertet. Der ETC ließ Standorte wie Frankfurt oder Kassel sogar hinter sich. Verbunden mit der Einstufung ist die Ausschüttung von Zuschüssen, die an die erreichte Sternezahl gekoppelt ist. "Die Kriterien werden jedes Jahr ein wenig verschärft. Wir sind stolz darauf, die vier Sterne verteidigt zu haben", sagt Geschäftsstellenleiter Thomas Helbig.

Für die Bewertung der Vereine legt der DEB einen umfangreichen Anforderungskatalog zu Grunde. Nur wer in den beiden ersten Kategorien, die den Nachwuchs bis zur U 11 sowie die U 13 und U 15 beinhaltet, einen Stern bekommt, kann weitere sammeln. Neben den Bedingungen für die U 17 sowie die U 20 schaut sich der Verband zudem Infrastruktur und Umfeld der Vereine an. Mit der aktuellen Situation in Crimmitschau seien nicht mehr als die vier Sterne drin, so Thomas Helbig: "Im U-20-Bereich müssten wir zum Beispiel sechs Stunden zusätzliches Eistraining anbieten, um eine bessere Bewertung zu bekommen. Das geht im Moment nicht."

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