Segelflug-Oldtimer am Himmel zu bestaunen

Die "Lilienthal-Jünger" sind bei den Zwickauer Flugplatzfesten aktive Mitstreiter und bei der Flugschau immer vertreten. Das wird auch beim "19." wieder so sein.

Zwickau.

Die Besucher können am Wochenende beim 19. Flugplatzfest hautnah die Faszination des lautlosen Gleitens erleben. Von den über 20 Programmpunkten der internationalen Flugschau, die am Sonnabend und Sonntag um 14 Uhr beginnt, gehören drei dem Segelflug.

Ein historisches Bild bietet sich den Zuschauern, wenn eine Po-2, ein uriger russischer Doppeldecker, ein Segelflugzeug "Baby 2 B" im Schlepp hat und sozusagen zwei Oldies unter sich sind. Ein solches Motorflugzeug war viele Jahre als polnischer Lizenzbau CSS-13 auf dem hiesigen Flugplatz stationiert. Es trägt übrigens wegen des typischen Motorgeräusches den Spitznamen "Nähmaschine". Ältere Semester von Segelflugpiloten werden beim Anblick dieses historischen Schleppverbandes bestimmt Gänsehaut-Gefühl bekommen. Das betrifft auch den Textautor, dem ein "Baby 2 B" ein Schlüsselerlebnis mit Nachhaltigkeit bescherte: Als elfjähriger Steppke saß er in Zwickau erstmalig in solch einem Segelflugzeug. Von Stund' an kam dieser Junge von der Fliegerei nicht mehr los.

In der Zwickauer Segelflughistorie gibt es unzählige Anekdoten. Joachim Lenk wird immer wieder einmal gefragt, ob er sich noch an den Tag 1989 erinnert, als er sich zum internationalen Leistungsabzeichen "Gold C", dem sogenannten Höhendiamanten, im polnischen Riesengebirge drei Tage vor Weihnachten erflog. Und ob! "Es herrschten eiskalte 22 Grad minus, die Kabinenhaube überzog sich mit Eiskristallen. Beim Aussteigen war ich ein lebendiger Eiszapfen", erzählt Lenk lachend. Sein erkämpfter Diamant war für ihn sicherlich das schönste Weihnachtsgeschenk. Der Vereins-Chef wird auch zur 19. Auflage wieder sein Kunstflugprogramm mit dem Doppelsitzer ASK 21 vorführen und - ein Klassiker jeder Zwickauer Flugschau - den polnischen Jantar in einem schnellen Überflug mit Ablassen des Wasserballastes präsentieren. Der sieht zwar moderner als das "Baby 2 B" aus, ist aber mit Baujahr 1972 schon ein Oldtimer.

Eine besonders schöne Geschichte gibt es um Segelflieger-Urgestein Horst Naumann, der 2008 viel zu früh verstorben ist. Vergessen haben den sympathischen Reichenbacher seine Sportfreunde nie. Er war auch als Technischer Prüfer von Segelflugzeugen mit Argusaugen weit über Zwickau hinaus bekannt. Bei Fragen zur Flugsicherheit kannte er keine Kompromisse. Das wusste man in den Vereinen. Zur Leistungsflieger-Elite zählend, hatte Horst Naumann einen stillen Plan, den er am 29. Juli 1999 konsequent ausführte: Mit einem Jantar flog er nach Nordhorn an der niedersächsisch-holländischen Grenze. Der 61-Jährige spulte die 440 Kilometer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 110 km/h ab. Dass er sich danach nicht nur auf den Sportseiten verschiedener Zeitungen wiederfand - "Freie Presse" berichtete ausführlich - hatte einen guten Grund: Nordhorn und Reichenbach, sein Wohnort, sind Partnerstädte.

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