Stillstand auf den Sportplätzen

Ausgesetzte Punktspiele, gesperrte Sportanlagen und viele offene Fragen: Wie gehen die Fußballer der Landesklasse mit der Ausnahmesituation um?

Glauchau/Zwickau.

Torjäger Toby Ammon und seine Teamkameraden vom VfB Empor Glauchau bleiben angesichts der Corona-Pandemie so gut es geht am Ball. Allerdings meist nur im übertragenen Sinn. "Wir sollen individuell zwei bis dreimal in der Woche was machen. Dazu gehören Antritte oder Ausdauerläufe", erklärt der Torjäger des Tabellenzweiten der Fußball-Landesklasse.

Ungewohnt ist für den 20-Jährigen wie für alle anderen die Situation an den Spieltagen. Doch daraus wird das Beste gemacht. "Ich denke die meisten nutzen die Zeit mit der Familie, da viele ja auch schon Kinder haben", sagt Toby Ammon. An eine Wiederaufnahme der auf Landesebene bis 19. April unterbrochenen Saison denkt der Glauchauer Angreifer aktuell nicht: "Wie die anderen dazu stehen, weiß ich nicht. Aber ich persönlich würde es richtig finden, die Saison abzubrechen und gehe aktuell auch davon aus. Fair wäre es zwar für viele Mannschaften nicht und für uns würde der Aufstieg dadurch nicht in Frage kommen, aber das betrifft ja nicht nur uns. Deswegen ist es für alle gleich."

Ganz ähnlich sieht die Situation beim ESV Lok Zwickau aus. "Die Spieler sollen sich zu Hause fit halten", erklärt Sven Döhler, der Trainer des Tabellenelften. "Wir sprechen uns telefonisch und in Gruppenchats untereinander ab, aber es war natürlich alles sehr kurzfristig", erklärt Döhler. Auch er nutzt die freie Zeit an den Wochenenden für die Familie und hat nicht nur den Fußball im Blick. "Wir sollten uns im Moment alle bestmöglich an die Regeln halten", sagt Sven Döhler. Trotzdem hat auch er sich Gedanken über den weiteren Verlauf gemacht. " Ich hoffe und wünsche mir, dass die Situation besser wird und wir weiterspielen können, aber ich glaube nicht daran", erklärt der Lok-Trainer. Daher geht er aktuell eher davon aus, dass die Saison abgebrochen und annulliert wird.

Auch bei Fortschritt Lichtenstein steht der Trainer regelmäßig mit seinen Jungs in Kontakt. Mirko Ullmann: "Ich werde bei jedem einzeln nachfragen, ob er gesund ist und wie es aussieht. Danach gibt es einen Plan für die nächsten zwei Wochen für individuelles Training. Falls die Saison wieder losgehen sollte, wollen wir nicht bei Null anfangen." Auch für ihn ist die freie Zeit an den Sonntagen natürlich ungewohnt. "Sonst gibt es Spielvorbereitung und -beobachtung. Wir lieben Fußball und wollen so schnell wie möglich auf den Platz zurück und mit den Jungs Spaß haben. Auch wenn die Zeit mit der Familie ihren Reiz hat, vermisst man das schon", sagt Ullmann. Allerdings hat auch er keine große Hoffnung auf eine Weiterführung der Saison. "Wenn es positiv läuft, können wir mit Beginn der neuen Saison wieder anfangen."

Der Meeraner SV ist von der aktuellen Lage ebenfalls betroffen. Beim Verein trainieren wöchentlich insgesamt 14 Mannschaften, darunter die Landesklasse-Elf. "Unsere Jungs trainieren momentan zu Hause. Da haben sie von unserem Trainer Julius Michel einen Plan mitbekommen", sagt MSV-Präsident Nikolas Sonntag. Als Problem sieht er die ausbleibenden Eintrittsgelder. "Ich denke, bis zum Sommer können wir das auch dank unserer Sponsoren abfangen. Wenn es jedoch einen noch längeren Ausfall geben sollte, weiß ich auch nicht weiter", so Sonntag. Zum weiteren Vorgehen hat er einen klaren Standpunkt: "Ich bin der Meinung, die Saison zu annullieren und eine neue Saison mit den Ständen vom letzten Sommer zu spielen."

Die Fußballer des Oberlungwitzer SV haben die spiel- und trainingsfreie Zeit auch für eine Videoproduktion genutzt. Am Freitag wurde im Internet ein Zusammenschnitt verschiedener Einzelvideos veröffentlicht, in dem die Spieler zu Wort kommen und dazu aufrufen, die sozialen Kontakte zu minimieren, um so die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Die Idee für das Projekt hatte Kai Wüstner, der die Botschaften seiner Mitspieler auch zusammenstellte. Obwohl völlig unklar ist, wie es mit der Saison weitergeht, halten sich die Spieler fit. So übermittelt Kapitän Andreas Rottluff seinen Mitspielern regelmäßig Trainingseinheiten, die sie absolvieren sollen. Rottluff kennt sich als Physiotherapeut und Trainer bestens in der Materie aus.


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