Streit um Zieleinfahrt von jungen Radsportlern aus Zwickau

Eine besondere Geste, die Teamgeist verkörpern sollte, hatten sich junge Zwickauer Radsportler einfallen lassen. Beim Wettfahrausschuss kam das aber gar nicht gut an.

Reinsdorf.

Das Bild mutete fast an wie beim Finale der Tour de France 2016, als Chris Froome Seite an Seite mit seinen Teamkollegen zum dritten Gesamtsieg ins Ziel rollte. Reinsdorf ist aber nicht Paris. Und was den Profis vom Team Sky anerkennende Worte einbrachte, wollte man den jungen Fahrern des ESV Lok Zwickau bei den sächsischen Landesmeisterschaften im Einer-Straßenfahren nicht durchgehen lassen.

Dem Rennen der Jugend U 17 männlich über 13 Runden (58,5 km) drückten die von Altmeister Wolfgang Lötzsch betreuten Lok-Talente ihren Stempel auf. Bereits nach der ersten Runde setzte sich Nicolas Heinrich ab. Mit Tom Linder, der sich kurz darauf auch vom mehr als 30 Mann starken Feld verabschiedete und zu seinem Teamkameraden aufschloss, fuhren beide einen klaren Vorsprung heraus. Noch vor der letzten Runde gesellten sich auch Pierre Pascal Keup und Laurin Drescher zu ihren Teamkollegen. Alle waren nun gespannt, wer den Titel nach Zwickau holt. Die Jungs hatten sich jedoch etwas anderes einfallen lassen: Sie kamen in einer Linie untergehakt gemeinsam ins Ziel. Damit wollten sie ihren Teamgeist zum Ausdruck bringen und zeigen, dass jeder den Sieg verdient hätte.

Dem Wettfahrausschuss gefiel dies aber überhaupt nicht. Zunächst drohte den Lok-Fahrern gar die Disqualifikation - und zwar wegen Nichtwahrnehmung ihrer Siegchance. Ein solches Argument hat bei der Abschlussetappe der Tour de France noch keiner vorgebracht. Nach langen Diskussionen entschieden sich die Kommissäre dann doch, das Foto des Zieleinlaufs zu Rate zu ziehen, um ein Ergebnis zu ermitteln. Zum Sieger wurde schließlich Nicolas Heinrich gekrönt, Vizemeister wurde Pierre Keup und Dritter Laurin Drescher. Eine schöne Geste der drei Medaillengewinner war es, als sie bei der Siegerehrung auch Tom Lindner mit aufs Podium holten. Ihr Teamkollege Lennart Lein landete auf dem 12. Platz.

Bei den Schülern U 15 galt Oliver Spitzer aus Wilkau-Haßlau nach seinen bisherigen Erfolgen als Favorit. Auf dem 4,5 Kilometer langen Rundkurs, der achtmal zu bewältigen war, bildete sich schnell eine zehnköpfige Spitzengruppe, die bis zum Schluss zusammen blieb. Auf der Zielgeraden ließ dann Oliver Spitzer gar nicht erst etwas anbrennen und holte sich souverän den Titel vor Maximilian Weser (Riesa) und Paul Schaar (Hainichen). Seine Teamkameraden Laurin Reichert und Richard Reinhold belegten die Plätze 5 und 7. "Bei meiner derzeitigen Form war ich mir ziemlich sicher, dass ich für die Schlussoffensive gute Beine hatte", erklärte der neue Landesmeister danach selbstbewusst.

In der weiblichen Jugend U 17 schrammte Emely Zschenderlein (Lok) als Vierte nur knapp am Podium vorbei. Das Hauptrennen der Eliteklasse der Männer über 22 Runden (99 km) gewann Erik Mohs (RSC Nordsachsen) vor Sebastian Vogel (Remse) und Stefan Gaebel (Leipzig). Der Landesmeister äußerte sich lobend über den für alle fairen Streckenverlauf und die ausgezeichnete Organisation der Meisterschaft. Der Veranstalter freute sich, dass nicht nur die Offiziellen des Sächsischen Radfahrer-Bundes, sondern auch viele Aktive, Trainer, Betreuer und Zuschauer Anerkennung für die aufwändige Vorbereitung zollten.

Am Tag zuvor hatte das Wolfgang-Lötzsch-Nachwuchsteam des ESV Lok Zwickau bei den Landesmeisterschaften im Einzelzeitfahren in Sülzetal die Titel in der U 15 (Oliver Spitzer) und U 17 (Tom Linder) erkämpft. Ihr Vereinskamerad Nicolas Heinrich holte Silber, Laurin Reichert Bronze. Pierre Pascal Keup als Vierter und Laurin Drescher auf Rang 6 komplettierten das prima Abschneiden. (rkü/mit tc)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    1212178
    09.05.2017

    Kontraproduktive Entscheidung, was den Teamgeist angeht.



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