Tennisanlage feiert 90-Jähriges

An der Saarstraße haben schon Generationen von Spielern Bälle übers Netz geschlagen. Seinen Anfang nahm das Ganze 1928.

Zwickau.

Wie viele Tennismatches mögen wohl auf der Anlage gespielt worden sein und wie viele Spieler nutzten die Plätze, um diese attraktive Sportart auszuüben? Diese Fragen kann man sich schon einmal stellen, wenn es um eine der ältesten Tennisanlagen im Bezirk geht. Es ist die Tennisanlage an der Saarstraße, wo der 1. TC Zwickau trainiert und seine Wettkämpfe ausrichtet.

Vor mehr als 90 Jahren entschloss sich Richard Dorn, ein Tennislehrer aus Dresden, eine Tennisanlage an der Saarstraße in Zwickau zu bauen. Mit der Fertigstellung der Plätze und der Gründung des Tennisvereins "Schwarz-Weiß" weihte man die Anlage 1928 feierlich ein. Obwohl Tennis nach 1924 nicht mehr im olympischen Programm stand (erst 1988 wurde wieder bei Olympia gespielt), rückte die Sportart in dieser Zeit immer mehr in den öffentlichen Fokus. In einem Artikel der Zwickauer Zeitung aus dem Jahre 1927 mit dem Titel "Die Entwicklung des Sports in Zwickau" sieht man einen Übergang des Tennis vom Gesellschaftsspiel zum Sport und würdigt die hohen sportlichen Werte des Spiels.

Aus den Anfangsjahren ist nicht viel zu berichten, denn die Informationen sind gering, und es fehlen auch Zeitzeugen. Im Januar 1934 schlossen sich die Vereine "Blau-Weiß" und "Blau-Gold" dem Tennisclub "Schwarz-Weiß" an. Als einzige Zwickauer Tennisanlage überstand sie unbeschadet die Kriegswirren. Bereits im Sommer 1945 konnte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte oft die Trägerschaft und die Bezeichnung des Tennisvereins. Neben Grubenlampe Zwickau (1947), Wismut Crossen (1954), BSG Motor (1956) und BSG Sachsenring (1968) nennt sich der Verein seit 1990 1. Tennis-Club Zwickau.

Anfang der 50er Jahre wurde der Auslauf der Plätze erweitert, und auch das Klubhaus wurde gebaut. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Verein zu einer Tennishochburg in der DDR. Vor allem die erste Männermannschaft mit Konrad Henneberg, Gerhard Püffeld, Harry Kreibich, Karl Bachmann, Fritz Kramel, Johannes Pfeifer und Willy Ebenschwanger, die von 1951 bis 1955 in der höchsten Spielklasse der DDR (Oberliga) ihre Punktspiele bestritt, widerspiegelte die Leistungsstärke des Zwickauer Teams. Bei den Frauen gab es mit Änne Lindner eine außergewöhnliche Spielerin, die Ende 1950 und Anfang der 60er Jahre das Niveau im Frauentennis in der Republik (4. Stelle der DDR-Rangliste) mitbestimmte. Im Doppel und im Mixed erkämpfte sie mit unterschiedlichen Partnern insgesamt elf DDR-Meistertitel und 36 Titel auf Bezirksebene. Auch die Nachwuchsspieler trugen mit ausgezeichneten Leistungen zu den großen Erfolgen des Vereins bei. 1961 wurde die männliche Jugend mit Bernd Kühn, Horst Meltzer, Hans-Jürgen Bauer, Wolfgang Wurlitzer, Peter Biber, Jürgen Donath und Wolfgang Winkler DDR-Mannschaftsmeister, und ein Jahr später errang Bernd Kühn bei den DDR-Jugendmeisterschaften in Dresden einen hervorragenden 2. Platz. Christel Karthe, geb. Kühn, eiferte ihrem großen Bruder erfolgreich nach und erkämpfte 1966 bei den DDR-Meisterschaften der Pioniere in Ahlbeck den 3. Platz im Einzel, 1967 stand sie mit Christine Domschke im Doppel sogar ganz oben auf dem Podest.

Bei den DDR-Meisterschaften der Senioren 1971 trumpfte Harry Kreibich auf; er siegte im Einzel der Altersklasse II und im Doppel mit Konrad Henneberg. Einen großen Anteil an dem einen oder anderen Erfolg hatte Hans Kühn (1911-1998), der viele Jahrzehnte im Verein als Trainer und Platzmeister arbeitete. Als 17-Jähriger beteiligte er sich aktiv am Bau der Anlage an der Saarstraße, und nach einer erfolgreichen Ausbildung als Tennislehrer und Platzmeister (1932) arbeitete Hans täglich auf dem Platz. Viele erlernten bei ihm das Tennisspielen.

Nach der Wende 1989 gab es im Tennissport einen enormen Nachholbedarf. Beim Spielen unter einem Hallendach nahm der 1. TCZ eine Vorreiterrolle ein. Von 1992 bis 1998 stand auf den vorderen drei Plätzen im Winter die erste Tennistraglufthalle in Sachsen.

Noch heute ist der 1. TC Zwickau eine gute Adresse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die das Tennisspielen erlernen wollen oder diesen Sport wettkampfmäßig betreiben möchten. Der Verein mit seinen zirka 150 Mitgliedern zählt zu den leistungsstärksten im Bezirk. In jüngster Vergangenheit wurden die erste Männermannschaft (2004 und 2005), die Damen 50 (2014, 2015) und die Herren 60 (2015) Sachsenmeister. Neben der Oberligamannschaft der Damen (Aktive), sie spielt seit 2008 ununterbrochen in der höchsten sächsischen Liga, nahmen in dieser Saison auch vier Kinder- und Jugendmannschaften erfolgreich am Punktspielgeschehen teil. Die Kinder U 10 (gemischt) wurden ungeschlagen Bezirksmeister. Der mit Abstand erfolgreichste Spieler des Vereins ist zurzeit der 10-jährige Nasim Star. Er gehört in seiner Altersklasse zu den besten sächsischen Nachwuchsspielern. Er gewann den Landesmeistertitel, siegte in diesem Jahr beim Masters der Steffi-Graf-Turnierserie und erkämpfte beim größten deutschen Nachwuchsturnier im Kreis Lippe den 3. Platz.


Festprogramm zum Jubiläum

Der 1. TC Zwickau nimmt das 90-jährige Bestehen zum Anlass, um am 1. und 2. September auf der Tennisanlage ein festliches Programm zu veranstalten. Am Sonnabend findet ein Doppelturnier für Aktive und für Freizeitspieler statt. Am Sonntag zeigen Kinder in einer Trainingsdemonstration ihr Können auf dem Tennisplatz. Zuschauende Kinder können gern selbst bei einem Schnuppertraining von 11.30 bis 13.30 Uhr zum Schläger greifen und ein paar Bälle schlagen.

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