Von der Supermarktkasse in die großen Handball-Arenen

Marc Esche hat seinen ersten Profivertrag beim SC DHfK Leipzig unterschrieben. Schon bei seinen Jugendvereinen in Glauchau und Limbach galt er als Riesentalent - doch er brauchte das Pech anderer Spieler, um selbst im Rampenlicht zu stehen.

Glauchau.

"Sammeln Sie Punkte?" Noch stellt Marc Esche diese Frage an Kunden eines Supermarktes in Leipzig. Doch schon bald will der ehemalige Nachwuchsspieler des HCGlauchau/Meerane selbst derjenige sein, der auf Punktejagd geht - und zwar auf dem Handballparkett. Denn der 20-Jährige hat bei Bundesligist SC DHfK Leipzig seinen ersten Profivertrag unterschrieben und wird deshalb ab dem Sommer nicht mehr auf seinen Job an der Kasse angewiesen sein.

Marc Esche wurde in Chemnitz geboren. Er wuchs in Callenberg auf und spielte im Jugendbereich zunächst in Glauchau, später in Limbach-Oberfrohna Handball. Beim BSV in Limbach erinnert man sich noch sehr gut an den Linksaußen, der in der achten Klasse auf das Sportgymnasium in Leipzig und in die Jugendakademie des SC DHfK wechselte. "Wir haben es mit Marc in der Schulmannschaft des Schweitzer-Gymnasiums mal ins Bundesfinale von ,Jugend trainiert für Olympia' geschafft. Schon dort waren alle Sportschulen heiß auf ihn", sagt Dirk Planken, einer der Jugendtrainer von Marc Esche. "Er war von klein auf ein sehr talentierter Spieler, der zudem bis heute komplett auf dem Boden geblieben und ein sympathischer Kerl ist. Wir sind sehr stolz, dass er jetzt einen Profivertrag unterschrieben hat."

Dass Marc Esche ab der kommenden Spielzeit fest zum Bundesligateam der Leipziger gehört, hat er auch dem Pech einiger Mitspieler zu verdanken. So verletzte sich Raul Santos, vor der Saison als "Königstransfer" vom THW Kiel gekommen, schwer am Knie und fällt noch länger aus. Als auch der zweite etatmäßige Linksaußen Lukas Binder vom eigenen Verein aus disziplinarischen Gründen für die Partie der Leipziger Mitte März in Kiel gesperrt wurde, schlug die große Stunde für Esche. Er lief in der Sparkassen-Arena in der Stammformation des SC DHfK auf und machte seine Sache richtig gut. Bei der 22:27-Niederlage gegen den Rekordmeister erzielte der Sachse vier Treffer, überwand dabei auch den deutschen Nationaltorhüter Andreas Wolff. "Da ging mir vorher schon ganz schön die Pumpe", blickt Marc Esche zurück. "Wenn du vor mehr als 10.000 Fans in der Kieler Arena aufläufst, ist das schon eine andere Hausnummer als in der 3. Liga, wo ich bis dahin in der U 23 des SC DHfK gespielt habe. Das war eine krasse Atmosphäre."

Seine Aufregung konnte der Rechtshänder aber schnell ablegen, er nutzte die Chance perfekt. Esche wurde von Cheftrainer André Haber weiterhin in den Kader der ersten Mannschaft berufen und traf nach dem Spiel in Kiel in fast jeder Bundesligapartie. Insgesamt erzielte er in dieser Saison bereits 24 Tore und hatte so Anteil am vorzeitigen Klassenerhalt der Messestädter. Zuletzt war er am 23. Mai beim 26:25-Sieg der Leipziger gegen Erlangen erfolgreich. "Marc hat seine Aufgabe in den letzten Wochen sehr gut erfüllt", sagte Haber im Rahmen der Vertragsunterzeichnung mit seinem jungen Linksaußen. "Ich habe mit ihm schon in der Jugend zusammengearbeitet und bereits da seine Qualitäten kennengelernt."

Für Esche geht mit dem ersten Profivertrag ein großer Traum in Erfüllung. Gültig ist das neue Arbeitspapier erst ab dem 1. Juli, bis dahin muss er sein Geld auch noch außerhalb der Sporthalle verdienen. "Ich arbeite einige Stunden in der Woche als Kassierer in einem Supermarkt", sagt der 20-Jährige. "Dort hat mich mein Arbeitgeber schon in den letzten Wochen immer sehr gut unterstützt, denn ich war ja plötzlich sehr oft mit der Bundesligamannschaft unterwegs." In der kommenden Saison, für die der Vertrag zunächst gilt, müssen nun aber erst einmal andere Kassierer fragen, ob die Kunden Punkte sammeln.

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