Nachwuchs bringt neue Power

Die Eiskunstlaufformation "Skating Graces" aus Chemnitz startet mit zwei neuen Programmen in die Saison. Die Voraussetzungen sind anders als zuletzt, doch das große Ziel bleibt gleich.

Chemnitz.

Diese Situation erlebte Jana Wagner noch nie. Doch sie ist komfortabel und bringt Veränderungen ins Team. "Wir hatten nur zwei Abgänge und sind mit 22 Läuferinnen gestartet. Eine völlig neue Basis, aber auch Herausforderung für uns alle", meint die Trainerin der Chemnitzer Eiskunstlaufformation "Skating Graces". Denn in den zurückliegenden Jahren war der Kampf oft groß, überhaupt die geforderten 16 Läuferinnen aufzustellen. Einerseits gab es vor allem wegen der Ausbildung eine größere Fluktuation, andererseits kamen altersbedingt zu wenig Nachrücker und zudem krankheitsbedingte Ausfälle hinzu. Für so manchen Wettkampf erklärten sich dann auch Ehemalige bereit, nochmals einzuspringen.

Meist konnte auf nationaler Ebene der zweite Platz hinter den übermächtigen Berlinern, die sich seit nunmehr 23 Jahren ununterbrochen den Meistertitel sicherten, trotzdem gesichert werden. Doch es gelang nicht wie erhofft, den Punktabstand entscheidend zu verringern, geschweige denn einmal besser zu sein. Das schaffte aber zweimal (2016; 2018) in beeindruckender Manier das Nachwuchsteam. Und aus diesem Aufgebot sind nunmehr gleich sechs junge Mädchen, die das entsprechende Alter besitzen, zu den Damen hochgerückt. "Sie haben zwar läuferisch und hinsichtlich der Elemente noch Nachholbedarf, was aber ganz normal ist. Doch sie bringen Frische und neue Power ins Team. Es gibt jetzt einen gesunden Konkurrenzkampf, wir sind auch viel flexibler aufgestellt. Und bei der Entscheidung, wer dann letztlich läuft, spielt das Alter keine Rolle", berichtet Jana Wagner, die bereits seit 2001 als Coach in ihrem geliebten Metier arbeitet, bis 2008 selbst aktiv war. Ebenso eigene Erfahrungen als Läuferin und viel Kompetenz besitzt Co-Trainern Maxi Bellmann, seit Jahren an ihrer Seite.

Als ein weiterer Vorteil dieser Konstellation erwies sich, dass zu einem früheren Zeitpunkt als bisher die beiden Darbietungen aufgebaut werden. Das neue Kurzprogramm entstand sogar schon vor den Sommerferien, die Kür dann während des gemeinsamen Lehrganges Anfang August im tschechischen Klasterec, das Tradition besitzt. So blieb seither vergleichsweise viel mehr Zeit für Details, kreative Verbesserungen, das Pauken an den schwierigen Hebungen oder für die Laufschule, bei der sie in bewährter Form Eistanztrainer Hendrik Hilbert unterstützt. Der obligatorische Sichtungswettkampf vor Spezialisten und Preisrichtern im vergangenen Monat brachte dann auch Erkenntnisse auf einem schon höheren Level. "Dass wir endlich wieder näher an Berlin herankommen, hoffen wir natürlich. Denn unser Ziel, einmal ganz oben zu stehen, bleibt immer", sagt Jana Wagner. Trotzdem, die Resultate sind für sie nicht das Nonplusultra. Ihr Engagement für ihre sportliche Leidenschaft, die, wie die verschiedensten Unwägbarkeiten in der Vergangenheit zeigten, erschüttert dabei nichts. "Wenn man spürt, dass man die Zuschauer mit unseren Geschichten auf dem Eis in ihren Bann ziehen, sie begeistern und emotional berühren kann, dann ist das für mich ergreifend und einfach wunderschön", schwärmt die 38-Jährige, die in Dresden wohnt und dort als Physiotherapeutin arbeitet. Obwohl der Aufwand für sie enorm ist, könnte sie sich ihr Leben ohne das Eislaufen nicht vorstellen.

Ähnlich "positiv verrückt" bewältigen auch ihre Schützlinge das Pensum, zu dem allein jedes Wochenende zwei Trainingseinheiten von mehreren Stunden gehören. "Einen besseren Ausgleich finde ich nicht. Es macht Spaß, als Team zu funktionieren. Der Zusammenhalt ist toll, das ganze Drumherum. Und es gibt erstaunlicherweise keinen Zickenkrieg", erzählt Lisa Fischer, mit 24 Jahren die älteste Athletin in der Truppe. Sie begann bereits 2001 bei den Minis, startete mit den Juniorinnen 2008 sogar bei der WM. "So ästhetisch ist keine andere Sportart", wertet die Heilpädagogin. Sie übt zudem extra einen Nebenjob aus, um den eigenen finanziellen Anteil, der pro Saison im vierstelligen Bereich liegt, zu stemmen. Hannah Oberhoffner indes gehört zu den Neulingen. Sie wechselte jedoch nicht aus dem eigenen Nachwuchs, sondern kommt aus Ilmenau. "In Erfurt war ich in einem kleinen Team, aber ich wollte mehr. Ich habe im April ein Sichtungslaufen absolviert und durfte bleiben", berichtet die 16-Jährige. Auf Anhieb gefiel es ihr so sehr, dass die Schülerin seither jedes Wochenende in Chemnitz verbringt, Quartier erhält sie bei einer Mitstreiterin.

"Skating Graces" Chemnitz

Aufgebot: Anna Liebers (22 Jahre), Antonia Kunert (20), Clara Leschner (18); Elisabeth Ehrhardt (16); Emily Hoffmann (16); Heidi Arnold (17); Jolina Fischer (17); Johanna-Josefine Kaja (18); Julia Straß (18); Lisa Fischer (24), Lisa Tran (23), Mariya Dyadyushko (17), Marie Baumann (18); Michaela Kuhl (19), Ena Lucia Ziller (18); Jasmin Neunübel (15), Emily Brittner (16); Maja Röder (16); Patrice Lehnert (16); Antonia Stiebenz (17), Gina Jäschke (15), Hanna Oberhoffner (16).

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