Sprintquartett liegt auf Kurs

Die Asse des Erdgasteams weilten zu einer besonderen Trainingseinheit auf dem Oval im Chemnitzer Sportforum. Vierfach-Weltmeister Maximilian Levy berichtete dabei über eine für ihn ungewöhnliche Herausforderung.

Chemnitz.

Die rund 170 Kilometer lange Strecke von seiner Heimatstadt Cottbus nach Chemnitz hatte er mit dem Rad bewältigt. "Das passte in mein aktuelles Training. Es ging ja viel berghoch, die Anstiege waren schon teilweise brutal. Aber nach sechs Stunden hatte ich es geschafft", berichtete Maximilian Levy, der sich von den Strapazen bei hochsommerlichen Temperaturen schnellrelativ schnell erholt hatte. Denn wenig später schwang er sich wie Kristina Vogel, Pauline Grabosch und Nik Schröter vom Erdgasteam, die im Gegensatz zu ihrem Routinier mit dem Auto angereist waren, auf das Bahnrad, um eine ungewöhnliche Übungseinheit zu absolvieren. Sicher forderte diese von den vier Assen körperlich nicht Höchstleistungen ab, doch darum ging es auch nicht.

Denn das Quartett gestaltete gemeinsam mit zwölf Youngstern des RSV eine Trainingseinheit. Es war die erste Aktion im Rahmen einer Kooperation zur Förderung des Radnachwuchses zwischen dem Verein und dem Team, das zudem vier Bahnräder übergab. "Eine schöne Sache, und man braucht ja nur die leuchtenden Kinderaugen zu sehen", meinte Maximilian Levy. Er hatte zuvor die Kids eingewiesen, sie lautstark angefeuert, war Spurts gefahren. Gemeinsam mit den Gefährten verteilte er Basecaps, erfüllte Autogramm- sowie Fotowünsche und beantwortete Fragen. "Übrigens bin ich mein allererstes Sprintrennen 2002 auf dieser Bahn gegen Sascha Hübner gefahren", fügte der der mehrfache Welt- und Europameister schmunzelnd hinzu. Der damaliger Kontrahent war lange Zeit sein sportlicher Mitstreiter. Inzwischen kümmert sich der Sohn des siebenfachen Weltmeisters Michael Hübner, der als Sportlicher Leiter des Erdgasteams fungiert, mit um organisatorische Dinge.

Für Maximilian Levy, der in der vergangenen Saison mit EM-Gold und WM-Bronze im Keirin nach vier Jahren Pause - vor allem Verletzungen warfen ihn zurück - ein sensationelles Comeback in der Einzeldisziplin gefeiert hatte, ist ein Laufbahnende noch kein Thema. Er will sich da nicht festlegen, plant Stück für Stück, legt sein Prioritäten individuell fest. So startet der 30-Jährige zwar bei den beiden nächsten internationalen Sprintercups Ende des Monats in Cottbus. Doch auf die EM Anfang August in Glasgow verzichtet er, visiert aber die Weltcups im Herbst an.

Auch wagt der Ausnahmesprinter ein neues Experiment. Bei den Deutschen Meisterschaften Mitte Juli in Dudenhofen möchte er die 4000-m-Mannschaftsverfolgung im LKT-Team Brandenburg als Anfahrer bestreiten. Er soll zu Beginn für eine hohe Geschwindigkeit sorgen. Die Idee dazu hatte Trainer Senno Salzwedel, der jahrelang im Ausland - unter anderem in Großbritannien - erfolgreich tätig war. Erste Tests verliefen vielversprechend. "Es ist wieder einmal etwas anderes für mich. Drei bis vier Runden werde ich mitfahren", erklärte Max Levy, der damit nicht zum ersten Mal im Ausdauerbereich für Schlagzeilen sorgen würde.

Bei Olympia in Rio 2016 stand er am Start des Straßenrennens. Da das deutsche Kontingent an Plätzen auf der Bahn ausgeschöpft war, erhielt er sein Ticket über den Straßenbereich. Das Reglement ließ das zu. Zum Glück wiederum für den Teamsprint, da der Chemnitzer Max Niederlag vor Ort erkrankte und passen musste. Den Einsatz auf den Straße hatte er übrigens nach 33 Kilometern beendet.

Ähnliche Ambitionen hegt Kristina Vogel nicht. Die zweifache Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin bleibt ihren Kurzzeit-Disziplinen treu. Beim Saisonstart über Pfingsten zeigte die Erfurterin den Kontrahentinnen auf Anhieb deutlich, dass ihre Hunger auf weitere Erfolge noch längst nicht gestillt ist. Sie gewann bei der Drei-Bahnen-Tournee alle Entscheidungen, die für sie auf dem Programm standen: zweimal Sprint, einmal Keirin. "Es passt alles, ich liege gut im Plan", erzählte die 27-Jährige mit Blick auf die EM, den ersten Höhepunkt der neuen Saison. Nach der WM Anfang März im niederländischen Apeldoorn, bei der sie ihre Titel zehn (Teamsprint) und elf (Sprint) erkämpfte, legte sie eine kurze Pause ein. Diese Zeit nutzte sie auch, um gemeinsam mit Lebenspartner Michael Seidenbecher das eigene Haus weiter einzurichten. Dann folgte ein Praktikum bei der Bundespolizei, ehe seit Anfang Mai wieder das intensive Training ihren Alltag bestimmt.

Hinter Teamsprintpartnerin Pauline Grabosch, die ihr erstes WM-Gold bei den Damen holte, liegen indes sehr intensive Belastungswochen. Die 20-Jährige meisterte neben den sportlichen Anforderungen auch die Abiturprüfungen mit Bravour: Abschlussnote von 1,1. "Es ist für mich extrem krass, dass ich in der vergangenen Saison neben dem Abi diese Erfolge schaffte. Das hat meine Erwartungen übertroffen", meinte die gebürtige Magdeburgerin, die zudem Bronze bei der WM im Sprint sowie Silber bei der EM im Zeitfahren gewann. Sich nur auf den Sport zu konzen- trieren, möchte sie auch in Zukunft nicht: "Ich brauche den Ausgleich, will Psychologie studieren."

Nik Schröter, der gestern 20 Jahre alt wurde, gehört seit Januar zum Team und trägt die Hoffnung, künftig die Erfolgstraditionen fortzusetzen. Er bereitet sich derzeit auf die U-23-EM vor, ließ zuletzt bei Tests mit starken Zeiten aufhorchen.

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