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Tempokontrollen in Auerbach: Stadt beauftragt Dienstleister

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Die Zeiten, in denen in der Stadt Temposünder damit rechnen konnten, mangels Kontrolle straffrei auszugehen, sollen bald enden: Nach einer Testphase wird ein neuer Partner gesucht, der für die Stadt auf Raserjagd geht.

Auerbach. Völlig unkontrolliert ging es in Auerbach in den zurückliegenden Monaten nicht zu: Hin und wieder waren die kreiseigenen Blitzer-Caddys an wichtigen Straßen im Stadtgebiet positioniert; gelegentlich zückte auch die Verkehrspolizei ihre Laserpistolen. Doch eigene Tempokontrollen der Stadt an neuralgischen Punkten und in den Ortsteilen - Fehlanzeige. Nach der vorzeitigen Auflösung des Vertrages mit einem im Frühjahr 2020 beauftragten Dienstleisters war Schluss mit der "mobilen Überwachung des fließenden Verkehrs" durchs städtische Ordnungsamt, wie Tempokontrollen im Verwaltungsjargon heißen.

Doch das soll sich bald ändern: Der Stadtrat hat jüngst mehrheitlich beschlossen, die Tempokontrollen in Eigenregie der Stadt wieder aufzunehmen - allerdings nicht durch Bedienstete des Ordnungsamtes, sondern durch einen privaten Dienstleister. Dazu wurde die Verwaltung beauftragt, eine beschränkte Ausschreibung durchzuführen.

Ordnungsamtsleiterin Anja Löffler-Seifert hatte zuvor von verschiedenen Tests mit Dienstleistern und spezieller Technik berichtet. Die große Nachfrage nach moderner Blitzer-Technik, die hohen Investitions- und Folgekosten und der Personalaufwand sprächen nach Überzeugung der Verwaltung dafür, mit den Tempokontrollen einen privaten Dienstleister zu beauftragen. Die Tests und Erprobungen von Blitzertechnik verschiedener Anbieter war im Sommer gestartet worden. Ordnungsamtschefin Löffler-Seifert hatte zur Begründung für das bevorstehende Ende der sanktionsfreien Zeit auf Beschwerden von Bürgern verwiesen, die sich über Geschwindigkeitsübertretungen in ihrem Wohnumfeld beklagt hatten: Die Kaiserstraße, das Neubaugebiet, die Ortsdurchfahrten von Rebesgrün und Reumtengrün seien Schwerpunkte, bei denen sich die Stadt bislang mit mobilen Tempo-Anzeigen behelfe. Doch diese blinkenden Smileys haben nur erziehereichen Wert, Geschwindigkeitsüberschreitungen ahnden kann die Stadt damit nicht.

Auch wenn sich die Mehrheit im Stadtrat dafür aussprach, die Stadt möge zu Tempokontrollen in Eigenregie zurückkehren - wie schon beim ersten Anlauf vor knapp drei Jahren gab es auch dieses Mal kritische Stimmen: Tilman Matheja (parteilos) und Martin Treeck (FDP) wiederholten ihren Vorwurf des "modernen Raubrittertums". Tempokontrollen seien lediglich dazu da, um Einnahmen zu generieren, so ihre Auffassung. Im Übrigen reiche es aus, wenn Polizei und Kreis auf wichtigen Straßen kontrollierten, so Treeck. Und: "Sanktion führt in den seltensten Fällen zu Prävention" gab der Stadtrat eine Erfahrung wider, die er als Rechtsanwalt gesammelt habe. Tilman Matheja rief die Stadtverwaltung dazu auf, zur Temporeduzierung besser auf Maßnahmen wie den Einbau von Pollern oder Schwellen zu setzen und den Einsatz der Smiley-Anzeigen zu intensivieren.

Welche Einnahmen Auerbach durch den Einsatz der mobilen Verkehrsüberwachung erzielen kann, macht ein Blick auf die Zahlen deutlich: 2020 - bislang das einzige Jahr, in dem Auerbach durchgängig mit einen privaten Dienstleister auf diesem Sektor zusammenarbeitete - wurden in 1800 Verfahren rund 77.300 Euro eingenommen. 2021 wurde noch von April bis September geblitzt. Die Bilanz: 51.900 Euro Einnahmen aus 1004 Verfahren.

Für dieses Jahr liegen belastbare Zahlen nur für einen mehrtägigen Test im September vor: Binnen neun Tagen liefen laut Ordnungsamt 544 Verfahren auf. Zahlen, die darauf hindeuten, dass sich Kraftfahrer daran gewöhnt hatten, in Auerbach nur selten geblitzt zu werden.

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