Wie ein Vogtland-Start-up in die Erfolgsspur surfte

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Zwei Gründer sorgen mit der Firma Innosaxess für freies Internet in vielen Städten Sachsens - etwa im Leipziger Zoo. Warum auch Bad Elster für das Duo von großer Bedeutung ist.

Adorf.

Eigentlich waren die Vorgaben unerreichbar. Dieses Gefühl hatte Matthias Stock, als er einer großen Runde von Vertretern der Stadt Leipzig gegenübersaß. Die Messestädter suchten ein Unternehmen, das ihnen hilft, öffentliche Areale mit freiem Internet neu aufzustellen. Die Leipziger Vorstellungen schienen für Matthias Stock und Thomas Schulz jedoch alles andere als machbar. Nicht zu schaffen für eine Zwei-Mann-Firma wie Innosaxess in der gewünschten Zeit. Matthias Stock schenkte den Leipzigern reinen Wein ein - und wähnte sich im Wettstreit mit großen Beratungsunternehmen schon im Aus. Doch dann die Überraschung: Der "David" aus dem Vogtland erhielt den Auftrag in der Messestadt - und damit eine Riesenchance. Eine Referenz dort öffnet weitere Türen, dessen waren sich die beiden klar.

Zwei Jahre ist das jetzt her, und Innosaxess hat geliefert. 15 intensive Beratungsrunden absolvierten die Vogtländer in Leipzig. Und offenbar haben sie gute Arbeit gemacht. Denn mit dem Leipziger Tourismus- Marketing klopfte im Anschluss eine Gesellschaft bei den Adorfern an, um sie für ein weiteres Projekt zu gewinnen, wie Stock berichtet. Mit Stadthafen, Schreberbad, Mendelssohn-Ufer und Grassi-Museum sind klangvolle Namen unter den Schauplätzen, die Innosaxess jetzt mit W-Lan ausrüsten darf. Einen prominenten Ort haben sie ebenfalls erfolgreich auf der Habenseite: den Leipziger Zoo. Das neue Gäste-W-Lan dort läuft seit Juni. "Über diesen Auftrag haben wir uns sehr gefreut. Das macht uns schon sehr stolz", sagt Matthias Stock.

Mit den kleinen Perlen auf der Referenzliste hat sich das Unternehmen zum Fünfjährigen gewissermaßen selbst beschenkt. Wenn Matthias Stock auf diese Zeit zurückblickt, dann steht ihm die Freude ins Gesicht geschrieben. "Es hat sich super entwickelt. Ich bin sehr zufrieden, wie es gelaufen ist."

Dabei war es für den heute 44-Jährigen ein Sprung ins kalte Wasser, als er sich vor fünf Jahren selbstständig machte. Nach zwölf Jahren als Ingenieur für Informationstechnik bei der Bundeswehr und sieben Jahren bei einer Firma in Oberfranken, bei der er sich um innovative Projekte im Glasfaserausbau kümmerte, wollte Matthias Stock gern im Vogtland wieder richtig sesshaft werden. Als Vater von drei Kindern gründete er 2017 sein eigenes Unternehmen, ein Jahr später holte er mit Thomas Schulz einen ehemaligen Kollegen als Partner in eine gemeinsame GmbH.

Sehr schnell wurden öffentliche W-Lan-Projekte Arbeitsschwerpunkt. Als Geburtshelfer erwiesen sich dabei die Stadtwerke Oelsnitz um ihren damaligen Geschäftsführer Matthias Fritzsch. Denn das Oelsnitzer Freibad Elstergarten und die Talsperre Pirk gehörten zu seinen ersten Aufträgen. Mittlerweile ist Innosaxess in 40 Kommunen vorrangig in Sachsen aktiv und betreut die selbst errichteten Netze. Das mit Abstand größte Netz setzte Innosaxess zunächst in Bad Elster um. In der Kurstadt rüstete das Unternehmen bei Touristen beliebte Plätze mit W-Lan aus. 2018 war es das größte kommunale Flächenprojekt im Freistaat Sachsen. Matthias Stock sieht in dem Auftrag in Bad Elster daher einen Meilenstein. Konnte man doch in der europaweiten Ausschreibung gegen 14 potente Wettbewerber die Leistungsfähigkeit nachweisen.

Innosaxesss ist und bleibt vorerst ein Zwei-Mann-Betrieb. Großprojekte stemmt das Unternehmen mit Partnerbetrieben oder arbeitet Aufträge über einen längeren Zeitraum ab. Da es bei öffentlichen Aufträgen manchmal nur in kleinen Schritten vorangehe und es generell einen hohen Abstimmungsbedarf gibt, habe sich der vermeintliche Nachteil auch schon als Vorteil erwiesen, erzählt Matthias Stock. Neben öffentlichen W-Lan-Angeboten kristallisierte sich ein weiterer Schwerpunkt heraus: die Netzausrüstung von Schulen. "Die Kommunen, in denen wir tätig sind, kamen da mitunter auf uns zu und fragten an, ob wir nicht auch in ihren Schulen tätig sein können."

Wo steuert Innosaxess hin? Die Smart City ist für Kommunen ein großes Thema, bei dem sich das Unternehmen über Kooperationen und Netzwerke wie dem Verein Südwestsachsen Digital in einem wertvollen Verbund befindet. Digitale und "smarte" Anwendungen, die auf Basis einer funktionierenden Netzinfrastruktur möglich sind, steckten noch in den Kinderschuhen, sagt Matthias Stock. Erfahrungen damit sammelt das Unternehmen auch im Vogtland. Denn über das Netz in Bad Elster schicken die Chursachsen beispielsweise Veranstaltungshinweise und regionale Informationen aufs Smartphone der Nutzer. In Leipzig, wo bislang viele Fremdfirmen zu den Netzbetreibern gehörten, spitzten die Verantwortlichen bei diesem Thema ebenfalls die Ohren.

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