Brief von Plauener Zeitzeugen des Jahres 1989

Ein gemeinsamer Brief von Akteuren aus Plauen, die sich 1989 gegen das DDR-Unrechtsregime stellten.

"Warum es falsch ist, wenn die AfD sich mit der Bürgerbewegung von 1989 vergleicht

Voller Erstaunen, oder eher Entsetzen, hören und lesen wir immer wieder, dass sich die Mitglieder der AfD mit der Bürgerbewegung in der DDR von 1989 vergleichen. Eigentlich verwundert das nicht, da es einige Mitglieder dieser Partei mit der Geschichte bzw. mit Fakten ohnehin nicht so genau nehmen.

Wir, das sind einige der Akteure, die vor dem 7. Oktober 1989 gegen den Unrechtsstaat DDR aktiv waren, indem sie u.a. die Wahlfälschung im Mai 1989 in Plauen aufdeckten und Gründungsmitglieder des Neuen Forums in Plauen waren. Unsere vorrangigen Ziele damals waren die Meinungsfreiheit und freie Wahlen. Hinzu kommen noch Demonstrationsrechte und Pressefreiheit. All das genießen wir in der heutigen Zeit.

Doch was widerspricht der Aussage, dass die AfD die Wende vollenden will?

Wir haben eine Meinungsfreiheit in Deutschland! Jeder darf sagen, was er denkt, sofern es dem Grundgesetz nicht widerspricht. Es darf heute öffentlich gerufen werden "Merkel muss weg" ohne dass den Personen, die das rufen, etwas passiert. Stellen Sie sich das mal zu DDR-Zeiten vor (oder aktuell in der Türkei oder Ungarn) - Sie hätten nur noch sehr kurze Zeit Ihre Freiheit genießen können. Meinungsfreiheit heißt aber auch, dass ich Kritik an meinen Äußerungen akzeptieren muss. Das gehört zu einer lebendigen Demokratie dazu. Leider verkauft die AfD den Widerspruch zu ihren Positionen bei ihren Anhängern immer wieder als Einschränkung der Meinungsfreiheit. Nein, es sind normale Debatten, denen sich eine Partei einfach auch mal stellen muss, ohne immer nur darüber zu jammern. Beim Austeilen gegen Andere sind sie doch auch nicht so zimperlich

Wir haben freie Wahlen und selbst Parteien, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, dürfen zu diesen Wahlen antreten.

Wir haben eine Pressefreiheit. Ja, sicher gibt es auch parteinahe Medien, aber wir haben eine große Auswahl und können uns breit und umfassend informieren. Das war zu DDR-Zeiten nicht so. Eine Partei, die wie die AfD bspw. (bestimmte) Medienvertreter auf ihren Versammlungen nicht zulässt, hat definitiv eine andere Vorstellung von Pressefreiheit, als die, für die wir damals unsere Karrieren und unsere Freiheit riskiert haben.

Wir wollten damals Hoffnung geben und den Menschen Mut machen. Wir wollten Frieden, Ehrlichkeit und Nächstenliebe. Die AfD steht für eine Politik der Angstmacherei, der Ausgrenzung (auch Andersdenkender), der Verdrehung von Fakten, wenn sie nicht ihrem Denken entsprechen und des gezielten Tabubruches.

Also, ihr Mitglieder und Anhänger der AfD: hört auf, unsere Errungenschaften mit Füßen zu treten. Wir wehren uns dagegen, von euch missbraucht zu werden. Wir haben große Sorgen, wenn wir nach Ungarn, Polen, in die Türkei und ähnlich regierte Länder schauen, wie dort rechte, nationalistische Populisten mit der Demokratie umgehen. Länder, die für euch Vorbilder sind. Wo eben keine Meinungsfreiheit herrscht. In den sozialen Medien, aber auch bei öffentlichen Auftritten bekommen wir ja schon angekündigt, was mit Menschen passiert, die nicht eurer Meinung sind, solltet ihr an die Macht kommen. All das ist definitiv nicht das, wofür viele Menschen in der DDR und auch im Vogtland 1989 gekämpft haben. Eher dagegen."

Ullrich Franke, Wolfgang Helbig, Klaus Hopf, Thomas Huscher, Uwe Jäkel, Kerstin Kollwitz, Steffen Kollwitz, Jörgen Meyer, Olaf Thiel, Steffen Unglaub, Diana Zierold, Ralf Zierold, Peter Luban

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    4
    ich
    18.10.2019

    Liebe AfD, warum um alles in der Welt hast du dir diesen komischen Namen gegeben? Oder meinst du das tatsächlich im Ernst? Alternative für Deutschland - eine Partei als Alternative für ein ganzes Land. Nein danke, das hatten wir schon zweimal. Einmal hieß das NSDAP und danach SED. Und weil wir das nicht mehr wollten, sind wir am 7. Oktober 1989 auf die Straße gegangen. Übrigens: da gab es dich noch gar nicht - nicht einmal die seltsamen antieuropäischen Gedanken deines Gründervaters Lucke. Mit welchem Recht vereinnahmst du also unser Handeln von 1989 für dich?

    Vielleicht meinst du aber mit AfD, man sollte Deutschland durch etwas anderes ersetzen. Ehrlich gesagt, mir gefällt Deutschland. Man könnte zwar eine Menge dran verbessern, aber ich will keine Alternative für Deutschland. Polen? Türkei? Russland? Nein danke, das ist nicht die gesellschaftliche Vision, für die ich 1989 demonstriert habe - und über 15.000 mit mir.

    Weißt du was? Schaff dich doch einfach ab. Oder schmeiß alles weg und fang nochmal von vorne an. Neuer Name, neues Programm,... und bring deine Farbe in Ordnung, denn an manchen Stellen schaut die Grundierung heraus. Und die ist braun.

    Gutes Gelingen.

  • 4
    4
    Distelblüte
    18.10.2019

    Dem schließe ich mich an.



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