Corona: Die Lage im Vogtland am Wochenende

Zehn Infektionen mit dem Coronavirus sind im Vogtland bisher der Kreisbehörde bekannt. Wie Menschen, die im Supermarkt oder in einer Arztpraxis arbeiten, nun die Nerven behalten. Was das Coronavirus mit wichtigen lokalpolitischen Entscheidungen macht. Und wie sich jetzt wer im Vogtland unter die Arme greift.

Aktueller Stand der Infektionen im Vogtlandkreis: Im Vogtland gibt es inzwischen 16 Covid-19-Erkrankungen. Aus welchen Orten die 16 Infizierten kommen, ist unklar. Am Sächsischen Krankenhaus in Rodewisch gibt es einen Corona-Fall unter den Mitarbeitern

16 Infizierte im Vogtland: Das Sächsische Sozialministerium gibt die Anzahl der Corona-Infizierten im Vogtland am Sonntag mit 16 an (Stand 22. März, 12 Uhr). Diese Zahl war bereits am Samstag genannt worden. Das Gesundheitsamt des Vogtlandkreises hat seit Freitagnachmittag keine neuen Corona-Informationen veröffentlicht, eine "Freie Presse"-Anfrage blieb am Sonntag ohne Reaktion. In den sächsischen Nachbarlandkreisen des Vogtlands wurden teils deutlich mehr Infizierte gezählt: Landkreis Zwickau (149) und Erzgebirgskreis (33, jeweils Stand Sonntag, 12 Uhr; Quelle: Sächsisches Sozialministerium).

Vogtlandbahn fährt weiter: Die Vogtlandbahn will trotz der Coronakrise das Fahrplanangebot aufrecht erhalten. Das teilte die Länderbahn mit, zu der die Vogtlandbahn gehört. "Solange wir ausreichend gesunde Mitarbeiter haben, die die Züge zuverlässig fahren können, werden wir das auch tun", erklärte Geschäftsführer Wolfgang Pollety. Gerade im ländlichen Raum sei der Nahverkehr oft die einzige Möglichkeit, zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Dennoch mahnt das Unternehmen: "Jede unnötige Fahrt erhöht das Risiko einer schnelleren Ausbreitung." Aktuell könne die Länderbahn noch nahezu jeden Zug besetzen und fahren, es gebe nur wenige krankheitsbedingte Ausfälle. Sollte mehr Mitarbeiter erkranken, müsste auf seinen Sonderfahrplan umgestellt werden. In den Zügen gelten bereits jetzt verschärfte Hygienemaßnahmen. Eingestellt ist der grenzüberschreitende Zugverkehr nach Tschechien.

Stilles Gebet möglich: Die Katharinenkirche in Oelsnitz ist ab kommendem Montag zwischen 10 und 12 Uhr für ein stilles Gebet offen. Für seelsorgerliche Gespräche hält sich Pfarrer Schlotterbeck bereit, teilte er mit. Die Hauptkirche in Oelsnitz ist zwar eigentlich die St. Jakobikirche - doch die sei zur Zeit extrem kalt, so Schlotterbeck. "Die Katharinenkirche ist temperaturmäßig immer etwas überschlagen und so auch besser geeignet für ein Gebet."

Polizei stellt wenig Verstöße fest: Die Menschen in Südwestsachsen haben sich am Wochenende zum überwiegenden Teil an die coronabedingten Verhaltensvorgaben gehalten. Diese Bilanz zog die Polizeidirektion Zwickau. Polizisten hatten am Samstag und Sonntag die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert. Unter anderem überprüften sie Gaststätten, Geschäfte und Spielplätze. Sieben Geschäfte, die noch geöffnet waren, wurden nach dem Hinweis auf die geltende Allgemeinverfügung umgehend geschlossen, ebenso wie elf verschiedene Gaststätten und Imbisse. Auf öffentlichen Spielplätzen wiesen die Beamten Eltern mit Kindern auf die Sperrungen hin. Gruppen von mehreren Personen wurden ebenfalls angehalten, die Verhaltenshinweise des Robert-Koch-Institutes zu beachten. Alle Durchsetzung und Gespräche verliefen friedlich, die Betroffenen zeigten Einsicht, teilte die Polizeidirektion mit.

Aufruf in Reichenbach: Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU), die Leitung der Freiwilligen Feuerwehr, Ordnungsamtsleiterin und Polizeivertreter haben sich am Sonntag zur Einsatzbesprechung getroffen, um das weitere Handeln abzustimmen. Fahrzeuge der Einrichtungen waren nach Angaben aus dem Rathaus im Stadtgebiet unterwegs, um aufzurufen, "getrennt zusammenzustehen". In einem Aufruf der Stadtverwaltung heißt es: "Appelliert wird an die Verantwortung aller - für sich selbst und für die Gesellschaft.
Meiden Sie den Kontakt untereinander! Bleiben Sie zu Hause! Halten Sie Abstand! Nehmen Sie so dem Corona-Virus die Chance, sich weiter zu verbreiten!"

Ode an die Freude: Zahlreiche Vogtländer wollen sich am Sonntagabend an einer bundesweiten Aktion beteiligen. Deutschlandweit soll um 18 Uhr die "Ode an die Freude" aus Fenstern erklingen - als Zeichen der Zuversicht und der Hoffnung. Viele Privatleute im Vogtland haben bereits angekündigt, mitzumachen. Auch Kammermusiker Georg Stahl ist dabei - er hat vorab ein Werbevideo für die Aktion ins Netzwerk Facebook gestellt.

Nerven behalten ohne Homeoffice: Das müssen zurzeit Menschen, die in sogenannten "systemrelevanten" Berufen arbeiten. Zum Beispiel in Supermärkten, vor denen teils Wachmänner stehen und in denen leere Regale gähnen, und in Arztpraxen. Zwei Frauen, die während der Corona-Krise an vorderster Front arbeiten, berichten. Lesen Sie mehr: Damit sich die Welt weiterdreht

Veranstaltungen: Große und kleine Events - sie werden auch im Vogtland reihenweise abgesagt, um einer Verbreitung des Coronavirus' Paroli zu bieten. Darunter ist auch das Freiträumer-Festival, das verschoben werden soll. Warum der Veranstalter darin eine Chance sieht, lesen Sie hier: "Das ist ganz klar ein derber Schlag"

Applaus für Helfer: Überall im Vogtland bilden sich Initiativen, um sich gegenseitig unter die Arme zu greifen. Von Einkaufen über Apothekengänge und Rechtstipps bis zum "Vorlese-Onkel": So kreativ helfen sich Vogtländer. Mehr darüber lesen Sie hier: "Das tut auch der Seele gut". Extra-Beifall gab es am Freitag von Mitarbeitern der Geschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt Vogtland in Auerbach - und zwar für allen, die im Gesundheitswesen dem Coronavirus die Stirn bieten. Video und Beitrag finden Sie hier: Extra-Applaus für das Gesundheitspersonal. 

 

Corona und die Politik: Selbst auf eine lang andauernde, hitzige Debatte in Auerbach hat das Coronavirus Einfluss. Jetzt musste deshalb eine mit Spannung erwartete Entscheidung ums Waldbad Brunn verschoben werden. Was das mit der Debatte um ein mögliches Ganzjahresbad macht, lesen Sie hier: Waldbad Brunn: Entscheidung wegen Corona verschoben. In Heinsdorfergrund trotzt man den Coronafolgen: Die Bürgermeisterwahl soll stattfinden. Wähler sollen lieber einen eigenen Stift mitbringen. 

 

 

 

 

 

 

 


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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    juergenhorst
    23.03.2020

    Die Wahl in Heinsdorfergrund sollte m.E. als prinzipielle Briefwahl durchgeführt werden. Das wäre zwar ein erheblicher Aufwand, aber auf jeden Fall für alle sicherer.

  • 2
    0
    Cleaner1955
    22.03.2020

    Danke an alle Helfer und die Bürgermeister und Kreisräte, die sich um das Wohl ihrer Bürger kümmern!!!