Pflegeeltern aufgepasst: Was sich ab Januar auch im Vogtland ändert

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Kinder und Jugendliche haben gegenüber den Eltern auf Zeit mehr Mitspracherecht

Ab Januar haben Schutzbefohlene per Gesetz mehr zu sagen. Möglich macht das eine Reform des Vormundschaftsrechtes. Ein Kind oder ein Jugendlicher darf demnach künftig mitbestimmen, wer sein Erziehungsberechtigter sein soll. Sabine Schott hat im Jugendamt des Vogtlandkreises nachgefragt, was dies genau bedeutet.

Inwiefern wird es durch die Gesetzesnovelle künftig leichter für die derzeit 184 Pflegefamilien im Vogtlandkreis, eine Vormundschaft zu beantragen?

Das Vormundschaftsreformgesetz möchte die Stellung von Pflegepersonen, die eine gefestigte persönliche Bindung zum Pflegekind haben, stärken. Die Übernahme der Vormundschaft für ein Pflegekind durch die Pflegeeltern gilt als ehrenamtliche Vormundschaft, welche stets durch das Jugendamt zu prüfen und zu befürworten ist. Dies war nach der bisherigen Gesetzeslage bereits möglich und wurde durch das Jugendamt ebenso abgeprüft. Die Reform schafft nunmehr die Möglichkeit, dass einzelne Sorgerechtsangelegenheiten vom Vormund auf die Pflegeperson als Pfleger übertragen wird. Mit dieser Novellierung will der Gesetzgeber den tatsächlichen Lebensumständen des Mündels Rechnung tragen, indem der Pflegeperson, bei der das Kind/der Jugendliche lebt, die Möglichkeit eingeräumt wird, auch rechtlich in der Lage zu sein, für sie zu handeln.

Forciert die Behörde die Doppelfunktion Pflegeeltern/Vormund?

Eine Präferenz des Amtes gibt es hier nicht. Die Empfehlung des Jugendamtes an das Familiengericht stellt stets eine Einzelfallentscheidung dar, die das Pflegekind im Blick hat und sich nach der Perspektive des Kindes und dem Verhältnis der Pflegeeltern zu den leiblichen Eltern richtet. Grundvoraussetzungen für die Übernahme der Vormundschaft durch die Pflegeeltern sind die Festlegung einer unbefristeten Vollzeitpflege sowie die Zusammenarbeit der Pflegeeltern mit den leiblichen Eltern.

Haben alle Pflegeeltern die "Elternschule" durchlaufen?

Die Teilnahme an der Pflegeelternschulung ist ein verpflichtender und wichtiger Bestandteil im Rahmen der Prüfung als Pflegestelle. Alle Bewerber erhalten in diesem Rahmen wichtige Informationen vor der Aufnahme eines Kindes sowie die Möglichkeit des Austausches mit anderen Bewerbern und erfahrenen Pflegeeltern.

Von wem wird diese Ausbildung angeboten?

Die Schulungen werden durch die Erziehungsberatungsstellen des Vogtlandkreises (Arbeiterwohlfahrt und Diakonie) veranstaltet und finden in der Regel an deren Standorten in Plauen, Reichenbach, Auerbach und Adorf statt. Die Anmeldung der Bewerber zur Schulung erfolgt durch den Pflegekinderdienst.

Wie wird überprüft, ob Pflegeeltern ihren Aufgaben gerecht werden?

In regelmäßigen Abständen findet ein gesetzlich vorgeschriebenes Hilfeplangespräch statt. Dabei werden alle an der Hilfe beteiligten Personen einbezogen, um den Blick auf die Entwicklung des Kindes zu legen. Darüber hinaus erfolgen in regelmäßigen Abständen Hausbesuche und Kontakte mit den Pflegeeltern und Pflegekindern. Die Abstände sind auch von den Bedarfen des Pflegekindes und der -familie abhängig und variieren daher.

Wie reagiert das Amt, falls Pflegeeltern als nicht mehr geeignet erscheinen? Oder wenn das Kindeswohl selbst in der Pflegefamilie gefährdet erscheint?

Im Fall einer Kindeswohlgefährdung erfolgt eine Prüfung. Um die Gefährdung abzuwenden, werden Fallberatungen und Gespräche mit den Beteiligten durchgeführt sowie Unterstützungs- und Hilfsmöglichkeiten angeboten. Ist ein weiterer Verbleib des Kindes in der Familie nicht mehr möglich, wird nach einer anderen geeigneten Unterbringungsmöglichkeit gesucht, die dem Wohl des Kindes entspricht.

Wie viele Pflegeeltern adoptieren pro Jahr ihre Schützlinge?

Die Adoption durch Pflegefamilien ist im Vogtlandkreis die Ausnahme. Aktuell befinden sich vier Familien in der Vorbereitung des Adoptionsverfahrens. (sasch)

Mehr Infos gibt es unter vogtlandkreis.de/pflegefamilien

 

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