Schon zehn Kitze vor Mähtod gerettet

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Die Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz geht in die Offensive. Am Samstag zum Tag der offenen Tür stehen nicht nur die eigenen Tiere im Mittelpunkt. Auch eine große Spendenaktion soll gestartet werden.

Theuma/Neuensalz.

Rehkitze leben gefährlich. Ihnen droht, dass sie den Mähtod bei Erntearbeiten auf Wiesen sterben. Da sie geduckt im Gras liegen und nicht wegrennen, hat der Fahrer eines Häckslers keine Chance, die jungen Tiere zu sehen. In den letzten Jahren entstanden mehrfach Initiativen, um das zumindest teilweise zu verhindern. Zu den Menschen, welche Landwirte unterstützen wollen, gehört Sandra Schroth aus Plauen. Sie hat in den sozialen Netzwerken eine Gruppe gegründet, die zu Hilfe eilt, wenn gemäht werden soll. 60 Leute stehen bereit, um vor dem Mähen Wiesen abzulaufen.

Doch das stößt nicht bei allen Landwirten auf Gegenliebe, denn beim Ablaufen der Fläche kann das Gras umknicken, das sich dann nicht mehr mähen lässt und für die Futterernte verloren ist. An dieser Stelle kommt die Agrargenossenschaft Theuma ins Spiel. Deren Vorsitzender Udo Weymann will die Kitze auch gern retten, doch so einfach sei das nicht: "Wir mähen an einem Tag 40 bis 50 Hektar. So viele Leute kann niemand mobilisieren, um diese Flächen abzulaufen und außerdem entsteht dadurch natürlich schon ein gewisser Schaden", gibt er zu bedenken.

Dass man 40 Hektar und mehr nicht ablaufen kann, haben auch Sandra Schroth und ihre Mitstreiter erkannt. "Wir schaffen bei einem Einsatz vier bis fünf Hektar", sagt sie. Es sei notwendig, im Abstand von etwa einem Meter die Wiese zu durchlaufen, sonst bestehe die Gefahr, die Kitze zu übersehen. Um im Grün nicht die Orientierung zu verlieren, halten sich alle Aktivisten an einem Seil fest, sozusagen um die Spur zu halten. Auf diese Weise haben die Aktivisten mithilfe eines Jägers, der die Jungtiere fachmännisch aus der Wiese trägt, in dieser Saison schon zehn Kitze gerettet.

Noch erfolgreicher wären die Kitzretter mithilfe einer Drohne, welche die Fläche überfliegt. Die Kitzretter bräuchten weniger Leute und wären schneller. Ein brauchbares Gerät kostet etwa 6000 Euro. Udo Weymann hatte eine Idee: "Wenn wir an diesem Samstag zum sachsenweiten Tag des offenen Hofes einladen, starten wir gleichzeitig eine Spendenaktion, um eine Drohne zu kaufen. Ich hoffe, dass uns besonders unsere prominenten Gäste mit Spenden unterstützen. Alle anderen Besucher dürfen sich natürlich genauso beteiligen." Die Agrargenossenschaft wolle auch ihren Teil zum Gelingen der Aktion beitragen.

Weymann kündigt zudem an, dass er die Drohne den Kitzrettern auch für Einsätze bei anderen Landwirten zur Verfügung stellen wolle. Aus Sicht von Sandra Schroth eine gute Sache, "dann können wir vielleicht auch Bauern von der Kitzrettung überzeugen, die das bisher wegen der zu befürchtenden Flurschäden abgelehnt haben." Ein bitterer Beigeschmack bleibt allerdings: Da der Sachsenforst im Zuge des Waldumbaus die Devise verfolgt "Wald vor Wild" und Rehpopulationen dezimieren möchte, ist den geretteten Rehen eventuell kein langes Leben beschieden. "Ich verstehe das nicht. Es gibt aber auch viele Jäger, die in Privatwäldern jagen, die das nicht so sehen und uns unterstützen", so Sandra Schroths Erfahrung.

Wer die Kitzrettung unterstützen möchte und gleichzeitig die Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz besichtigen und kennen lernen möchte, kann dafür den Samstag, 11. Juni, ab 9.45 Uhr nutzen. Die Agrargenossenschaft lädt nicht nur zum Tag des offenen Hofes ein, sie feiert auch ihr 30-jähriges Bestehen nach. Die prominenten Gäste empfängt der Betrieb ab 10 Uhr im Festzelt in Theuma. Gleichzeitig beginnt ein buntes Markttreiben. Nachmittags gestalten Kindergärten der Region ein Programm im Festzelt. Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie erwartet die Besucher. Ab 20 Uhr wird im Festzelt unter dem Motto "Tanz in die Nacht" Livemusik gespielt.

Kontakt für die Kitzrettung Plauen: Sandra Schroth, Telefon 0173 2645404.

www.freiepresse.de/kitzretter

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