Wenn plötzlich "Europol" anruft

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Eine neue Masche von Telefonbetrug überrollt derzeit das Vogtland. Wer schlecht Englisch kann, ist dagegen oft immun - aber nicht immer.

Reichenbach/Auerbach.

Auch Verbraucherschützerin Heike Teubner selbst hat es schon erwischt: Vor ein paar Tagen klingelte ihr Handy, auf dem Display erschien eine Nummer aus Deutschland. Doch es folgte ein Anruf auf Englisch. "This call ist from Europol" behauptete eine Frauenstimme - es sei also die europäische Strafverfolgungsbehörde am Apparat. Man wolle darüber informieren, dass ihre persönliche Daten für Straftaten missbraucht würden. Um Näheres zu erfahren, solle sie die 1 drücken. "Innerhalb einer halben Stunde kamen drei solcher Anrufe", schildert Heike Teubner - jeweils mit wechselnden deutschen Handy- oder Festnetz-Nummern.

Während die Verbraucherschützerin natürlich nicht zurückrief, schon weil Polizeibehörden nie auf diese Weise Kontakt aufnehmen, sind viele andere bereits Opfer dieser neuen Betrugsmasche geworden - auch im Vogtland. Dabei seien gerade die älteren Vogtländer hier weniger in Gefahr, weil sie oft kein oder kaum Englisch sprechen. "Sie verstehen nichts und legen dann auf, und das ist ja richtig", so Heike Teubner. Viele Betroffene hätten sich trotzdem nachträglich bei ihr erkundigt, was es mit den mysteriösen Anrufen auf sich habe.

Und mindestens eine Frau "um die 60" aus dem oberen Vogtland ist den Kriminellen auf den Leim gegangen: "Sie hat sich hinterher bei uns gemeldet, aber da war es zu spät: Sie hat 6000 Euro verloren." Die Betroffene verstand immerhin so viel Englisch, dass sie zurückrief. Es habe sich ein angeblicher Europol-Mann gemeldet, der gebrochen Deutsch sprach und ihr schilderte, dass ihre Identität gestohlen worden sei und für Geldwäsche und ähnliche Delikte genutzt werde. Sie müsse mit Europol kooperieren, sonst drohe ihr selbst eine Haftstrafe. Die Frau habe sich dadurch einschüchtern lassen und das Geld in drei Tranchen auf ausländische Konten überwiesen: "Da ist nichts mehr zu machen."

Heike Teubner warnt davor, dass die Betrüger starken Druck aufbauen und überzeugende Geschichten erzählen. Auch die auf dem Display sichtbaren Nummern, die Anrufe aus dem Inland vorgaukelten, gaukelten Seriosität vor: "Es nützt nichts, die Nummern zu notieren: Die sind alle gefaked." Die neue Masche überrollt seit einigen Monaten ganz Deutschland - die Täter haben bereits Millionen erbeutet. Opfer werden naturgemäß eher Menschen, die gut Englisch sprechen. Da Magazin "Der Spiegel" schildert den Fall einer ausländischen Studentin in Leipzig, die 20.000 Euro nach Thailand transferierte. "Einfach auflegen", rät Heike Teubner eindringlich - dann könne nichts passieren.

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