Zwei Vogtländerinnen erkunden Familiengeschichte

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Zwei Ruppertsgrüner Geschwister im Rentenalter kommen regelmäßig nach Hirschberg, wo sie aufgewachsen sind. Warum ihnen das wichtig ist und weshalb bei ihnen auch schon mal Tränen flossen.

Ruppertsgrün/Hirschberg.

Wer am Tag der Deutschen Einheit ganz bewusst die Stadt Hirschberg besucht, bei dem werden oft Erinnerungen wach. Denn wo heute friedlich die Saale plätschert und sich Enten im Wasser tummeln, verlief einst die deutsch-deutsche Grenze, die Ost und West unüberwindbar trennte.

Die Geschwister Petra Hösel und Christine Wagner aus dem Pöhler Ortsteil Ruppertsgrün, heute 68 und 74 Jahre alt, waren in Hirschberg bei ihrer Tante aufgewachsen. "Wir wohnten direkt an der Saale", sagt Petra Hösel. Sie hatte bei ihrem Besuch am Montag ein Schwarz-Weiß-Foto von damals dabei. Als junge Mutter hatte sie ihre Tochter beim Spielen fotografiert, um die Mauer auf dem Bild zu haben. "Denn die Mauer fotografieren durften wir nicht." Überhaupt kommen die Geschwister - es fehlte die große Schwester - gerne nach Hirschberg zum Wandern. "Es ist unsere Familiengeschichte. Sie ist auch wichtig für unsere Kinder und Enkel." Und so waren am 3. Oktober die Angehörigen dabei. Christine Wagner erzählte dann auch von Hirschberg als Stadt im Grenzgebiet und von der Lederfabrik. "Sie war das Herz von Hirschberg." Erinnern können sich die Geschwister an die Grenzöffnung von 1989. "Wir standen ja zuvor immer nur auf der Hirschberger Seite und schauten nach drüben. Als die Grenze offen war, sahen wir erstmals von der Westseite rüber nach Hirschberg." Keine Frage, da flossen bei beiden die Tränen. Und immer wieder, wenn sie heute regelmäßig ihre Stadt der Kindheit besuchen, kommen Erinnerungen und Emotionen hoch.

Die neue Brücke, die Hirschberg und Untertiefengrün verbindet, steht jetzt seit 25 Jahren. Die Einheitswanderung, die alljährlich viele Teilnehmer anzieht, fand diesmal allerdings auf Oberfrankener Seite statt, wurde von der Gemeinde Berg organisiert. "Ungefähr 150 Teilnehmer waren wir", berichtete Rüdiger Wohl, Bürgermeister von Hirschberg. "Wir waren erfreut und überrascht, dass nach zwei Jahren Pause wegen Corona so viel Zuspruch da war." Damit hatte man gar nicht gerechnet. Aus Hirschberg, auch aus Ronneburg und Gera waren Wanderer gekommen.

"Die Tradition soll fortgeführt werden. Nächstes Jahr ist Hirschberg wieder Ausgangspunkt für die Einheitswanderung", so Wohl. Dann sind die Stadt Hirschberg und der heimische Frankenwaldverein die Organisatoren.

Der Bürgermeister freute sich auch, dass am Museum für Gerberei- und Stadtgeschichte, dem einstigen Verwaltungsgebäude der Lederfabrik, am Montag einiges los war und sich die Organisatorinnen viel Mühe gegeben hatten, das Apfelfest auf die Beine zu stellen. Auch der Maschinenraum der einstigen Lederfabrik konnte besichtigt werden. In der alten Schusterwerkstatt schauten sich Michelle Dorst und Hannelore Hohenwald aus Rothenacker um. "Wir sind zum ersten Mal hier, dabei ist es eigentlich so nah." Immer wieder schauten sich Besucher gerne in den musealen Räumen um, und auch draußen sah man Wanderer, Spaziergänger.

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